Bad Säckingen (D)
«Sobald wir dürfen, spielen wir»: Macher des Musicals «Tommy Tailors Traumfabrik» bleiben zuversichtlich

Es ist ein harter Schlag für die Kulturbranche: Kaum hat die Saison im Gloria-Theater Bad Säckingen begonnen, muss das Haus aufgrund des neuerlichen Lockdowns in Deutschland vom 2. bis 30. November wieder schliessen. «Wir kämpfen weiter. Wir werden das überleben», sagt Intendant Jochen Frank Schmidt.

Roswitha Frey
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An diesem Wochenende können noch drei Vorstellungen von «Tommy Tailors Traumfabrik» stattfinden, bevor das Gloria-Theater schliessen muss.

An diesem Wochenende können noch drei Vorstellungen von «Tommy Tailors Traumfabrik» stattfinden, bevor das Gloria-Theater schliessen muss.

Roswitha Frey

Die drei Vorstellungen des Musicals «Tommy Tailors Traumfabrik» von diesem Wochenende können noch wie geplant stattfinden. Mit jeweils 218 Besuchern sind die drei Shows ausgebucht, alle nach den Coronaregeln verfügbaren Plätze sind belegt. Für die ausfallenden Vorstellungen im November sollen Ersatztermine im Februar gefunden werden. Sobald die Ersatztermine feststehen, könnten die bestellten Tickets neu eingebucht werden.

Viel Arbeit in das Schutzkonzept gesteckt

Das Gloria-Theater habe massiv in ein Schutzkonzept mit Lüftungssystem, Maskenpflicht und Abstandsregeln investiert und intensiv mit den Behörden gesprochen, um die bestmögliche Sicherheit für die Besucher zu ermöglichen. Dieses Schutzkonzept habe bisher bestens funktioniert, so Schmidt. Dass trotz all dieser Anstrengungen nun die Veranstaltungshäuser wieder zumachen müssen, kommt für Schmidt einem «Berufsverbot» gleich. «Und die Ausübung des Berufs ist ein Grundrecht.»

Er stehe hinter den nötigen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie, aber diese müssten «verhältnismässig» sein. Die Kultur- und Veranstaltungsbranche, in der in Deutschland 1,4 Millionen Menschen arbeiten, habe nicht dieselbe Lobby wie andere Branchen. «Im Netz ist die Hölle los», berichtet Schmidt von kritischen Kommentaren über die Schliessung der Kulturstätten.

Die Solidarität mit dem Gloria-Theater sei gross, die Musicalmacher würden überhäuft mit Rückmeldungen. Viele Besucher stärkten ihnen den Rücken, indem sie Gutscheine für Tickets dem Gloria als Spende überlassen. Bei einer Liveshow habe man das Musical ausserdem als Hörspiel aufgenommen, das demnächst herauskommt. «Die Leute können das Hörspiel kaufen, um das Gloria zu unterstützen.»

Darsteller arbeiten jetzt als Synchronsprecher

«Wir sind weiter in Kontakt mit den Behörden», sagt Schmidt. Auch versuche man, Förderprogramme in Anspruch zu nehmen. Die Gloria-Macher haben inzwischen Übung darin, ständig umplanen zu müssen. Sie haben vorgesorgt, um diesen zweiten Lockdown zu überstehen.

Mit dem Ensemble seien Verträge bis Mai abgeschlossen worden, sodass die Verschiebungen möglich seien. Es sei sogar angedacht, «Tommy Tailors Traumfabrik» in der Saison 2021/22 weiter zu spielen. Für die Musicaldarsteller sei das Veranstaltungsverbot eine schwere Situation, aber der Durchhaltewille sei gross im Ensemble. Einige der Darsteller hätten die Möglichkeit, Unterricht zu geben oder als Synchronsprecher zu arbeiten. Alle seien «unendlich glücklich, dass sie hier spielen können», so Schmidt. Die fünf fest angestellten Mitarbeiter seien seit vergangener Woche in Kurzarbeit. Schmidt setzt die Hoffnung darauf, im Dezember wieder öffnen zu können: «Sobald wir dürfen, spielen wir weiter.»