Dem Haar wird schon seit jeher eine ganz besondere Symbolkraft zugesprochen, ob als Gradmesser der Gesundheit, Ausdruck von Schönheit oder als Schmuck. Die Locke der Geliebten war Pfand und Versprechen für Treue, die des Kindes eine wertvolle Erinnerung. Die Haarpracht in den unterschiedlichsten Zeiten konnte Ausdruck einer Gesinnung sein, aber auch Demütigung, wenn sie in Gänze abrasiert wurde.

Blumenarrangements und Broschen

Schon in biblischen Zeiten fertigten alte Kulturvölker daraus Kleidung und anderes, bekannt ist das «härene Gewand» von Johannes dem Täufer aus den Anfängen der Religionsgeschichte. Auch später waren der Fantasie dieser Kunst keine Grenzen gesetzt, es entstanden aus menschlichem Haar Ketten, Broschen, Uhrbänder, Armreife und mehr. In der Biedermeierzeit erfreute sich diese Kunstfertigkeit besonders in Europa grosser Beliebtheit. Im 18. und 19. Jahrhundert war es zum Beispiel Tradition, dass die Braut zur Hochzeit ihrem Gemahl ein Uhrband aus eigenem Haar knüpfte und auch heute ist ein solches Geschenk Ausdruck einer ganz persönliche Wertschätzung.

In der Schweiz steht Wiege der Haarflechtkunst in Appenzell Innerrhoden, wo unter anderem auch in Klöstern prächtige Blumenarrangements und rosettenförmige Broschen entstanden. Eher durch Zufall hatte Irma Baumann vor 25 Jahren Kontakt zu einer Appenzellerin, die diese Kunst perfekt beherrschte und Kurse dazu anbot. Seither widmet sich Irma Baumann mit Begeisterung dieser Kunst, besuchte weitere Kurse, probierte selbst viele unterschiedliche Techniken aus wie Makramee, Marudai oder dem Strohflechten. Eine kleine Auswahl ihrer schönsten Kreationen – Bilder, Ketten, verzierte Eier, Armbänder und vieles mehr – hatte sie am Sonntag in das Fricktaler Museum mitgebracht. Darüber hinaus ihr Handwerkszeug, mit dem sie den Werdegang der Herstellung mit vielen Erklärungen zeigte.

Die Hände flogen hin und her

In einer Kartätsche wurden die Haare fixiert, danach zog sie je nachdem, was entstehen soll, kleine Büschel von zehn bis 90 Haaren heraus. Diese befestigte sie an kleinen grünen Gewichten und hängte sie, 32 Stück, am Flechtstuhl auf. Ähnlich wie beim Klöppeln flogen ihre Hände hin und her, in der Mitte des Flechtstuhls wuchs das Kunstwerk in kleinen Schritten. Pro Stunde etwa drei Zentimeter. Kleine Holzformen, intensives Kochen und fantasievolles Abbinden ergeben am Ende die unterschiedlichsten Formen. Rosetten oder Blumen werden auf einer Stahlnadel gedreht. Für die Besucher war dieser Nachmittag ein spannender Ausflug in die Welt eines heute kaum noch bekannten Handwerks.