Telefonbelästigung
So wehrt man sich gegen unliebsame Telefonbelästiger

Auch im Fricktal fühlen sich immer mehr Menschen durch Telefonanrufe von Callcentern belästigt. Für einmal weiss die Swisscom Rat.

Werner Hostettler
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Immer öfter werden auch im Fricktal ältere Menschen durch dubiose Anrufe verunsichert. hot

Immer öfter werden auch im Fricktal ältere Menschen durch dubiose Anrufe verunsichert. hot

Dienstag, 11. Januar, 20.45 Uhr in einer Oberfricktaler Wohnung. Die beiden älteren Mieter schauen sich einen «Tatort» am TV an, da klingelt das Telefon. Wer wohl um diese Zeit noch anruft, sorgt sich die Frau. Ihr Mann murmelt ein «Hoffentlich ist nichts passiert», nimmt den Hörer ab und eine übertrieben freundliche Callcenter-Stimme säuselt ihm etwas von einer «Umfrage bei 18- bis 64-Jährigen» ins Ohr. Der Rentner legt genervt auf und fragt sich, ob er sich überhaupt, und wenn ja wie, gegen solche Störungen wehren kann.

Was den Fricktaler zusätzlich beschäftigt, formuliert er so: «Ich habe unsere Nummer extra sperren lassen und nun bekommen wir dennoch einen solch blöden Anruf. Was läuft da falsch?» Die az Aargauer Zeitung reichte die Frage weiter an die Swisscom, und deren Mediensprecherin Myriam Ziesack nimmt wie folgt Stellung: «Bei solchen Fällen ist anzunehmen, dass es sich um computergenerierte Anrufe aus dem Ausland handelt.

Dabei werden die Nummern automatisch programmiert und angerufen.» Dies geschehe in der Regel ohne Konsultation eines Nummernverzeichnisses: «Somit wird auch nicht berücksichtigt, ob der Kunde seine Nummer nicht öffentlich eingetragen hat.» Myriam Ziesack weiter: «Alternativ stammen Kontaktadressen aus dem Adresshandel und nicht aus Verzeichnissen wie beispielsweise Directories.»

Ein sprunghafter Handel

So weit so gut, aber für den «aus dem ‹Tatort› gerissenen» Fricktaler ist immer noch unklar, warum seine gesperrte Nummer plötzlich dennoch und sogar noch über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Der wohl wahrscheinlichste Grund könnte der sein, dass der Mann an einem Wettbewerb teilnahm und dort seine Telefonnummer angeben musste.

Verbraucherschützer stellen denn auch fest: «Es ist kein Geheimnis, dass mit Adressen und Telefonnummern von potenziellen Kunden ein sprunghafter Handel betrieben wird.» So komme es nicht selten vor, dass persönliche Daten durch die Teilnahme an einem einzigen Preisausschreiben oder durch die Eingabe im Internet an einen Datenhändler geraten, der die Daten an Dutzende oder gar an Hunderte von Firmen weiterverkauft.

Und bei Gewaltandrohung?

Fühlt sich ein Kunde durch Anrufe unzumutbar belästigt, kann er sich laut Swisscom an seinen Telekommunikationsanbieter wenden. Anhand der vom Kunden gemachten Angaben wird dann versucht, den Anrufer zu identifizieren. Myriam Ziesack: «Der Kunde muss einen schriftlichen Antrag zur Abklärung von belästigenden Anrufen bei Swisscom einreichen, in dem er sein Einverständnis zur Identifizierung gibt und den Missbrauch aufzeigt.»

Wichtig bei der Identifizierung sei, dass der Kunde «die belästigenden Anrufe entgegennimmt, da nur diese zurückverfolgt werden können». Zudem erklärt Ziesack: «Beispielsweise bei einer Gewaltandrohung hat der Kunde die Möglichkeit, nach der Identifizierung des Belästigers eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten.»