Frick
«So viele Hüte zu tragen ist manchmal schon schwierig, aber interessant»

Daniel Suter über seine Ämter, Aufgaben und Hobbys – und die Gemeinsamkeiten zwischen Theater und Politik. Zum Beispiel ist der Gemeindeammann von Frick auch Präsident des Verbands Schweizer Pilzproduzenten.

Marc Fischer
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Gemeindeammann, Champignon-Züchter, Theaterregisseur: Daniel Suter aus Frick mit «seinen» Champignons.

Gemeindeammann, Champignon-Züchter, Theaterregisseur: Daniel Suter aus Frick mit «seinen» Champignons.

Marc Fischer

Daniel Suter ist viel beschäftigt. Seit Anfang April ist er Präsident des Verbands Schweizer Pilzproduzenten (VSP). Seit gut 100 Tagen Gemeindeammann von Frick. Vor 22 Jahren hat er die Firma Suter Champignon-Kulturen von seinem Vater übernommen – und mittlerweile arbeitet sein Sohn Thomas auch im Betrieb. Zudem ist Daniel Suter in Verwaltungsräten, Vorständen und Kommissionen. Und Regisseur beim Theaterverein Staffeleggtal. Und Marktchef von Frick.

Einen gestressten Eindruck macht der 50-Jährige nicht. Im Gegenteil. Mit einem Schmunzeln sagt er, manchmal wisse er selber nicht, woher er die Zeit für all seine Tätigkeiten nehme. Und: «So viele Hüte zu tragen ist manchmal schon schwierig. Aber interessant.»

Nicht mehr im Tagesgeschäft

«Ich war schon immer entscheidungsfreudig und habe gerne Verantwortung übernommen», blickt er zurück auf seine Jugend, die er in Frick verbracht hat. Sein Vater hatte die Champignon-Zucht aufgebaut, Daniel Suter lernte zunächst Elektromonteur. «Dennoch bin ich nach und nach in den Betrieb hineingewachsen und habe ihn 1992 übernommen.» Damals hatte die Firma sieben Angestellte, mittlerweile sind es 27.

Die Suter Champignons AG liefert Pilze in die gesamte Nordwestschweiz. Arbeitet im Sieben-Tage-Betrieb. Daniel Suter sagt: «Ins Tagesgeschäft bin ich heute kaum mehr involviert.» Die Geschäftsleitung hat er Anfang Jahr an seinen Sohn übergeben. «Es war ein längerer Prozess. Ich hatte aber schon vorher die nötigen Strukturen und eine Stellvertreter-Kultur geschaffen.» Dennoch ist Suter wenn immer möglich um 6.30 Uhr beim Rundgang durch die Kulturen dabei.

Und in Kontakt mit den Pilzen bleibt er dank eines neuen Amtes sowieso. Seit Anfang April ist Daniel Suter nämlich Präsident des Verbands Schweizer Pilzproduzenten (VSP). «Das Präsidium wechselt fast turnusmässig», erklärt er, «nun war ich an der Reihe.» Riesig sei der Aufwand nicht. Etwa acht Sitzungen im Jahr. Aber es gelte, grössere Strecken zurückzulegen. Die Sitzungen seien meist im Kanton Bern. Und: «Ich habe mir vorgenommen, in meiner Amtszeit sämtliche Betriebe einmal zu besuchen.»

Spass am Amt

Sein Tagesgeschäft aber ist seit dem 1. Januar 2014 der Gemeindeammann-Posten. Mit 50 Prozent ist dieser veranschlagt. «Aber halt nicht zweieinhalb fixe Tage», sagt Suter und lacht. 12 Jahre war er zuvor im Gemeinderat. «Und ich habe immer gesagt, den Ammann mache ich nie.» Und wie kam es nun dennoch zur Wahl? «Nach den Wahlen vor vier Jahren war klar, dass Ammann Anton Mösch am Ende der Amtsperiode aufhört. Wir wollten die Nachfolge planen.»

Daniel Suter selber hat sich dann vor rund zwei Jahren gefragt, was er persönlich machen wolle und festgestellt: «Mir macht das Amt des Gemeinderates sehr grossen Spass und ich könnte mir den Ammann-Posten doch vorstellen.» Die innerfamiliäre Nachfolgeregelung im Betrieb und die Unterstützung der Mitarbeiter taten das Ihre dazu. «Und als mich meine Frau Cécile und meine Tochter Nicole ebenfalls bestärkten, habe ich kandidiert.»

Täglich im Gemeindehaus

Und was hat sich nun seit Anfang Jahr verändert? «Ich leite jetzt die Sitzungen.» Da ist er wieder, der Schalk. Und gleich folgt die ernsthafte Antwort: «Die letzten zwölf Jahre habe ich überall dran gesehen, jetzt sehe ich überall hinein. Die Aufgaben drehen sich schneller. Ich versuche nun, täglich einmal im Gemeindehaus zu sein.» Das Amt macht ihm Spass. Ambitionen, in die Kantonalpolitik einzusteigen, hat Daniel Suter, der für die Fricker FDP gewählt wurde, aber keine. «Das ist nicht mein Ding», winkt er ab.

Viel mehr sein Ding ist das Theater. Daniel Suter ist beim Theaterverein Staffeleggtal aktiv. Zunächst als Spieler, mittlerweile als Regisseur. «Theater ist eines meiner grossen Hobbys», schwärmt er. Klar sei es auch viel Aufwand. In den letzten Monaten vor den Aufführungen wird dreimal wöchentlich geprobt. Immer kann Suter nicht dabei sein. «Aber zum Glück kann ich mir die Regiearbeit mit Markus Schmid teilen.» Manchmal koste es nach einem langen Arbeitstag schon Überwindung, zur Probe zu fahren. Allerdings nicht lange: «Sobald ich in den Proben bin, geniesse ich es.» Und überhaupt, die Schauspielerinnen und Schauspieler müssten einen viel grösseren Aufwand betreiben. «Sie müssen die Texte auswendig lernen. Ich muss nur beobachten und ein Bild der Szenen im Kopf haben.»

Fixer Platz in der Agenda

Ist ein Gemeindeammann auch eine Art Regisseur? Hat die Regie-Erfahrung möglicherweise positive Auswirkungen auf sein politisches Amt? Daniel Suter überlegt kurz. «Jeder Spieler tickt anders. Ich versuche, mich in ihn hineinzuversetzen. Das kann auch bei politischen Verhandlungen helfen.» Und dann ist da noch etwas Anderes: «Im Theater achte ich sehr auf die Körpersprache. Sie sagt viel über die Haltung und die Verfassung eines Menschen – und es hilft im politischen Alltag.»

Apropos Alltag. Wann bleibt Zeit Daniel Suter überhaupt noch Zeit für die Familie? «Die kommt nicht zu kurz», so Suter. Er habe über die Jahre gelernt, sich Spielraum zu geben. «Ich mache meine Termine nicht im Stundentakt ab.» Und er trage seine Familientermine bewusst in die Agenda ein. «Diese sind dann hochheilig», bekräftigt er. Zudem teile er mit seiner Frau das Hobby des Theaterspielens.

Marktkommission als Einstieg

Ende Mai kommt für Daniel Suter die Zeit der Erholung. Segelferien in Griechenland. «Ich liebe es auf dem Katamaran durchs Wasser zu gleiten», so der Gemeindeammann. Nicht umsonst ziert ein solches Sportsegelboot seinen Büroschreibtisch. «Mich faszinieren die Geschwindigkeit und die Elemente Wind und Wasser.» In den Wochen bis zu den Ferien ist die Agenda allerdings noch voller als normal. Voll mit Hobbys. Am 15. Mai steht die Premiere des Theaterstücks «Lüge, Tod und Tüfel» auf dem Programm. Sechsmal wird es aufgeführt. Drei Tage vor der Premiere findet wieder der Fricker Markt statt, dessen Chef Daniel Suter noch bis Ende Jahr ist. Dann übergibt er an Fabian Friedli. «Ich geniesse jeden Markt. Die Marktfahrer sind super Typen mit einer gesunden Einstellung», betont er.

Mit dem Markt hat irgendwie auch das Gemeindeammann-Amt angefangen. «Ich bin via Marktkommission in die Politik reingerutscht», blickt Suter zurück auf die Anfänge vor bald 20 Jahren. Der Markt ist ihm ans Herz gewachsen. Und so wird der Fricker Gemeindeammann am 12. Mai mit seinem «Markthut» unterwegs sein. Diesen hat er sich eigens angeschafft, um bei jeder Witterung geschützt zu sein. Die Markttage sind die wenigen Tage im Laufe eines Jahres, an denen Daniel Suter nur einen Hut trägt.

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