Laufenburg

So sind die italienischen Einwanderer im Fricktal einst zurechtgekommen

Fotos und Interviews zum Anhören machen die Leonforte-Ausstellung aus: (v. l.) Patrizia Lo Stanco, Vera Ryser, Florence Willi, Claudio Marsilii, Herbert Weiss, Michele Camerota und Hannes Burger.

Fotos und Interviews zum Anhören machen die Leonforte-Ausstellung aus: (v. l.) Patrizia Lo Stanco, Vera Ryser, Florence Willi, Claudio Marsilii, Herbert Weiss, Michele Camerota und Hannes Burger.

Die Vernissage der Leonforte-Ausstellung bekommt grossen Zuspruch – auch der italienische Konsul war zugegen.

Sicher war es eine der bestbesuchten Vernissagen, die das Museum Schiff je erlebt hat. Und eine mit den prominentesten Gästen: Michele Camerota, italienischer Konsul in Basel, war ebenso darunter wie Stadtammann Herbert Weiss und fast der gesamte Gemeinderat. Weiss sagte, die Ausstellung über die Einwanderung aus dem sizilianischen Leonforte sei «am Puls der Zeit». Doch seinerzeit seien es «gschaffige» Leute gewesen, deren Integration in die Schweiz gelungen sei. «Heute bin ich mir da, angesichts der Massen an Einwanderern, nicht mehr so sicher», sagte Weiss.

Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins, der auf Deutsch und Italienisch begrüsste, betonte, dass für ihn Leonforte beispielhaft für die gesamte Schweiz stehe. «In der Ausstellung geht es gar nicht so sehr um den sizilianischen Ort, sondern um Einwanderung und das Gefühl von Fremdsein», sagte Burger.

Fotos aus Privatbesitz ausgestellt

Und dieses Gefühl verspürten die ab 1958 nach Laufenburg einwandernden Italiener aus Leonforte durchaus. Die in der Schau gezeigten Fotos aus Privatbesitz, die auf Leuchttischen liegend die Aufmerksamkeit der Besucher magisch anziehen, transportieren, wie sich die Neubürger in der Fremde behaupteten: mit Zusammengehörigkeitsgefühl, Familiensinn und dem Willen, sich etwas aufzubauen. Abbildungen zeigen die Männer und Frauen an ihren Arbeitsplätzen – bei der Kera, bei Erne Bau, bei Bonneterie, bei Triumph. Und sie hatten ja auch keine andere Wahl: Durfte doch nur derjenige in die Schweiz kommen, der auch arbeitete. So lebten die ersten Jahre die Männer alleine in Laufenburg, häufig nur in Baracken oder angemieteten möblierten Zimmern in der Altstadt.

Dann kamen die Frauen nach, liessen die Kinder bei den Grosseltern zurück und lernten in der Fremde Selbstbewusstsein und neue Stärke hinzu. Und einen gewissen rebellischen Geist brachten sie auch schon mit. Die Eltern von Nunzia Macorig, die 1964 zehnjährig aus Leonforte nach Laufenburg kam, beispielsweise widersetzten sich dem Verbot des Familiennachzugs und holten die Tochter zu sich. 18 Monate lebte sie so illegal in der Stadt, hatte keine Schule und genoss das Spielen in den Gassen der Altstadt.

«Meine Eltern haben immer gedacht, sie bleiben nur solange, um genug Geld zu haben, sich in Sizilien ein Haus zu bauen», erinnert sie sich im Gespräch mit der az. Doch heute liegen schon viele ihrer Angehörigen auf dem Laufenburger Friedhof begraben.

Interviews mit Einwanderern

Wie die Zuwanderer aus dem Süden in der neuen «Heimat» zurechtgekommen sind, welche Erfahrungen sie machten, ob sie auf Ablehnung stiessen oder willkommen waren – um das zu erfahren, muss sich der Ausstellungsbesucher Zeit nehmen. Sich einen Kopfhörer überziehen und den Interviews zuhören, welche die Ausstellungsmacherinnen Patrizia Lo Stanco und Vera Ryser mit den Einwanderern geführt haben.

Leonforte: Geteilte Erinnerungen
Mittwoch 14 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr, Museum Schiff.

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