Möhlin

So kamen die «Märtwyber» zu ihrem neuen Gesicht

Die «Märtwyber» präsentieren an der diesjährigen Fasnacht neue Larven. Silvia Böni, selber Mitglied der Gruppe, bastelt die Larven für sich und ihre mehr als ein Dutzend Kolleginnen. Ein Blick in den Keller einer Fasnächtlerin.

Im Kellerabteil ist es kühl und es riecht fast schon penetrant nach Fisch. Silvia Böni steht gebückt an einem Tisch, vor sich einen Block aus Gips. Mit Händen und Pinsel streicht sie Kleister auf ein grosses Stück Karton und reisst die eingeweichten Kartonstücke in Streifen. Mit diesen legt sie die Form im Gips aus. Es ist das Gesicht einer Frau mit spitzer Nase und geschürzten Lippen – das neue Gesicht der «Märtwyber», einer Fasnachtsgruppe aus Möhlin.

Eine einmalige Aktion

Die «Märtwyber» präsentieren an der diesjährigen Fasnacht neue Larven. Silvia Böni, selber Mitglied der Gruppe, bastelt die Larven für sich und ihre mehr als ein Dutzend Kolleginnen. Eine einmalige Aktion, wie sie erklärt: «Ich habe nicht vor, ein Atelier für Fasnachtlarven zu eröffnen.» Das Handwerk des Larvenbaus hat sie eigens für die «Märtwyber» erlernt. Bei Kollegen der Fasnachtsgesellschaft «Meler Galgevögel» hat sie nachgefragt, wie diese ihre Larven bastelten und welche Materialien sie benutzten. Hilfe erhält sie auch von Ehemann Rolf Böni und Schwiegervater Kurt Böni, die beide früher beim Larvenbau tatkräftig mitgeholfen hatten.

Speziell im Fall der «Märtwyber» ist, dass die Larve nicht komplett neu gemacht wird. Als Vorbild dient eine frühere Larve der Gruppe, die nun neu gebaut werden soll. Einige Wochen vor der Fasnacht beginnt Silvia Böni deshalb damit, von einer der alten Larven einen Abdruck zu nehmen.

Mit Lehm füllt sie den Innenraum der Larve aus. Anschliessend stellt sie die Larve mit dem Gesicht nach oben in einen Kessel und übergiesst sie mit Gips. «Besonders wichtig ist, dass die Öffnungen von Augen und Mund gut verschlossen sind», sagt Silvia Böni. Denn nur so entsteht ein schöner Abdruck des Gesichts. «Der Gips-Abdruck wird nach dem Trocknen mit in Kleister eingeweichtem Karton ausgelegt», erklärt Böni. «Was im Keller so stark nach Fisch riecht, das ist der Kleister.»

So werden die Larven stabil

Mehrere Schichten Karton legt Silvia Böni jeweils in den Gipsabdruck. So werden die Larven stabil. Jeweils über Nacht trocknen die einzelnen Rohlinge, dann kann Silvia Böni sie aus dem Gips lösen und mit der nächsten Larve beginnen.

Einige Stunden verbringt sie so in ihrem Keller. Die Rohlinge stapeln sich neben ihr. Alle fertigen Rohlinge bringt Silvia Böni zu ihrem Schwiegervater, Kurt Böni. Er ist Hobbykünstler und bemalt die Rohlinge nach dem Vorbild der alten Larve. «Entscheidend sind die Farben und Schattierungen bei den Augen, der Nase und dem Mund», erklärt Kurt Böni. Allein mit einer falschen Schattierung kann ein Larven-Gesicht entstellt werden. Aber die Erfahrung des Künstlers zahlt sich aus: Keine der Larven misslingt. Und nach dem Frisieren sind sie fertig für den ersten Auftritt am heutigen Fasnachtsumzug in Möhlin.

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