Fricktal
So hat sich die Fricktaler Gastroszene in den letzten drei Jahren verändert

Wie stark die Gastroszene Fricktal im Umbruch ist, zeigt eine Umfrage der az bei den Gemeinden. Wer heute Erfolg haben will, muss sich von den anderen abheben.

Thomas Wehrli
Merken
Drucken
Teilen
In der Fricktaler Gastroszene ist einiges los: 17 Restaurants haben seit 2012 geschlossen. Dazu gehört auch das Gasthaus Rebstock (Bild).

In der Fricktaler Gastroszene ist einiges los: 17 Restaurants haben seit 2012 geschlossen. Dazu gehört auch das Gasthaus Rebstock (Bild).

Marc Fischer

Die Gastroszene Fricktal kommt nicht zur Ruhe: Nach dem «Rebstock» in Frick, der Ende Jahr zugesperrt hat, beendet nun Ende März Marcel Senn sein gut dreijähriges Gastspiel auf dem «Schwert» in Schupfart. «Der Betrieb hat zu wenig rentiert», erklärt ein hörbar ernüchterter Pächter, der «offen ist für Neues». Es sei in den letzten Jahren schwieriger geworden, als Pächter ein Restaurant erfolgreich zu führen, «auf dem Land erst recht». Die gesetzlichen Verschärfungen – tiefere Promillegrenze und Rauchverbot – haben die Problematik laut Senn zusätzlich verschärft.

Anders als beim «Rebstock», von dem man derzeit nicht weiss, wie es weitergeht (ein Projekt mit Wohnungen und Gewerberäumen ist gescheitert), ist man bei der Schwert-Bühlmatt-Genossenschaft zuversichtlich, dass das Restaurant bereits im Mai wiedereröffnet werden kann. «Wir sind im Gespräch mit 4 Interessenten», erklärt Pius Beck vom Genossenschaftsvorstand. Bis Ende nächster Woche erhofft er sich Klarheit, ob einer von ihnen zum «Schwert» passt. Wenn nicht, warte man lieber etwas länger. «Wir machen nicht auf, nur damit das Restaurant wieder offen ist.»

«Es braucht Innovation»

Denn auch Beck weiss: «Ein Restaurant zu führen, ist schwieriger geworden.» Ein 08/15-Konzept reiche heute nicht mehr, «es braucht Innovation, eine Spezialität». Und diese Besonderheit muss, gerade in einem kleinen Dorf wie Schupfart, über die Gemeindegrenze hinaus strahlen, denn «vom Dorf allein kann ein Wirt kaum leben». Zum Erfolg braucht es für Beck neben der Innovation noch einen zweiten Faktor: die Leidenschaft. «Der Wirt muss mit Leib und Seele Gastgeber sein.»

Wie stark die Gastroszene Fricktal im Umbruch ist, zeigt eine Umfrage der az bei den Gemeinden: In den letzten 3 Jahren wurden im Fricktal mindestens 17 Restaurants geschlossen. Im selben Zeitraum, dies ist die erfreuliche Nachricht, wurden 11 Gaststätten (wieder-)eröffnet; 2 weitere folgen bis Ende Jahr. Nicht eingerechnet sind die Take-away-Betriebe.

Die Rechnung, das zeigt ein Blick auf die Liste der Eröffnungen und Schliessungen, geht vor allem für klassische Restaurants nicht mehr auf. Eine Chance haben dagegen Gastronomen, die auf besondere Konzepte oder spezifische Zielgruppen setzen. Paradebeispiel für diese Entwicklung ist Rheinfelden, wo 5 Traditionshäuser wie das «Drei Könige» zusperrten und 4 neue entstanden, darunter das «Habanito» (Zigarren-Lounge) oder «Il Poeta» («Ein Ort für Geniesser mit Sehnsucht nach Italien»). Sie alle bedienen spezifische Zielgruppen. Diese neuen Angebote «repräsentieren aktuelle gesellschaftliche Trends und den damit verbundenen Wandel in der Gastroszene», glaubt Stadtschreiber Roger Erdin.

Restaurants, die seit 2012 eröffnet und geschlossen wurden.

Restaurants, die seit 2012 eröffnet und geschlossen wurden.

az

Dass die Gastroszene vor grossen Herausforderungen steht, weiss auch Josef Füglistaller, Präsident von Gastro Aargau. Das Konsumverhalten habe sich verändert, die Trend zur schnellen Verpflegung über Mittag koste Umsatz, das Feierabendbier sei keine Selbstverständlichkeit mehr und die stark gestiegene Mobilität sorge dafür, dass man sich überall treffen könne. Die besseren Überlebenschancen hat laut Füglistaller, wer ein klares Konzept hat oder, noch besser, ein Alleinstellungsmerkmal. Dass dem nicht immer so ist, dass es also durchaus auch am Wirt liegen kann, wenn es nichts wird, weiss der Gastroprofi. «Wir erleben immer wieder, dass Leute blauäugig ins Abenteuer ‹Wirten› starten und sich zu wenig bewusst sind, wie schwierig es ist, ein Unternehmen zu führen.»

Nicht mehr hören mag Füglistaller indes das Klagelied über das Rauch- und andere Verbote. «Zu klagen nützt nichts, denn die Regelungen sind Fakt.» Statt die Energie ins Enervieren sollte sie der Wirt besser ins Ideengenerieren stecken.

Gemeinde betreibt Restaurant

In Stein hat dieses Ideengenerieren die Gemeinde übernommen: Im Rheinfels-Park entsteht derzeit ein gemeindeeigenes Restaurant. Es ist Teil eines Gesamtkonzepts mit genossenschaftlichen Alterswohnungen und Begegnungszone. Dass es nicht alltäglich ist, dass eine Gemeinde ein Restaurant betreibt, ist sich Gemeindeammann Hansueli Bühler bewusst. Er weiss aus dem Mitwirkungsverfahren aber auch: «Die Bevölkerung will ein Dorfrestaurant.»

Damit es auch funktioniert, hat die Gemeinde einen Gastroprofi beigezogen, der die regionale Gastroszene unter die Lupe nahm. Ergebnis ist ein Konzept, «das rentieren kann». Wie es aussieht, will Bühler noch nicht preisgeben, nur so viel: Der Betrieb wird Restaurant, Dorfwirtschaft und Seniorentreff in einem sein und auch die Nachfrage der Industrie abdecken. So etwa mit 10 Hotelzimmern, die «einen steten Beitrag zur Rendite» leisten sollen. Eröffnet werden soll das Restaurant am 1. Dezember. «Die Suche nach einem Pächter ist angelaufen.»