Weihnachten beginnt in der Stiftung MBF, die Menschen mit Behinderung im Fricktal betreut, schon kurz nach Ostern – zumindest in den Kreativ- und Werkateliers. «Dann starten wir jeweils mit der Produktion für den Adventsmarkt», sagt Dirk Maier, Leiter Wohnen-Ateliers, und fügt mit einem Lachen an: «Natürlich fehlt da aber noch die Adventsstimmung.»

Die komme dann spätestens ab dem traditionellen Adventsmarkt Ende November in Stein auf. In und um das Gebäude Rüchlig werden an Ständen die verschiedensten weihnachtliche Produkte angeboten – Adventskränze, Holzsterne oder Baumschmuck. Was am Markt nicht verkauft wird, nutzt die Stiftung teilweise auch für die Dekoration der eigenen Räumlichkeiten. «Das ist für uns der echte Auftakt zur Adventszeit», sagt Maier.

Viele Traditionen

Die Advents- und Weihnachtszeit ist in der Stiftung geprägt von Traditionen. «Wir stellen fest, dass das den Bewohnenden und Mitarbeitenden sehr wichtig ist», sagt Maier. Unter anderem kommt Anfang Dezember der Samichlaus vorbei. Er besucht alle Mitarbeitenden und Bewohnenden und hat für jeden eine persönliche Anekdote dabei. «Vor dem Besuch fallen manchmal die grossen Sprüche. Wenn der Samichlaus dann da ist, sind die meisten aber kleinlaut und beeindruckt», sagt Maier.

Zur Tradition gehört auch, dass die Werksmusik der Novartis in der Stiftung ein Advents-Konzert mit Weihnachtsliedern gibt. Ein Anlass, der nicht nur die Mitarbeitenden und Bewohnenden berührt, sondern auch die Angestellten. «Es ist schön, zu sehen und zu fühlen, wie die Musik die Menschen mitreisst», so Maier.

Als grösster offizieller Anlass findet jeweils in der letzten Woche vor den Weihnachtsferien das Weihnachtsessen statt, bei dem alle Mitarbeitenden und Bewohnenden bei einem Mittagessen und feierlichem Rahmenprogramm zusammenkommen.

Feier in der Wohngruppe

Überhaupt: Die Weihnachtszeit wirke sich positiv auf das Wohlbefinden der Menschen in der Stiftung aus. «Es ist eine ruhige Zeit, eine besinnliche auch», sagt Maier. «Die Vorfreude auf die Festtage ist überall spürbar.»

Generell stellt die MBF-Leitung fest, dass immer mehr Menschen die Festtage in ihren Wohngruppen verbringen. «Das liegt vor allem daran, dass unsere Bewohner älter werden», sagt Dirk Maier. 15 Prozent der Bewohnenden und Mitarbeitenden der Stiftung MBF sind inzwischen älter als 60 Jahre. «Ihre Eltern sind in einem Alter, in dem ein Besuch zu Hause nur noch stundenweise möglich ist oder sind teilweise auch verstorben», so Maier.

Umso wichtiger ist die Gestaltung der Festtage in der Stiftung. Die Stiftung MBF bietet 105 Wohnplätze. «In fast jeder Wohngruppe bleibt der Grossteil über die Festtage hier oder besucht einfach für ein paar Stunden Familie oder Verwandte», sagt Maier. Die Feiern an Weihnachten finden deshalb innerhalb der Wohngruppen statt. «In den Wochen davor besprechen die Betreuer mit den Bewohnenden Wünsche und Ideen und planen und organisieren so die Festtage», sagt Maier.

Familiärer Umgang

Auch dabei sind die Traditionen wichtig. Es werden «Guetzli» gebacken, Weihnachtslieder gesungen und oft auch der Weihnachtsgottesdienst besucht – und: Geschenke ausgepackt. «Die Stiftung MBF schenkt allen Bewohnenden und Mitarbeitenden etwas Kleines», sagt Maier. Dazu kommt ein Geschenk von den Berufsbeiständen und natürlich gebe es Familien und Angehörige, die zu Weihnachten ein Päckli in die Stiftung MBF schicken. Und auch unter den Bewohnenden selbst werden fleissig Geschenke ausgetauscht.

Die Betreuer in den Wohngruppen sind über die Festtage im Einsatz, begleiten die Feierlichkeiten. «Die Arbeitsdienste werden so eingeteilt, dass einige Betreuer über Weihnachten arbeiten, andere über Silvester», sagt Maier. Die Einteilung ist dabei kein grosses Problem. Es gebe jedes Jahr auch Betreuer, die sich freiwillig für den Dienst über die Festtage melden. «Das sind beispielsweise Betreuer, die selber keine kleinen Kinder haben, oder Menschen anderer Religionszugehörigkeit», sagt Maier und fügt an, dass einige Betreuer gerne über Weihnachten arbeiteten. «Es ist dann ein anderer Betreuungsalltag als unter dem Jahr. Es ist ruhiger und entspannter.»