Fricktal

So arbeiten Grenzwächter auf Patrouille – den Stau verursachen die Einkaufstouristen

Lukas Koller kontrolliert einen Autofahrer kurz vor der Autobahnauffahrt Eiken.

Lukas Koller kontrolliert einen Autofahrer kurz vor der Autobahnauffahrt Eiken.

An der Grenze zu Deutschland macht das Grenzwachtkorps regelmässig Kontrollen. Eine Reportage.

Fricktaler, die in Bad Säckingen einkaufen, kennen – speziell an Samstagen – die Situation wohl nur zu gut: Am Grenzübergang zwischen Stein und Bad Säckingen stauen sich die Fahrzeuge. Oft wird dann über die schweizerischen Grenzwächter geflucht, die mit ihren regelmässigen Kontrollen den Verkehr vermeintlich zum Stocken bringen. Wer sind die Personen, die den Grenzverkehr überwachen und sind sie wirklich Schuld am Stau?

Lukas Koller ist seit 15 Jahren beim schweizerischen Grenzwachtkorps. Er ist Chef des Grenzwachtpostens Rheinfelden Autobahn. Seine Kollegin Leonie Tschackert ist seit fünf Jahren bei der Truppe. Sie und ihre etwa 40 Kolleginnen und Kollegen sind in Rheinfelden stationiert. Doch von dort decken sie gemeinsam mit dem Posten in Brugg praktisch die gesamte Hochrheinschiene ab – und sind auch für den Grenzübergang an der Fridolinsbrücke zuständig. Unterstellt sind sie der Region 1 Basel des Grenzwachtkorps, das insgesamt 450 Grenzwächter beschäftigt. Alles in allem gibt es in der Schweiz sieben Grenzwachtkommandos mit zusammen etwa 2200 Beamten.

Zu viel Fleisch dabei

An diesem Tag sind die beiden zu zweit mit einem Kleinbus unterwegs und besetzen den Grenzposten in Stein. Auf der Fahrt von Rheinfelden statten sie dem Autobahnparkplatz Mumpf an der A3 noch einen kleinen Besuch ab. Langsam fahren sie über den Parkplatz und begutachten aufmerksam die Fahrzeuge. Doch heute ist nichts Verdächtiges dabei. «Wir schauen immer, ob etwas nicht zusammenpasst. Wenn wir Unstimmigkeiten feststellen, kontrollieren wir», erklärt Lukas Koller. Nach welchen Kriterien genau kontrolliert wird, kann er nicht sagen. Erfahrung spiele dabei aber eine grosse Rolle, bestätigt auch seine Kollegin.

So geht es weiter nach Stein. Obwohl gerade keine Stosszeit herrscht – es ist gegen 15 Uhr an einem Werktag –, ist der Übergang gut frequentiert. Vor allem Autos mit Schweizer Kennzeichen, die vermutlich hauptsächlich zum Einkaufen in Deutschland waren, schlängeln sich über die Grenze.

Leonie Tschackert und Lukas Koller überwachen den Grenzübergang Stein/Bad Säckingen.

Leonie Tschackert und Lukas Koller überwachen den Grenzübergang Stein/Bad Säckingen.

Kaum aus dem Kleinbus ausgestiegen, hält Lukas Koller bereits das erste Auto an. Es ist ein BMW mit slowakischem Kennzeichen. Lukas Koller kontrolliert zunächst Ausweis, Führerschein und Fahrzeugpapiere. Dazu ruft er in der Zentrale an. Eigentlich können die Beamten auch vor Ort am Computer überprüfen, ob gegen die Kontrollierten etwas vorliegt. Doch Lukas Koller war in diesem Fall zu schnell, seine Kollegin konnte den Computer noch nicht hochfahren und so behilft er sich mit dem Telefon.

Soweit ist der überprüfte Mann in Ordnung, doch der Grenzwächter hat den Verdacht, dass der Mann nicht alle seine Einkäufe richtig verzollt hat. Am Zollübergang stellen die Grenzwächter diese Frage explizit, obwohl jeder eigentlich dazu verpflichtet ist, zollpflichtige Waren von selbst anzumelden. Bei Kontrollen im Hinterland fällt diese Frage weg. Wer dort erwischt wird, für den wird es gleich teuer. Der Mann an der Grenze sagt, er habe «ein bisschen mehr» als ein Kilo Fleisch dabei. Ein Kilo ist aber die Grenze, die zollfrei in die Schweiz eingeführt werden darf.

Lukas Koller lässt nicht locker, er will genau wissen, wie viel Fleisch der Mann dabei hat. Beim Blick in den Kofferraum stellt sich heraus, dass es etwa 2,5 Kilo sind – also mehr als doppelt so viel wie erlaubt. Lukas Koller stellt den Mann vor die Wahl: Entweder die Waren zurückbringen oder sie verzollen – was in diesem Fall 17 Franken pro Kilogramm Fleisch bedeutet. Der Mann entscheidet sich fürs Verzollen und Koller und Tschackert wenden sich dem nächsten Auto zu.

Auto wird durchsucht

Was bei der Kontrolle auffällt: Die Autos, die kontrolliert werden sollen, werden von den Beamten von der Durchgangsstrasse auf die Seite gewinkt. Sie blockieren den Grenzübergang nicht. Der Stau an der Grenze stammt offensichtlich nicht hauptsächlich von den Grenzkontrollen. Vielmehr sind es meist diejenigen, die sich die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen wollen, die den Verkehr aufhalten. Zwar ist das Verkehrsaufkommen vergleichsweise gering, dennoch fällt auf, dass die meisten Autofahrer direkt nach der Grenze anhalten. So blockieren sie den Übergang – obwohl es ein paar Meter weiter noch ausreichend freie Parkplätze gäbe. Ein Phänomen, das Lukas Koller und Leonie Tschackert oft beobachten. Allerdings sind den Grenzwächtern dabei die Hände gebunden. Denn sie sind nicht die Verkehrspolizei. Sie greifen zwar in Extremfällen ein, doch eigentlich ist das nicht ihre Aufgabe.

Ein dicker Fisch geht ihnen an diesem Tag nicht ins Netz. Auch eine Kontrolle kurz vor der Autobahnauffahrt in Eiken bringt keinen Erfolg. Dafür sind aber die Kollegen in Rheinfelden fündig geworden. Sie haben ein verdächtiges Auto kontrolliert. Von den vier Insassen ist einer zur Verhaftung ausgeschrieben und gegen einen liegt ein Einreiseverbot vor, wie die Überprüfung der Fingerabdrücke ergibt. Dokumente konnten oder wollten die vier offensichtlich nicht vorweisen. Das Auto wird nun fachmännisch auseinandergenommen und durchsucht – dafür hat das Grenzwachtkorps ein Spezialistenteam. «Die können das Auto auch wieder zusammensetzen», versichert Koller mit einem Augenzwinkern. Die Überprüfung der vier Personen wird acht Beamte nun mehrere Stunden beschäftigen. Der Posten an der Autobahn in Rheinfelden ist rund um die Uhr besetzt. 11,5 Millionen Fahrzeuge passieren alleine den Grenzübergang Rheinfelden jedes Jahr in beide Richtungen.

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