Die Experten sind sich einig: Der Auftritt, den Alexander Ursenbacher am Snooker-Turnier im englischen Barnsley – dem prestigeträchtigen «English Open» – hingelegt hat, ist eine Sensation. Als erster deutschsprachiger Spieler ist der 21-jährige Rheinfelder bis in die Halbfinals eines Ranglisten-Turniers vorgestossen. Im Halbfinale gegen Kyren Wilson ist er zwar ausgeschieden, die Snooker-Welt hat er trotzdem begeistert.

Snooker: Kyren Wilson gegen den Fricktaler Alexander Ursenbacher

Snooker: Kyren Wilson gegen den Fricktaler Alexander Ursenbacher

Ausschnitte aus dem Halbfinal der  English Open 2017

«Was der Schweizer da leistet, ist einfach nur der Wahnsinn», schreibt etwa «Eurosport»-Experte Rolf Kalb und gerät regelrecht ins Schwärmen: «Er ist ja nicht unter die letzten Vier gekommen, weil sich die Dinge einfach glücklich entwickelt haben. Er hat das vielmehr durch überragende Leistungen geschafft.» Und auch von Snooker-Legende Ronnie O’Sullivan gibt es Lob: «Ich liebe diesen Schweizer. Das ist grossartig für das Snooker. Er hat, was es braucht: Er ist furchtlos», schreibt der spätere Turniersieger auf Twitter.

Ein einfaches Erfolgsrezept

«Gerade das Lob von Ronnie O’Sullivan hat mir natürlich geschmeichelt», sagt Alexander Ursenbacher und fügt mit einem Lachen an: «Als fünffacher Weltmeister weiss er natürlich, wovon er spricht.» Die Freude über den Erfolg ist dem Rheinfelder anzuhören. «Hätte mir vor dem Turnier jemand gesagt, dass ich in den Halbfinal komme, hätte ich das kaum geglaubt», sagt er. Natürlich sei er jetzt glücklich und stolz, das schon, aber: «Zufrieden bin ich nicht – wie eigentlich nie. Weil ich weiss, dass ich noch mehr kann.»

Ursenbacher spricht von einem riesigen Selbstvertrauen, das ihn derzeit trage und von einem einfachen Erfolgsrezept. Für den 21-Jährigen ist diese Saison bereits der zweite Anlauf auf der Profi-Tour. Als Teenager hatte er schon einmal die Chance, flog aber nach zwei Saisons wieder aus der Tour. «Ich dachte zu viel ans Gewinnen und Verlieren. Jetzt geniesse ich es einfach und habe Spass.»

Das Rezept scheint zu funktionieren. Entsprechend will er das Selbstvertrauen und die Freude für die weitere Saison mitnehmen. Im November reist Alexander Ursenbacher an ein Turnier in China. Dort wird er auf John Higgins treffen, einen weiteren grossen Namen im Snooker-Sport. Higgins ist vierfacher Weltmeister.

Auf dem Weg zum Durchbruch

Ursenbacher sieht darin keinen Grund zur Sorge: «Ich reise nun mit einem ganz anderen Gefühl an das Turnier», ist er sich sicher. «Vor wenigen Wochen noch wollte ich einfach zwei oder drei Partien gewinnen. Jetzt weiss ich: Wenn ich gut spiele, kann ich das Turnier gewinnen.» Das wäre ein grosser Schritt in Richtung seines Saisonziels: eine Platzierung in den Top 64 der Weltrangliste. Das wiederum wäre ein Schritt auf dem Weg zum endgültigen Durchbruch.

«Ich bin überzeugt, dass ich den schaffen kann», so der Profi. Dazu gehört aber auch noch einiges an Training und das geht Ursenbacher sofort an: Seit Montag ist er zurück in der Schweiz, bereits steht wieder Snooker auf dem Programm. Am Mittwochabend absolviert er beim Snooker Club Basel, seinem Heimatverein, ein Training. Wer Interesse hat, darf dem Profi dabei über die Schulter blicken (ab 19 Uhr). Nach den Schlagzeilen, die er in den letzten Tagen machte, dürfte der eine oder andere vorbeischauen.