Beleidigungen, Mobbing im Klassenchat und Gewalt- und Pornoclips auf den Smartphones: Mittlerweile treten diese Probleme bereits in den Primarschulen auf. Thomas Kaiser, Schulleiter an der Primarschule Kaiseraugst, etwa sagt: «Immer wieder werden Beleidigungen und auch Drohungen über Whatsapp oder über den Klassenchat ausgesprochen. Oder es werden einfach Schüler aus dem Klassenchat rausgeschmissen, weil sie nicht wirklich respektiert und akzeptiert werden. Das kann dazu führen, dass diese Person auch in der Klasse zum Aussenseiter wird.»

Laut Kaiser kommt das Problem in der Oberstufe, also ab der siebten Klasse, mehr zum Tragen. «Allerdings hatten wir auch bereits in der Mittelstufe einige Fälle.» Heidi Federli-Bielser, Leiterin der Schulverwaltung in Rheinfelden, kennt die Probleme mit der Smartphone-Nutzung bei Primarschülern ebenfalls: «Ab der fünften Klasse gibt es vereinzelt Fälle.»

Dass die Kinder überhaupt schon früh Smartphones besitzen, sei wohl aus Elternsicht «ein Mittel zur Kontrolle und für die Sicherheit», so Kaiser. Doch manchmal entgleitet die Kontrolle. Denn auch das Verschicken von pornografischem Material sei an der Primarschule Kaiseraugst bereits Thema gewesen.

Handyverbot und Prävention

Die Schulen haben das Problem aber erkannt und setzen sich mit verschiedenen Massnahmen dagegen zur Wehr. In Rheinfelden ist es auf dem Schulareal verboten, Handys zu benützen. Wer sich nicht daran hält, dem wird das Mobiltelefon abgenommen und die Eltern müssen dann das Gerät persönlich bei der Schulleitung abholen.

Weiter wird der Umgang mit Smartphones «bei Bedarf gezielt von den Lehrpersonen und der Schulsozialarbeit mit den Schülerinnen und Schülern thematisiert», wie Heidi Federli-Bielser ausführt. Und: «An der Primarschule Augarten findet seit vier Jahren jedes Jahr ein Elternanlass zum Thema in Zusammenarbeit mit der Suchtprävention Aargau statt.»

Auch in Kaiseraugst wird Prävention grossgeschrieben: «Die Schulsozialarbeit hat in diesem Schuljahr in allen fünften Klassen ein Präventionsprojekt zum Thema ‹Soziale Netzwerke, Handy› über sechs Lektionen angeboten», so Thomas Kaiser. Und er führt einen weiteren Aspekt ins Feld: «Oft ist den Kids aber nicht klar, dass sie bereits ab zehn Jahren strafmündig sind und dass auch Anzeigen gemacht werden können.» Deshalb nehme in Kaiseraugst auch die rechtliche Aufklärung immer einen Platz in den Projekten der Schulsozialarbeit ein.»

Polizei wird beigezogen

Bewegen sich die Schüler im illegalen Bereich, wird in Kaiseraugst durchaus auch die Polizei eingeschaltet, wie Schulleiter Thomas Kaiser ausführt. Auch weil «der Polizist nochmals eine offizielle Respektsperson ist, welche sehr ernst genommen wird».

Hansueli Loosli, Leiter der Regionalpolizei unteres Fricktal, erachtet es dagegen «als primäre Aufgabe der Eltern und der Schulen», die Kinder darauf zu sensibilisieren, dass sie sich strafbar machen könnten. Gerade das Strafmündigkeitsalter von zehn Jahren sei vielen Eltern aber gar nicht bewusst, führt Thomas Kaiser an.

Auch die Bandbreite der Reaktionen der Eltern im Umgang mit der Problematik sei gross, so Kaiser weiter: «Gewisse sind sehr besorgt über die Machenschaften ihrer Kinder und wirken dann auch dementsprechend auf die Kinder ein.» Andere dagegen erachteten die Smartphone-Problematik als weniger schlimm. «Oft werden die Kinder in Schutz genommen und alles wird auf die Pubertät zurückgeführt.»

Bei der Polizei sind die Probleme jedoch bekannt: «Problematisch sind insbesondere intime Bilder, die im jugendlichen Übermut erstellt und verschickt wurden», so Loosli, denn die Absender würden dadurch erpressbar. Es habe auch schon Anträge von Schulen gegeben, die bei Mobbing die Polizei «um zweckdienliche Unterrichtslektionen» gebeten haben. Bisher seien aber zumeist Klassen der Oberstufe betroffen gewesen.