Natürlich hängt es mit dem Namen Rakitic zusammen, dass die Aufmerksamkeit für den NK Pajde aus der interregionalen 2. Liga etwas grösser ist, als sie vielleicht für andere Vereine in dieser Spielklasse wäre.

Ivan Rakitic, Champions-League-Sieger mit dem grossen FC Barcelona und Vizeweltmeister mit Kroatien, ist eng mit dem Club aus Möhlin verbunden – auch wenn er seine Karriere eigentlich beim anderen Fussballclub im Dorf, dem FC Möhlin-Riburg/ACLI, startete. Vater Luka Rakitic ist Gründer des NK Pajde und noch heute dessen Präsident, Bruder Dejan trainiert die erste und einzige aktive Mannschaft. Ivan fungiert, so heisst es im Dorf, als grosszügiger Mäzen.

Da ist klar, dass dieser Verein etwas mehr Schlagzeilen liefert. Wenn er etwa wie 2012 zum Spiel gegen «Rakitic and Friends» lädt und Fussballgrössen wie Ivan Klasnic und Mladen Petric auf dem Steinli antreten. Wenn er wie 2017 im Schweizer Cup gegen Lausanne-Sport spielt. Oder aber, wenn es zu einem Vorfall kommt wie am vergangenen Wochenende.

Luka Rakitic, der Fussballverrückte

Nach dem dramatisch verlorenen Spitzenspiel gegen den SC Zofingen rasteten einzelne Spieler des NK Pajde aus. Sie verfolgten den Schiedsrichter, der zuvor mehrere Platzverweise gegen ihre Mannschaft ausgesprochen hatte, bis in die Katakomben des Sportplatzes in Zofingen (die AZ berichtete). Zuschauer filmten die Szene. Dem Club und den beteiligten Spielern drohen Strafen des Verbands. Und Trainer Dejan Rakitic musste sich am Montag den vielen Fragen der Vertreter der nationalen Presse stellen.

Zofingen – NK Pajde: Zuschauer filmten die Tumulte nach Schlusspfiff

Zofingen – NK Pajde: Zuschauer filmten die Tumulte nach Schlusspfiff

Wildwest auf der Zofinger Trinermatten: Beim Duell gegen den Rakitic-Klub hagelte es sechs Rote Karten – der Schiri musste ins Club-Haus flüchten.

Dabei hat alles einmal klein angefangen mit dem Verein. Auf der eigenen Homepage erzählt der Club aus seiner Anfangszeit. Wie Luka Rakitic aus dem ehemaligen Jugoslawien in die Schweiz flüchtete, in Möhlin eine neue Heimat fand – und natürlich auch hier seiner grossen Leidenschaft nachgehen wollte. Beschrieben wird er im Text als «Fussballverrückter, der über die Plätze seiner Heimat fegte und nur eines im Kopf hatte: Fussball». Luka Rakitic und seine Fähigkeiten am Ball waren auch in der Region bald einmal bekannt.

Die drei Kinder Dejan, Ivan und Nikol kamen zur Welt, und mittendrin gründete Vater Luka 1989 den NK Dynamo Möhlin, Vorgängerverein von Pajde. Die erste Heimat des Vereins war ein ehemaliges Verwaltungsgebäude auf dem Bata-Gelände. Der NK Dynamo war Treffpunkt vieler Menschen aus dem Balkan.

Aber: «Der NK Dynamo Möhlin konnte nicht nur ein Verein sein ohne sportliche Komponente. Man hatte bald eine eigene Fussballmannschaft», heisst es weiter. Ausgetragen wurden die Spiele zunächst auf dem eher holprigen ehemaligen Firmensportplatz. Vor wenigen Jahren zog der Club, nun unter dem Namen NK Pajde unterwegs, ins eigene Clubhaus. Die Spiele bestreitet er mittlerweile auf der Möhliner Sportanlage Steinli.

Ein Dutzend Neuzugänge und ein Ziel: der Aufstieg

Sportlich läuft es. Der Verein ist dreimaliger Europa- und zweimaliger Weltmeister der kroatischen Clubs ausserhalb des Heimatlands. Seit mehreren Jahren ist der NK Pajde in der interregionalen 2. Liga unterwegs, belegt regelmässig Plätze in der oberen Tabellenregion. Die Spieler tragen teilweise zumindest in der Fussballszene bekannte Namen.

2017 im Cup gegen Lausanne etwa erzielte Djordje Ivelja ein Tor. Er hatte einst für Serbien an einer U21-Europameisterschaft gespielt und war Profi bei Rapid Bukarest. Überhaupt bestückt der Verein seine Mannschaft gerne mit Spielern aus dem Balkan. Auch in diesem Sommer hat er wieder über ein Dutzend Transfers getätigt. Die meisten Zuzüge kommen aus Kroatien oder Bosnien und Herzegowina, einige von ihnen haben Profi-Erfahrung.

Das unterstreicht die sportlichen Ambitionen: Der NK Pajde strebt den Aufstieg in die 1. Liga an, wie Luka Rakitic kürzlich gegenüber einem kroatischen Magazin sagte. Damit die Schlagzeilen rund um den NK Pajde bald wieder sportlicher Natur sind.