Fledermäuse

Sissler Ehepaar hat Dutzende flatternde Mitbewohner unter dem Dach

Abflug auf der Terrasse: Ulrich Bögle fotografierte die ungewöhnlichen Mitbewohner.

Abflug auf der Terrasse: Ulrich Bögle fotografierte die ungewöhnlichen Mitbewohner.

Bei Ulrich und Barbara Bögle in Sisseln nisteten sich Dutzende Fledermäuse ein. Die beiden hoffen, dass sie auch nächstes Jahr wiederkommen.

Als Ulrich und Barbara Bögle aus ihren Sommerferien zurückkehrten, hatten sie daheim in Sisseln plötzlich rund 30 neue Mitbewohner – oder besser: Mitbewohnerinnen. Unter dem Flachdachvorsprung ihrer Dachgeschosswohnung an der Bachstrasse hatten sich Fledermäuse eingenistet. Bemerkt haben Bögles das an einem lauen Abend draussen auf der Terrasse. «Ich sass da und plötzlich hat es um mich herum nur noch geflattert», erzählt Ulrich Bögle mit einem Lachen. Die nächsten Abende verbrachten Bögles damit, die Fledermäuse in der Dämmerung zu beobachten. «An einigen Abenden zählten wir rund 30 Fledermäuse», sagt Barbara Bögle.

Über Bekannte stellten sie einen Kontakt zu Christine Meier her, die in Hellikon die Fledermausstation führt. Sie besuchte Bögles und ihre ungewöhnlichen Mitbewohnerinnen und mass mit einem Ultraschallgerät die Frequenz deren Rufe. «Die Messungen zeigten, dass es sich um eine Zwergfledermaus handelt», sagt Bögle. Genauer: um die Weissrandfledermaus. Ihren Namen verdankt sie einem dünnen weissen Saum am hinteren Teil ihrer Flügel.

Für Meier ist es nicht überraschend, dass sich die Fledermäuse das Flachdach eines Neubaus als Wohnung aussuchten. «Die romantische Vorstellung ist zwar, dass die Fledermäuse in alten heruntergekommenen Schuppen leben», sagt Meier. Aber: «Solche Flachdachvorsprünge eignen sich gerade für Spaltenbewohner ebenso hervorragend als Versteck oder Wochenstube.» Und: «In unmittelbarer Nähe fliesst die Sissle vorbei und hat es viele Hecken und Gebüsche.» So finden die Fledermäuse, klassische Insektenfresser, ein ausreichendes Nahrungsangebot.

Eine Rückkehr im nächsten Jahr ist möglich

Es sei gut möglich, dass Fledermausweibchen das Dach der Bögles als Wochenstube nutzten und hier ihre Jungtiere aufzogen, so Meier. Mittlerweile beobachten Ulrich und Barbara Bögle nur noch vereinzelt Fledermäuse auf ihrer Terrasse. Das deutet darauf hin, dass die meisten Jungtiere inzwischen ausgeflogen sind oder die Fledermausmamas die Wochenstube gezügelt haben.

Die vergangenen Tage hat Ulrich Bögle als passionierter Hobbyfotograf noch genutzt, um einige Fotos der Fledermäuse beim Start oder im Lande­anflug zu machen. Dabei sei es ihm aber wichtig gewesen, die Tiere nicht zu stören, sagt Bögle. Schliesslich hoffen er und seine Frau Barbara, dass ihre Mitbewohnerinnen nächstes Jahr wieder bei ihnen einziehen. Fledermausexpertin Christine Meier hält das durchaus für wahrscheinlich: «Hat sich ein Quartier als geeignet erwiesen, kehren die Tiere dorthin zurück.» Bögles jedenfalls würden sich darüber freuen. «Die Fledermäuse haben sich schliesslich als ruhige und angenehme Mitbewohner erwiesen, die kaum Dreck hinterlassen haben», sagt Barbara Bögle lachend. Und als Bonus bekämpften sie ausserdem die Stechmücken auf der Terrasse.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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