Abfall

Sinkende Rohstoffpreise: Fricktaler Entsorgungsunternehmen und Gemeinden stehen unter Druck

«Altkarton ist ein Rohstoff, kein Abfall», so die Dachorganisation Swissrecycling.

«Altkarton ist ein Rohstoff, kein Abfall», so die Dachorganisation Swissrecycling.

Bei der Entsorgung Eiken AG müssen Kunden einen sogenannten Umweltbeitrag zahlen, in Laufenburg decken die Einnahmen die Kosten nicht mehr

«Ich bezahle sicher nicht für Karton, Papier, Glas, Büchsen etc., wenn ich es in anderen Entsorgungen gratis abgeben kann», lautet eine Google-Rezension der Entsorgung Eiken AG, wo man seit dem 1. Dezember 2019 einen «Umweltbeitrag» von fünf Franken zahlt.

Sinkende Rohstoffpreise und Handelskrieg USA-China hin oder her, der Mensch denkt über das Portemonnaie. China, das 2017 29 Tonnen und vergangenes Jahr gerade noch 10 Tonnen Altkarton und Altpapier importierte, ist für die meisten nicht nur geografisch weit weg.

Auf der Website der schweizerischen kommunalen Infrastruktur nennt man den Preiszerfall im Bereich Altkarton und dem sogenannten Kaufhaus- und Mischpapierbereich dramatisch. Die Entschädigungen an die Quellen (Städte, Gemeinden, Industrie und Gewerbe) seien in den letzten Monaten um über 50 Prozent gefallen und nicht mehr kostendeckend.

Einen Überblick über die Situation im Kanton Aargau gab die Aargauer Zeitung am Freitag. Auch im Fricktal beschäftigen die tiefen Margen die Entsorgungsstellen und die Gemeinden. Die Begründungen variieren.

20 Prozent foutiert sich um bewusste Entsorgung

«Die tiefen Rohstoffpreise beschäftigen uns die nächsten fünf Jahre», erklärt Ernst Deiss, Geschäftsinhaber der Entsorgung Eiken AG, seinen Umweltbeitrag. Andererseits gehe es auch um 20 Prozent der Bevölkerung, die sich um bewusste Kehrichtentsorgung foutiere.

Keine Seltenheit seien alte Farbbüchsen im Alteisen oder Babykacke, die aus alten Windeln im Altkarton herausquelle. «Mit dem Umweltbetrag pro Entsorgung will ich verhindern, dass Menschen mehrmals wöchentlich hier achtlos ihren Müll deponieren.»

Während beim «Umweltbeitrag» in Eiken mehrere Ursachen thematisiert werden, bezeichnet die Daetwiler AG im Re-Center Frick ihre Gebührenkarte von 30 Franken als «Eintrittsticket», das den Platzunterhalt finanziere.

«Sollte sich die Situation weiter verschärfen, kann eine Gebühreneinführung durch Beschluss an einer Abgeordnetenversammlung geändert werden», sagt Gisela Taufer, Präsidentin des Gemeindeverbands Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal GAF, dem 16 Gemeinden angehören.

Auch die Gemeinden geraten unter Druck

«Beim Karton erhielt die Gemeinde Frick im Januar 2019 11.50 Franken pro Tonne, im August 3 Franken und im Dezember wiederum 18 Franken pro Tonne», schildert Gemeindeschreiber Michael Widmer. Wie viele Gemeinden erhebt auch Frick eine Abfall-Grundgebühr von 30 Franken pro Haushalt.

«Die Spezialfinanzierung Abfallentsorgung weist ein Vermögen aus, sodass auch bei einer länger anhaltenden Preis-Baisse nicht mit zusätzlichen Gebühren für die Entsorgung von Altpapier und Karton gerechnet werden muss.»

«In Laufenburg decken die Einnahmen die Kosten aufgrund der Preisentwicklung nicht mehr», sagt Marco Waser. Ob sich die Tarife in absehbarer Zeit ändern, habe der Gemeinderat noch nicht entschieden.

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