Rheinfelden
Sind die Stadtgeissen doch am Verhungern? Forscherin ist davon überzeugt

Nach mehreren Todesfällen im städtischen Gehege sind Anzeigen gegen die Stadt, den Veterinärdienst und den Tierarzt eingereicht worden. Marianne Brunner von der Forschungsstation für Ziegen und Zwergziegen will jetzt die Tiere vor Ort untersuchen.

Stefan Gyr
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Im Gehege der Stadt Rheinfelden sind innert eines Jahres drei erwachsene Tiere und drei Kitze gestorben. ach/Archiv

Im Gehege der Stadt Rheinfelden sind innert eines Jahres drei erwachsene Tiere und drei Kitze gestorben. ach/Archiv

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Im Streit um die Haltung der Rheinfelder Stadtgeissen hat Ruedi Müller am Freitag gegen die Stadtbehörden, den kantonalen Veterinärdienst und den zuständigen Tierarzt Anzeigen eingereicht. Die Hauptvorwürfe: Tierquälerei und unterlassene Hilfeleistung. Er wolle einen gewissen Druck aufsetzen, damit endlich gehandelt werde, sagt Müller. Er ist der Partner der Tierpflegerin Esther Senn, die seit zehn Jahren die beliebten Stadtgeissen betreut.

Rheinfeldens Stadtgeissen ziehen um
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Müller und Senn klagen, die Zwergziegen im Gehege der Stadt bekämen seit Jahren zu wenig zu fressen. In den letzten sieben Monaten seien drei Tiere verhungert. Die Schuld schreiben sie dem zuständigen Werkhof-Mitarbeiter zu, der den Tieren zu wenig Futter zugestehe. Nachdem Müller und Senn mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen waren, zog die Stadt den kantonalen Veterinärdienst bei.

Dieser gab nach einer Autopsie der am 7. Februar gestorbenen Geiss Entwarnung: Die Zwergziege sei nicht verhungert, sondern in sehr hohem Alter an Wurmbefall gestorben. Die ganze Herde sei in einem guten Zustand.

Untersuchung vor Ort geplant

Zu ganz anderen Schlüssen gelangte Marianne Brunner von der Forschungsstation für Ziegen und Zwergziegen im Schanfigg. Gemäss ihrem Gutachten war das kürzlich verendete Tier vollständig ausgezehrt, und die zehn noch lebenden Zwergziegen zeigen Mangelerscheinungen.

Nach ihrer Beurteilung erhalten die Tiere viel zu wenig Futter. Brunners Gutachten stützte sich auf Fotos, Filme und Untersuchungsberichte. Vor Ort war sie nicht. Das hat Zweifel an ihren Befunden geweckt. Brunner will nun am nächsten Mittwoch die Geissen zusammen mit weiteren Fachleuten untersuchen.