Rheinfelden

Silvester-Feuerwerk: Ein absolutes Spektakel oder doch eher totaler Irrsinn?

Das Silvester-Feuerwerk in Rheinfelden lockt jedes Jahr viele Zuschauer an.

Das Silvester-Feuerwerk in Rheinfelden lockt jedes Jahr viele Zuschauer an.

Die beiden Rheinfelden zünden auch dieses Jahr wieder ihr Silvester-Feuerwerk. Nicht alle finden das eine zündende Idee.

Es ist eine Ankündigung, ob der die eine oder der andere Rheinfelder(in) in die Luft geht: Die beiden Städte zünden auch in diesem Jahr ihr traditionelles Silvesterfeuerwerk. «Sind beide Rheinfelden mittlerweile resistent gegen Nachhaltigkeit?», ärgert sich Barabara Martens von der Rheinfelder Gruppierung «Die Vigilanten» in einem Leserbrief.

Martens verweist auf die hohe Feinstaubbelastung durch Feuerwerke und fragt, weshalb die beiden Rheinfelden «in die überholte, veraltete Rolle» zurückfielen, «dass am Silvester zwingend geballert werden muss». 

Sie stört sich auch daran, dass Nachhaltigkeit beispielsweise bezüglich Müllvermeidung und Recycling nur von den Bewohnern eingefordert werde und «von Seiten der Obrigkeit das Vollmüllen des Vater Rhein, des Inselis und der Luft in dieser Nacht genehmigt» werde. Martens spricht von einem Irrsinn, «uns ‹Wasser zu predigen und selbst Wein zu verschleudern› statt zukunftsweisende und nachhaltige Alternativen zu verfolgen».

Verzicht auf Feuerwerk ist kein Thema

Der Verzicht auf das Silvesterfeuerwerk aufgrund der Klimadebatte sei bisher kein Thema gewesen, sagt Stadtschreiber Roger Erdin auf Anfrage. Das gemeinsame Silvesterfeuerwerk, das seit dem Millennium jedes Jahr abgefeuert wird, «ist sehr beliebt und wird jeweils von mehreren Tausend Besuchern auf beiden Rheinseiten bestaunt». Die Kosten belaufen sich dabei auf rund 8000 Franken pro Jahr und werden je hälftig von den beiden Rheinfelden getragen.

Eine Neuerung gegenüber früheren Jahren gibt es allerdings: Das Feuerwerk wird nicht mehr vom Inseli abgefeuert. «Das Abbrennen des Feuerwerkes vom Inseli war in der Vergangenheit immer wieder mit Unsicherheiten verbunden», sagt Erdin.

Am Nationalfeiertag im Sommer war die Trockenheit wiederholt ein Problem, beim Silvesterfeuerwerk im Winter sorgten mögliche Hochwasser für Unsicherheit. «Die Feuerwerker mussten vor diesem Hintergrund jeweils mit Varianten arbeiten.» Nun verzichte man auf diese aufwendige Eventualplanung. «Das Feuerwerk wird deshalb an Silvester vom deutschen Rheinufer abgebrannt.»

Lasershow ergänzt das Feuerwerk

Nicht ändern wird sich die Art des Feuerwerkes. Dieses werde im Rahmen des Vorjahres ausfallen, so Erdin. Ergänzt wird es wiederum mit einer Lasershow. Diese sorgt für zusätzliche Effekte, «was insbesondere im Falle von Nebel über dem Rhein, wenn das eigentliche Feuerwerk weniger gut sichtbar ist, eine Bereicherung ist». Die beste Sicht, so Erdin, habe man von der Rheinbrücke und von den Rheinufern im Bereich der alten Brücke.

Nichts zu sehen gibt es dafür in Bad Säckingen. Hier wurde viele Jahre lang das zweite grosse Silvester-Feuerwerk in der Region abgefeuert, erstmals ebenfalls am Jahreswechsel 1999/2000.

Anders als in Rheinfelden finanzierte Bad Säckingen das Feuerwerk alleine; die Gemeinde Stein hat das Feuerwerk allerdings jeweils mit einem Beitrag unterstützt. «Das Feuerwerk kostete erstmals 20000 DM, später dann zwischen 10000 und 12000 Euro», sagt Martina Kupczynski, stellvertretende Leiterin des Tourismus- und Kulturamtes von Bad Säckingen. Abgeschossen wurde das Feuerwerk jeweils von der Schweizer Rheinseite aus.

Organisiert hat den Event der Handels- und Gewerbeverein. Er habe sich aber nach einigen Jahren totgelaufen, sagt Kupczynski. Die Kosten für das Feuerwerk seien immer mehr gestiegen und so habe der Gewerbeverein entschieden, keine Mitgliedsbeiträge mehr für das Feuerwerk bereitzustellen. «Stattdessen hat der Verein das Projekt Eisbahn zwei Jahre lang unterstützt.»

Die Debatte rund um die Klimabilanz von Feuerwerken sei auch ein Grund gewesen, weshalb der Verzicht auf das Feuerwerk leichter gefallen sei, blickt Martina Kupczynski zurück. Persönlich kann sich die stellvertretende Amtsleiterin vorstellen, dass alternativ einmal eine Lasershow an Silvester gezeigt wird. Doch dies sei Zukunftsmusik.

Positive Resonanz auf Absage 1. August-Feuerwerk

Die Steiner mussten in diesem Jahr auch auf das 1. August-Feuerwerk verzichten. Dieses sagte die Gemeinde im Juli zum einen aus Umweltschutzgründen ab, zum anderen wegen der Trockenheit respektive der Waldbrandgefahr.

Zudem konnte auch der Sicherheitsabstand zum Siedlungsgebiet vom bisherigen Abschuss-Standort nicht mehr eingehalten werden, da im Sicherheitsperimeter die neue Überbauung Neumatt entsteht.

Die Reaktionen auf den Verzicht des Feuerwerks seien «mehrheitlich positiv» ausgefallen, sagt Gemeindeschreiber Sascha Roth. «Selbstverständlich gab es aber auch Stimmen des Bedauerns.»  Stein will bei seinem Entscheid bleiben. Für den kommenden Nationalfeiertag ist laut Roth derzeit kein Feuerwerk geplant.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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