Matthias Kyburz
Sieg im OL Gesamtweltcup: «Nach dem Überholen war ich völlig euphorisch»

Orientierungsläufer Matthias Kyburz holt in Grindelwald den Sieg im Gesamtweltcup – und schafft damit einen mehr als versöhnlichen Abschluss der Saison.

Nadine Böni
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Beim Zieleinlauf über die Mitteldistanz weiss Matthias Kyburz: Es hat gereicht – er ist erneut Sieger des Gesamtweltcups.

Beim Zieleinlauf über die Mitteldistanz weiss Matthias Kyburz: Es hat gereicht – er ist erneut Sieger des Gesamtweltcups.

KEYSTONE

Die Ausgangslage vor den letzten beiden OL-Weltcuprennen hätte kaum spannender sein können. Vier Läufer mischten noch mit im Kampf um den Sieg im Gesamtweltcup. Zwischen dem Führenden Matthias Kyburz und dem Viertplatzierten Olav Lundanes aus Norwegen lagen gerade einmal 50 Punkte – und das angesichts von noch zwei ausstehenden Rennen, bei denen dem Sieger je 100 Punkte winkten.

«Ich wusste, dass ich zwei Top-Läufe zeigen muss, damit es reicht», sagt Matthias Kyburz am Montag gegenüber der AZ und fügt an, dass er in den Nächten vor dem Rennen nicht wirklich ruhig geschlafen habe. Zu gross war die Anspannung beim Favoriten.

Form und Technik passten

Der 27-Jährige weiss, wie schnell es im OL gehen kann. Nach dieser Saison umso mehr: An der Weltmeisterschaft in Estland im Juli musste er das Rennen über die Langdistanz aufgeben, weil er eine Kontaktlinse verloren hatte. «Auch wenn hie und da das Wort Dominanz fiel, zeigt das doch, dass ein OL-Rennen eben kein Selbstläufer ist», so Kyburz.

Beim Langdistanzrennen in Grindelwald nun ging aber alles gut – mehr als gut sogar: Er gewann das Rennen souverän. «Der Lauf gelang mir so, wie ich mir das erträumt hatte», so Kyburz. Sowohl Form als auch Technik hätten perfekt gepasst. Und von der Unsicherheit, die auf den langen Routen zwischen den Posten manchmal aufkomme, habe er sich nicht irritieren lassen. «Das ist bei den Rennen über die lange Distanz mitentscheidend», erklärt Kyburz.

So konnte er mit viel Selbstvertrauen die zweite Aufgabe an diesem Wochenende angehen: das Mitteldistanzrennen. Auch der Blick auf die Tabelle im Gesamtklassement dürfte ihn etwas beruhigt haben. Nach dem Sieg am Freitag lag Kyburz 70 Punkte vor dem Norweger Olav Lundanes und uneinholbare 105 Punkte vor Landsmann Daniel Hubmann. Kyburz hätte somit ein zehnter Platz für den Sieg im Gesamtweltcup gereicht.

Die Konkurrenz stehen gelassen

Taktieren kam für den Läufer als Möhlin aber nicht infrage. «Die Rennen sind immer eng. Da reicht ein Fehler und die Top-Ten sind in Gefahr», sagt Kyburz. «Es gab für mich also nichts anderes als Angriff.» Und dafür wurde er belohnt. Schon nach etwas mehr als 20 Minuten holte Kyburz den zwei Minuten vor ihm gestarteten Olav Lundanes ein – und liess den Norweger mit einem Zwischensprint gleich hinter sich.

Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass es reichen würde. «Ich war völlig euphorisch», sagt Kyburz mit einem Lachen. Den Sprint beim Überholen sollte er später zwar noch büssen, als bei den letzten Posten plötzlich die Beine schwer wurden. Kyburz aber brachte den Sieg locker ins Ziel; einzig Daniel Hubmann konnte den Rückstand unter einer Minute halten.

Die Heim-EM als Highlight

Für den Möhliner war es der mehr als versöhnliche Abschluss für eine Saison mit einer verpatzten WM. Schon 2012, 2013 und 2016 holte Kyburz den Gesamtweltcup. Auch damals war er jeweils als Führender ins letzte Wettkampfwochenende gestartet. «Mein Vorsprung war aber deutlich grösser als dieses Jahr. Umso schöner ist es jetzt, dass es geklappt hat.» Es sei für ihn persönlich das perfekte Wochenende gewesen, so Kyburz. Die Freude mochte auch nicht wirklich trüben, dass er mit der Staffel am Sonntag disqualifiziert wurde, weil Florian Howald einen falschen Posten angelaufen war.

Jetzt geht es für Matthias Kyburz in die Trainingspause. Im November wird er die Vorbereitung der kommenden Saison in Angriff nehmen. Das grosse Ziel: die Heim-EM im Tessin Ende Mai. «Das wird sicherlich speziell und ein emotionaler Höhepunkt.» Die Vorfreude ist dem frisch gebackenen Gesamtweltcupsieger schon jetzt anzuhören.

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