Eiken

Sie wandeln auf den historischen Wegen im Fricktal

Geschichtsunterricht vor Ort: Kurt Villinger mit Karte und Mütze, rechts von ihm Hans Grether. pst

Geschichtsunterricht vor Ort: Kurt Villinger mit Karte und Mütze, rechts von ihm Hans Grether. pst

Kurt Villinger und Hans Grether führen auf den alten Verkehrswegen durchs Tal. Dass Wege Bodendenkmäler und als Zeitdokument wertvolles historisches und kulturelles Gedächtnis darstellen, erfuhren die beiden Forscher bei ihrer intensiven Recherche.

Gerne teilen sie ihr reiches Wissen nun mit andern.

Obwohl nicht mehr in Eiken wohnend, sind sowohl Villinger wie auch Grether eng mit dem Dorf verbunden. Während Villingers Vorfahren während 110 Jahren (1795 bis 1905) in vier Generationen die Mühle betrieben hatten, war Eikens Mühle Hans Grethers Elternhaus und er verknüpft viele, zum Teil auch wehmütige Erinnerungen mit dem Tal.

Minuziöse Feinarbeit

Nachdem sie vor einiger Zeit ihr in minuziöser und liebevoller Feinarbeit dokumentiertes Geschichtswissen dem Gemeinderat vorgestellt hatten, war für diesen sofort klar, dass man dieses der Öffentlichkeit nicht vorenthalten dürfe. So drehten Grether und Villinger am vergangenen Samstag das (Mühle-)Rad der Zeit weit zurück und nahmen eine erste Gruppe mit zu den historischen Zeugen, den Hohlwegen zwischen Eiken und Schupfart.

In der geologischen Definition sind Hohlwege sich ständig vertiefende Erosionsrinnen, deren Sohle durch die Ausschwemmung immer von neuem freigelegt und durch die Benutzung aufgelockert wird. Das sich auf eine ungefähre Länge von 260 Metern erstreckende und eine Höhendifferenz von rund 45 Metern darstellende System in Eikens «Grütt» diente vorwiegend der Landwirtschaft zur Bewirtschaftung der Felder und Wälder, war Zufahrtsweg zum Verwaltungszentrum – die Vogtei hatte ihren Sitz in Eiken – und wurde auch von Pilgern unter die Füsse oder den Karren genommen. Das Tal war Lebensader für Mensch und Tier.

Kurven waren gefährlich

Der beste Weg, um von A nach zu B zu gelangen, war laut Grethers und Villingers Aussagen immer der direkte, derjenige geradeaus. Stellte dies doch die geringste Gefahr für ein Kippen der von Ochsen gezogenen, ein-achsigen und mangels Bremsen mittels Radschuhen und nachgeschleppten Schlitten ausgestatteten Leiterwagen und Karren dar. «Ihr könnt euch vorstellen», so Villinger schmunzelnd zu den Teilnehmern der öffentlichen Führung, «dass bei solch einem beschwerlichen Transport das eine oder andere Fluchwort über die Lippen der Fuhrmänner kam.»

So ein Transport – um den Gegenverkehr zu warnen, wurde bei der Einfahrt übrigens laut und heftig mit der Geissel «gechlöpft» – stellte allerhöchste Anforderungen an Mensch und Tier.

Die hochinteressante Führung wurde mit einem gemütlichen Imbiss abgeschlossen. Während desselben wurden die beim Wandern angefangenen Gespräche und Erinnerungen ausgiebig fortgesetzt und vielleicht folgt gar einer der Besucher Grethers Ratschlag, der zu Beginn der Wanderung aufgefordert hatte: «Schreibt eure Eindrücke und Erinnerungen auf, denn das, was im Moment so klar und alltäglich erscheint, geht sonst mit dem Rad der Zeit verloren.»

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