Möhlin
Sie sind sportliche Idealisten auf zwei Rädern

Die Radballer des Veloclub Rheinstern (VCR) gehen ihrem Hobby mit viel Ehrgeiz nach. Kein Wunder: Um den Sport auszuüben sind gewisse Fähigkeiten auf dem Velo durchaus erforderlich.

Nadine Böni
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Radball-Training in der Turnhalle Fuchsrain
7 Bilder
Alexandre und Kevin (rechts) Dürger
Luc Graf und Simon Fischler (rechts)
Action im Trainingsspiel
Radballer des Veloclub Rheinstern Möhlin
Velos und Werkstatt im Materialraum
Die Spieler des Veloclubs Rheinstern

Radball-Training in der Turnhalle Fuchsrain

AZ

«Normalerweise geht es etwa sechs bis neun Monate, bis ein Spieler einen Pass spielen oder schiessen kann», sagt Radballobmann und Nati-B-Spieler Freddy Soder. Umso beeindruckender ist, was die Junioren des Veloclubs Rheinstern Möhlin im Training in der Fuchsrainhalle zeigen: Slalomfahren mit und ohne Ball, über den Ball hüpfen, Rückwärtsfahren, Rückwärtshüpfen und Hüpfen mit dem ganzen Rad über eine am Boden liegende Reckstange. Eigentlich sehen sie eher aus wie Akrobaten als Radsportler.

«Es braucht sehr viel Ehrgeiz, damit man es im Radball zu etwas bringt», sagt Soder. «Im Gegensatz zu Fussball, Handball oder Unihockey kann der absolute Anfänger nicht gleich während der ersten Trainingslektion ein bisschen spielen. Gewisse Fähigkeiten auf dem Velo sind dazu erforderlich.» Ideal sei es deshalb, wenn die Spieler schon im Alter von acht oder neun Jahren mit dem Sport beginnen. Das taten Luc Graf und Simon Fischler.

Die beiden heute 14-jährigen Luc Graf und Simon Fischler (beide 14) wurden in der vergangenen Saison Schweizer Meister in der Kategorie Schüler A. Auf diese Saison hin sind sie zur Kategorie Jugend aufgestiegen. Aber das Ziel bleibt dasselbe: «Wir wollen unseren Titel verteidigen», geben sich Luc und Simon selbstbewusst. Der Start in die Saison ist ihnen gelungen, obwohl Luc Graf am ersten Spieltag verletzt aussetzen musste.

Eine Karriere lang zusammen

Auch die Zwillinge Alexandre und Kevin Dürger starteten hervorragend in die Saison. Sie waren zehn, als sie mit Fussball aufhörten und auf das Zweirad wechselten. Heute sind die Beiden 16-jährig und spielen bei den Junioren um den Titel des Schweizer Meisters. Dabei kommt ihnen entgegen, dass sie als Zwillinge eine enge Beziehung zueinander haben. «Wir müssen viel weniger miteinander reden als andere Teams», sagt Kevin. «Das ist ein grosser Vorteil», sagt Freddy Soder. Denn nebst einer starken Rumpfmuskulatur, Athletik, einem ausgeprägten Gleichgewichtsgefühl, Ballgefühl, Verständnis für die Spielsituation und Kreativitätsei im Radball eine gute Abstimmung zwischen den Spielern gefragt.

Das blinde Vertrauen und die Abstimmung seien auch Gründe, warum viele Teams während der ganzen Karriere aus den gleichen zwei Spielern bestünden, sagt Soder.

Streitigkeiten gebe es in den Teams selten. «Natürlich kann es in einem wichtigen Spiel einmal laut werden. Das ist normal in einem emotionalen Umfeld», sagt Soder. Überhaupt sei der Zusammenhalt in der Radball-Szene gross. «Wir sind eine Randsportart. Da kennt man sich sowohl im Verein als auch zwischen den Vereinen gut», sagt Soder.

Weite Reisen für eine Stunde Spiel

Freddy Soder traut den vier jungen Radballern viel zu. «Sie sind ambitioniert und haben den nötigen Ehrgeiz», lobt er. Derzeit spielen sie um die Qualifikation zur Europameisterschaft, die 2013 im belgischen Gent stattfinden wird. Es wäre eine weite Reise an die Europameisterschaft. Weiter noch, als die Reisen, die die Radballer während der Meisterschaft in der Schweiz zurücklegen.

Der Radballclub Liestal ist der am Nächsten gelegene Verein. Daneben reisen die Radballer auch nach Sirnach (SG) oder Altdorf (UR). An einem Spieltag fänden dann gleich mehrere Spiele statt, sagt Soder. Aber auch so ist der Aufwand riesig: «Wir fahren oft viele Kilometer für rund eine Stunde Spielzeit», sagt Soder. «Radball ist ein Sport für Idealisten.»