Mumpf
Sie lebt dort, wo andere im Sommer ihre Ferien verbringen

Elisabeth Schmidlin liefert einen Einblick in ihr Leben als Dauer-Camperin auf dem Camping-Platz in Mumpf.

Dennis Kalt
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Elisabeth Schmidlin und ihre Hunde Mico (l.) und Cora können von Wohnzimmer des Chalets auf den Rhein blicken.

Elisabeth Schmidlin und ihre Hunde Mico (l.) und Cora können von Wohnzimmer des Chalets auf den Rhein blicken.

Sie sitzt auf der Couch im Wohnzimmer ihres kleinen Holzchalets und blickt durch das langgezogene Fenster. Dort betrachtet sie die Silhouetten der kahlen Bäume, die sich im Wasser des Rheins spiegeln. Dabei krault sie ihrer Hündin Cora den Nacken: «Ich sitze hier oft abends, trinke meinen Kaffee oder Ouzo und erfreue mich an dem wundervollen Ausblick auf die Natur», sagt Elisabeth Schmidlin, 67, die sich 2013 entschied, auf dem Camping-Platz in Mumpf zu leben.

Bis zu ihrer Pension lebte Schmidlin in einer 31⁄2-Zimmer-Wohnung in Münsingen BE, arbeitete dort in der Region als Nachtschwester in einer psychiatrischen Klinik: «Aufgrund meiner bescheidenen Rente, habe ich mir meine Wohnung nicht mehr leisten können», sagt Schmidlin und schiebt nach: «Ich bin mit meinen Kindern schon immer gerne campen gegangen und habe mir dann gedacht: Wieso nicht auf einem Campingplatz wohnen?»

Das Mini-Dorf in Mumpf

Den Camping-Platz, auf dem rund 20 Chalets dauerhaft bewohnt sind und rund 40 Chalets für Feriengäste zur Verfügung stehen, bezeichnet Schmidlin als Mini-Dorf: «Man trifft sich zum Kaffee-Trinken, unterhält sich viel, lacht zusammen und hilft sich gegenseitig. Ab und an findet man ein Stück Kuchen des Nachbarn vor der Türe. Hier stimmt der Zusammenhalt einfach», sagt Schmidlin. Auch Weihnachten wird zusammen gefeiert. «Ein Ehepaar richtet jedes Jahr eine Feuerstelle mit einem grossen Topf unter einem Zelt ein. Dann wird zusammen gegessen und gemütlich beisammengehockt», erzählt sie.

Platz für einen Weihnachtsbaum und -deko hat Schmidlin auf ihren rund 40 Quadratmetern allerdings nicht. Dennoch: In Sachen Komfort muss sie kaum Abstriche machen. Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer sind vorhanden, Waschmaschine und Tumbler stehen in einem kleinen Vorbau im Garten. «Klar, wenn man natürlich eine riesige Garderobe besitzt und gerne viele Einrichtungsobjekte um sich hat, dann ist das hier der falsche Ort zum Wohnen. Ein bisschen Bescheidenheit muss schon sein», sagt Schmidlin, die im Monat rund 700 Franken für die Unterkunft berappen muss.

«Man lernt, sparsam zu sein»

Natürlich bringt das Leben auf dem Camping-Platz auch einige Nachteile mit, gibt Schmidlin zu. So werden die Chalets über den Winter von der Wasserversorgung aufgrund des möglichen Einfrierens der Leitungen abgeschlossen. Dann muss Schmidlin alle drei Wochen ihren 2200 Liter Tank unter ihrem Chalet befüllen. «Dadurch lernt man, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Beispielsweise wasche ich die Fressnäpfe meiner Hunde immer mit ihrem übrig gebliebenen Trinkwasser aus.

Ein mit Gas betriebener Durchlauferhitzer sorgt für warmes Wasser und für die richtige Raumtemperatur im Chalet von Schmidlin. Obwohl sie auch mit dem Gas sparsam umgeht, verbraucht sie in der Woche rund eine Flasche à zehn Kilogramm: «Bevor ich zu Bett gehe, stelle ich die Heizung auch im Winter immer aus. Wenn ich dann morgens aufwache, hat es knapp an die zehn Grad. Aber das macht mir nichts aus, weil ich dies aus meiner Kindheit gewohnt bin», erzählt Schmidlin.

Doch die positiven Seiten überwiegen. So auch wenn Schmidlin die lauen Sommerabende in ihrem Garten am Rheinufer verbringt: «Hier lässt sich eine unglaubliche Artenvielfalt an Tieren beobachten. Einmal habe ich einen Biber zugeschaut, wie er innert kurzer Zeit einen halben Haselnussstrauch zerlegt hat», erzählt sie. Nur eines stört sie dabei: Die unzähligen Boote, die den Rhein auf und ab fahren. Trotzdem sagt Schmidlin: «Ich kann mir vorstellen, hier noch viele Jahre zu bleiben.»

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