Laufenburg
Sie kamen in den 50er-Jahren aus Sizilien: Einwanderer erzählen jetzt ihre Geschichten

Zahlreiche Einwanderer aus Leonforte in Sizilien kamen seit den 1950er-Jahren ins Städtchen. Nun erzählen einige von ihnen in einer Ausstellung im Museum Schiff ihre Geschichten.

Marc Fischer
Merken
Drucken
Teilen
Vera Ryser und Patrizia Lo Stanco hatten die Idee für die Ausstellung.

Vera Ryser und Patrizia Lo Stanco hatten die Idee für die Ausstellung.

Marc Fischer

Wie haben Einwanderer aus Leonforte in den 1950er- und 1960er-Jahren in Laufenburg gelebt? Wo fanden sie Arbeit? Wie war es für die Männer, ihre Familien monate- oder jahrelang in Italien zurückzulassen, weil kein Familiennachzug möglich war? Wie empfanden sie die Grenzkontrollen? Welche Traditionen haben sie zur Laufenburger Kultur hinzugefügt?

In der neuen Ausstellung «Leonforte/Laufenburg: Geteilte Erinnerungen» im Museum Schiff in Laufenburg erzählen Migrantinnen und Migranten ihre Geschichten, geben Einblicke in ihre Fotoalben und beantworten solche Fragen. Die Idee zur Ausstellung hatten Patrizia Lo Stanco und Vera Ryser. Die beiden haben in den 1990er-Jahren gemeinsam in Laufenburg und Muttenz die Schule besucht und kamen bei einem Treffen auf die Migrationsthematik zu sprechen. «Wir haben uns gesagt, jetzt wäre der Zeitpunkt, um die Geschichte der Migranten aufzugreifen. Jetzt können sie uns noch selber davon erzählen», sagt Patrizia Lo Stanco, deren Grosseltern selber aus Leonforte nach Laufenburg gezogen sind.

Grosse Bereitschaft

Ryser und Lo Stanco haben die Idee den Museumsverantwortlichen präsentiert und stiessen auf offene Türen, wie Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins, ausführte. «Ein Vertrauensbeweis» sei das gewesen, so Ryser, denn: «Wir hatten noch kein Material. Eine Ausstellung über jene Zeit zu machen, bedeutet Recherche.» Und so begannen die beiden Interviews zu führen und sich Geschichten und Erinnerungen erzählen zu lassen. «Wir haben mit den Leuten Fotos angeschaut, die sie aus dem Estrich hervorgeholt haben. Die Fotos brachten immer neue Erinnerungen hervor», beschreibt Ryser. Die Menschen hätten gerne erzählt. «Sie waren dankbar, stolz, dass sie ihre Geschichte erzählen durften.» Die Recherche und die Entstehung der Ausstellung wissenschaftlich begleitet hat die Historikerin und Migrationsexpertin Flavia Grossmann.

Auch mit Laufenburgern haben die Ausstellungsmacherinnen Interviews geführt. Mit Lehrern oder Vorarbeitern etwa. In der Ausstellung kommen nun aber nur die Migranten vor. «Das war ein bewusster Entscheid. Es sollte nicht ein Reden übereinander werden», so Ryser. Dennoch seien die Gespräche mit den Einheimischen sehr wertvoll gewesen.

Neben einordnenden Texten liegt der Fokus der zweisprachigen Ausstellung auf Hörstationen, an denen sich die Besucher Ausschnitte der Erinnerungen erzählen lassen können, und auf Fotos. Zwar konzentriert sich die Ausstellung auf die Migrationsgeschichte zwischen Laufenburg und Leonforte, sie sei aber exemplarisch für allgemeine Erfahrungen von Migranten, sind Ryser und Lo Stanco überzeugt.

Die Vernissage der Ausstellung findet am Samstag, 27. August, um 16 Uhr im Museum Schiff in Laufenburg statt.