Hottwil

Sie ist die Herrin über die gelben Tomaten und runden Gurken

Rebekka Herzog bereitet im Gewächshaus in Hottwil die Tomatensetzlinge für den Wildegger Schlossmarkt vor.LÜ.

Rebekka Herzog bereitet im Gewächshaus in Hottwil die Tomatensetzlinge für den Wildegger Schlossmarkt vor.LÜ.

Für den Specie Rara Markt auf Schloss Wildegg liefert Rebekka Herzog Tausende von Setzlingen. Darunter gibt es Tomaten in (fast) allen Farben, Gurken, Kürbisse, Kabis und vieles mehr. Der Markt ist noch bis am Sonntag.

Im Frühling ist sie fast pausenlos an der Arbeit, sät, pikiert und versetzt die zarten Pflänzlein in Töpfe. Die 46-jährige Rebekka Herzog könnte in der Hochsaison ab Mitte Februar vier oder sechs Hände gut gebrauchen. «Jede Pflanze nehme ich dreimal in die Finger», erklärt sie zu ihrem Hobby, das immer mehr zum Beruf geworden ist. 

Rund 30 Gemüsesorten wachsen ums Haus in Hottwil und füllen über dem Dorf ganze Treibhäuser. «Von den Tomaten habe ich 150 Sorten für das Saatgut und zum Vermehren», sagt die Frau, die an der ETH Umweltnaturwissenschaften studiert hat. Die Züchtung weiterer Sorten würde sie reizen, «aber dazu habe ich nicht auch noch Zeit.» Zu spontanen Verkreuzungen kommt es manchmal, so etwa aus den Tomatensorten grüne Zebra und Ruthje.

Richtiger Zeitpunkt wichtig

Das Wetter macht im Frühjahr oft Bocksprünge, aber Rebekka Herzog muss versuchen, Tausende von Setzlingen für den Wildegger Schlossmarkt (siehe Kontext) bereit zu haben. Dieses Jahr wird es klappen. Dazu macht die Setzlingsfrau schon Anfang bis Mitte Februar erste Aussaten in Schalen beim Kachelofen, bis Mitte März folgen die Tomaten.

Später werden sie in Boxen pikiert, wachsen in den Treibbeeten weiter und in kleinen Töpfen in den Treibhäusern. Weil diese keine Heizung haben, sind Frühlingsfröste für die zarten, empfindlichen Pflanzen gefährlich. Um die Tausenden von Pflanzen auf die Wildegg zu bringen, braucht es eine beachtliche Logistik. «Beim ersten Markt vor 13 Jahren sind wir überrannt worden», sagt die dreifache Mutter. «Aber jetzt haben wir die Menge im Griff.»

Beginn mit gelben Tomaten

Zu ihrer Berufung kam Rebekka Herzog durch Zufall, ohne jede Absicht. Während ihres Studiums machte sie eine Semesterarbeit über Pro Specie Rara und Tomaten-Sorten in der Schweiz. Dabei ist sie schon vor 20 Jahren auf gelbe Tomaten gestossen, hat diese angepflanzt und ist auf den (guten) Geschmack gekommen. Die paar Stöcke dienten zur Überraschung von Bekannten und Verwandten. Gelbe Tomaten waren damals eine Sensation.

Heute gibt es unter den alten Sorten viele Farben und Formen: rote, violette, gelbe und orange Tomaten. Farbenvielfalt herrscht auch bei den Rüebli und Kartoffeln. Zudem gibt es gelbe und runde Zitronengurken – die übrigens hervorragend munden. Zu den vorbereiteten Gemüsesorten für den Setzlingsmarkt gehören ausserdem Peperoni, Chili, Zucchetti, Kürbisse, Kabis und Kohl.

Stadttomaten als grosser Renner

Ungebrochen gross ist die Nachfrage nach Mini-Tomaten, die es rot und gelb unter dem Sammelbegriff Kirschtomaten oder Datteltomaten (wegen der Form) gibt. Balkon-Tomaten sind total in und werden von Pro Specie Rara speziell gefördert, unter dem Titel «Stadt-Tomaten» läuft eine Aktion zur Verbreitung auf den Balkonen. Darüber freut sich Rebekka Herzog, «das ist absolut keine Konkurrenz für uns». Wichtiger ist ihr die Verbreitung alter Sorten, deren Früchte geschmacklich oft hervorragend sind, aber für die Grossverteiler unbrauchbar. Denn ausgereift sind sie meist nicht transport- und lagerfähig.

Herzogs Setzlinge gibt es ab nächster Woche auch im Hofladen in Hottwil, zudem auf dem Wochenmarkt in Frick. Für den Schlossverkauf packt die ganze Familie an, Ehemann Thomas Furrer hilft auch sonst bei schweren Einsätzen. Im übrigen herrscht Arbeitsteilung, sie betreut Setzlinge, Hofladen, Garten und zehn Bienenvölker, er die Gemüsefelder, Kühe und einen Obstgarten mit rund 100 Hochstammbäumen.

Weil es da auch viele Kirschen und Zwetschgen hat, sind die ersten Fallen gegen Kirschessigfliegen schon in Betrieb. Die Sorgen sind gross, die neuen Schädlinge könnte auch die Erdbeeren und vielleicht sogar die Tomaten befallen.

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