Zeihen

Sie hat mit Vögeli-Gezwitscher vielen den Kropf geleert

Patti Basler bei der Premiere am Freitagabend

Patti Basler bei der Premiere am Freitagabend

Patti Basler hat mit «Kropfgezwitscher» - erfolgreich - gegen alle Regeln eines Poetry-Slams verstossen. Zusammen mit den Remiger Vögeli-Zwillingen, die sie am Schlagzeug und mit der E-Gitarre begleiteten, schaffte Basler eine vertraute Atmosphäre.

«Ich stehe zu meiner Perversität», stellte Slam-Poetin Patti Basler kurz nach Beginn der Premiere ihres ersten abendfüllenden Auftritts klar. Von der Perversität schlug sie gleich den Bogen zur Biodiversität. Zusammen mit den Remiger Vögeli-Zwillingen, die sie am Schlagzeug und mit der E-Gitarre begleiteten, schaffte Basler schnell eine vertraute Atmosphäre in der voll besetzten Unterkirche. Die Poetin zwitscherte mit geschliffenem Mundwerk über lokale, regionale, nationale und alltägliche Themen. Alles mit dem Ziel, den Kropf zu leeren.

Mit Lehrerin abgerechnet

Dabei griff Basler immer wieder in ihre «Geschichtenverrichtungsbox» in der Dichterecke und holte einen kürzeren oder längeren Text hervor. Die gebürtige Zeiherin ging auf die Macken der Fricktaler mit dem typischen «unterfricktalienische Lätsch» oder dem unreflektierten Spruch «Es wird immer blöder» ebenso ein, wie auf das Üben der verbalen Wortketten bei Fräulein Scheidegger früher in der Primarschule. Von letzteren schaffte sie den Sprung zum Thema Ausschaffungshaft für ausgeschlossene Subjekte.

Die kreative Wortakrobatin und Lehrerin war mit ihren Wortspielereien kaum zu bremsen. Aus der Vogelgrippe wurden Gripen-Vögel und aus René der Wiedergeborene. Basler nahm kein Blatt vor den Mund. Das Thema Übergewicht zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Immer wieder spielte sie auf ihr eigenes Körpervolumen an: «Geht mal in euch! Viele müssen nicht so weit gehen wie ich.»

Interaktion mit dem Publikum

Anders als bei einem Poetry-Slam, wo das Publikum die Rolle der Jury einnimmt, wurden die Gäste im Laufe des Abends eingeladen, ebenfalls ihren Kropf zu leeren und «endlich in aller Öffentlichkeit preiszugeben, mit wem man gerne ein Hühnchen rupfen möchte». Unfähige Bundesräte, Ärger über einen nicht angekündeten Baugraben vor dem Haus, bellende Hunde der Nachbarn und misslungene Elterngespräche waren Themen, die im Publikum bewegten und von Sven Vögeli gesammelt wurden. Nach der Pause leerte Basler mit den diesen Stichworten den Kropf für ihre Gäste: «Schlimmer als die Stündeler sind die Hündeler.»

Nach rund zwei Stunden zeigte sich das Publikum begeistert. «Statt mit 150 Buchstaben auf Twitter bin ich lieber einen ganzen Abend auf der Bühne präsent», fasste Basler ihre Motivation zusammen. Die Musik der Vögeli-Zwillinge trug viel zum Verdauen der dichten Texte bei. Manchmal hätte man sich - passend zu den überspitzten Texten - noch mehr provokative, musikalische Einlagen gewünscht. Die pensionierte Primarlehrerin Rita Schmid zeigte sich nach der Premiere stolz, dass ihre ehemalige Schülerin im «Slammen» so erfolgreich unterwegs ist. «Ich habe sie immer gefördert», meinte Schmid augenzwinkernd.

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