Kaisten
Sie hat bereits die erste Medaille einer Weltmeisterschaft im Visier

Am Freitag fliegt Andrea Gerber mit der Schweizer Faustball-Nationalmannschaft nach Brasilien.

Fabio Baranzini
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Voller Einsatz: Andrea Gerber möchte mit der Schweizer Faustball-Nationalmannschaft in Brasilien eine WM-Medaille gewinnen. FAbio Baranzini

Voller Einsatz: Andrea Gerber möchte mit der Schweizer Faustball-Nationalmannschaft in Brasilien eine WM-Medaille gewinnen. FAbio Baranzini

Fabio Baranzini

Andrea Gerber und der Faustballsport – diese Kombination passt wie die Faust aufs Auge. Oder wie es im Falle der 28-jährigen Angreiferin des Schweizer Frauen-Nationalteams treffender zu formulieren wäre – wie die Faust auf den Ball. Schon als kleines Kind begleitete sie ihren Vater auf den Faustballplatz und begann bald, selber zu spielen.

Schnell zeigte sich, dass Andrea Gerber viel Talent mitbringt. Schon mit 14 Jahren war sie Teil der Schweiz U18-Nationalmannschaft, empfahl sich danach für die A-Nati und ist seither stets Teil des erweiterten Kaders. Der Höhepunkt ihrer Nationalmannschafts-Karriere war der EM-Titel in Zofingen 2009.

Aber auch auf Clubebene hat Andrea Gerber ein beachtliches Palmarès vorzuweisen. Mit ihrem Stammclub Vordemwald schaffte sie den Aufstieg aus der 2. Liga bis in die Nationalliga A. Später wechselte sie zum Kantonsrivalen STV Oberentfelden-Amsteg, wo sie noch heute spielt. Mit den Oberentfelderinnen konnte sie zwei Schweizer-Meister-Titel und etliche weitere Medaillen, sowie eine bronzene Auszeichnung im Europacup holen. Eine einzige Medaille fehlt Andrea Gerber allerdings noch in ihrer Sammlung: eine Medaille an Weltmeisterschaften.

Heissblütige Brasilianer

Und diese Lücke will die gelernte Hochbauzeichnerin, die seit sechs Jahren in Kaisten lebt, so schnell wie möglich schliessen. Am liebsten schon nächste Woche. Dann findet nämlich im brasilianischen Curitiba die Weltmeisterschaft statt. Die Schweizerinnen zählen dort zu den Medaillenanwärterinnen.

Ein Selbstläufer wird der Medaillengewinn aber auf keinen Fall. Vor allem, weil die Bedingungen in Brasilien nicht ganz einfach sein werden. «Wir müssen eine halbe Odyssee zurücklegen, bis wir überhaupt dort sind, und auch das Klima ist deutlich wärmer als bei uns derzeit», so Gerber.

«Kommt hinzu, dass die Brasilianer dafür bekannt sind, dass sie sehr heissblütig sind. Es wird also auf dem Spielfeld und im Stadion einiges mehr los sein, als wir uns das gewohnt sind.» Genau in solchen Momenten ist die Erfahrung von Spielerinnen wie Andrea Gerber, die seit vielen Jahren auf internationalem Niveau spielen, besonders wichtig.

Grosser Aufwand

Zumindest im Auftaktspiel gegen Indien dürfte diese Erfahrung aber noch nicht nötig sein. Gegen die Asiatinnen starten Andrea Gerber und ihre Teamkolleginnen als grosse Favoritinnen.

In den darauffolgenden Gruppenspielen gegen Chile und Deutschland werden die Schweizerinnen dann deutlich mehr gefordert. «Gerade das Duell gegen Chile wird entscheidend sein. Wenn wir dort gewinnen, können wir um die Medaillen mitspielen», blickt Gerber voraus.

Sollte es mit dem Gewinn der WM-Medaille klappen, wäre dieser Erfolg die Belohnung für die unzähligen Stunden, die Andrea Gerber während den letzten Jahren in den Faustballsport investiert hat.

Neben ihrem 100-Prozent-Job absolviert die 28-Jährige vier Trainings pro Woche, um in der Nationalliga A und in der Nationalmannschaft mitspielen zu können. Im Hinblick auf die WM kamen noch einige zusätzliche Trainingseinheiten dazu.

Dass sie dafür kaum Anerkennung in der Öffentlichkeit oder finanzielle Entschädigungen erhält – für die WM muss sie gar beinahe 1000 Franken aus der eigenen Tasche bezahlen –, stört Andrea Gerber nicht.

«Wenn ich Aufmerksamkeit oder das grosse Geld gesucht hätte, würde ich nicht Faustball spielen. Für die Sportart, die zum Spielen und für Zuschauen sehr attraktiv ist, ist es jedoch schade, dass sie oftmals etwas abschätzig als Altherrensport bezeichnet wird», so Gerber. Eine WM-Medaille könnte daran – zumindest kurzzeitig – etwas ändern.