Die Anwohner kennen es: Wenn überfüllte «Rapidli» über die Hornusser-strasse tuckern, dann ist Sichtfeld-Wochenende. Auch die fünfte Auflage überzeugte mit abwechslungsreicher Musik und originellen Bauten. «Am schönsten finde ich, dass alles selber gemacht ist. Hier sieht man nirgends weisse Zelte mit Werbeaufdruck», fasst ein erfahrener Open-Air-Besucher und Heimweh-Fricktaler zusammen. Neben ihm sitzt sein Vater, der als Helfer im Einsatz ist und die ganze Woche beim Aufbau dabei war. Der Pensionär: «Es ging zu wie in einem Bienenhaus. Dieses grosse Engagement hat mich sehr beeindruckt.»

Das Sichtfeld Open Air fand zum dritten Mal in Hornussen statt und feierte insgesamt seinen fünften Geburtstag. «Wir sind ein eingespieltes Team», so OK-Präsident Rainer Demmler. Doch nach fünf Jahren haben sie gemerkt, wo Verbesserungen möglich sind: Bisher wurden alle wichtigen Entscheide im OK getroffen, das soll sich ändern. «Wir möchten unsere treusten Helfer – etwa 25 Leute – mehr einbinden und werden darum Workshops durchführen, um das Open Air neu zu definieren.» Es könne also gut sein, dass die sechste Auflage mit einigen Neuerungen aufwartet.

«Schnee»-Dusche beim Zapfhahn

Die fünfte Ausgabe punktete wie gewohnt mit Hip-Hop, Ska und Rock. Hauptact am Freitag war Electric Swing Circus aus Birmingham, am Samstag spielte das deutsche Rap-Urgestein Curse. Die Besucherinnen und Besucher, darunter viele Zeiher und Hornusser, zählten gemäss Open-Air-Motto «Im Feld» für einmal zu den Kleinsten auf der Wiese. Meterhohe Blumen, Bienen und Ameisen sorgten für einen Perspektivenwechsel. Besonders beliebt war der riesige Zapfhahn, der weissen Schaum produzierte. Die liebevoll gestalteten Dekors stiessen auf viel Begeisterung.

Den Organisatoren war fast kein Aufwand zu gross. So hat auch das bekannte Klavier aus der «Waage» in Aarau (die az berichtete) einen Platz bekommen. Demmler und seine Kollegen hatten es frühmorgens im Ausgang spontan für 100 Franken gekauft und gleich mitgenommen. «Wir mussten es in einer Tiefgarage zwischenlagern. Es war zu schwer, um es in die Wohnung zu tragen.» Drei Tage stand es nun in einer Bar auf dem Hornusser Feld. Wer mochte, durfte darauf spielen.

Wenn das OK zu Eltern wird

Viele Freaks – auch bekannt als Organisatoren des früheren Freaktal Open Airs – sind inzwischen Eltern. «Zwei Freaks hatten angefragt, ob sie ein Kinderprogramm auf die Beine stellen dürfen», sagt Demmler. So kam es, dass die kleinsten Besucher am Samstagnachmittag malen, «seifeblöterle» und basteln durften, während die Slam-Poeten ihren Auftritt hatten. Rund 2500 Besucher kommen jedes Jahr ans Sichtfeld Open Air. Wer einmal da war, kommt meist wieder. Einziger Kritikpunkt, wie mehrere Gäste bemerkten: Die Musik dürfte teilweise etwas leiser sein.