Rainer Demmler, wie viele Leute stecken eigentlich hinter dem Sichtfeld Openair?

Rainer Demmler: Da gehören viele Leute dazu. Einerseits natürlich alle, die uns jedes Jahr helfen beim Aufstellen. Zusätzlich braucht es auch viel Organisation und Planung lange vor dem Festival. Das OK-Team besteht aus insgesamt acht Leuten. Jeder hat sein eigenes «Ämtli», etwa das Buchen der Bands, die Medienarbeit oder das Sponsoring. So kann jeder sein Talent am besten einbringen.

Was ist denn Ihr «Ämtli»?

Als Präsident versuche ich natürlich, etwas Struktur in den Verein zu bringen. Eine gute Struktur in einem Verein macht die Arbeit einfacher. Im Team treffen unterschiedliche Charaktere aufeinander, da kann es manchmal schon etwas chaotisch werden. Ausserdem kümmere ich mich um alle vereinsinternen Anliegen und um die neuen Mitglieder, die Sitzungen und so weiter. Und ich bin zuständig für die Organisation und Koordination der Helferinnen und Helfer während der Aufbauphase. Während des Festivals nimmt mir diese Aufgabe zum Glück jemand ab.

Wie kommen die Leute, die helfen, zum Sichtfeld Openair?

Das geschieht hauptsächlich über Mundpropaganda. Wir machen keine Ausschreibungen oder so, man kennt sich ja hier in der Region. Und viele freuen sich, wenn sie helfen können.

Wo sehen Sie Ihre grösste Herausforderung?

Es ist trotzdem nicht immer einfach, genügend Hilfskräfte auf dem Gelände zu haben. Und dafür zu sorgen, dass immer alle wissen, was sie zu tun haben. Gerade, wenn eine Arbeit freiwillig ist, muss man die Leute stärker motivieren. Und dafür sorgen, dass auch wirklich der Stromgenerator mit Benzin und nicht der Helfer mit Bier getankt wird. Grundsätzlich herrscht aber schon während des Aufbaus und auch später während des Festivals eine super Stimmung im Team.

Wie viele Helferinnen und Helfer sind jeweils auf dem Festivalgelände?

In der Aufbauphase starten wir mit ungefähr 20 Leuten. Gegen Schluss sind es dann sicher um die 50 Personen, die uns unterstützen. Es gibt ja auch einiges zu tun. Die Arbeiten reichen vom Aufstellen des Zaunes um das Festivalgelände bis zum Montieren sanitärer Anlagen. Wer auf dem Festivalgelände eine Bar hat, stellt die aber selbstständig auf.

Wann beginnt das OK jeweils mit der Planung?

Eigentlich gleich anschliessend an das aktuelle Festival. Es gibt zwar eine kurze Verschnaufpause, aber allerspätestens ab April zieht die Arbeit dann wieder an und wir sind alle stark involviert.

Ihr arbeitet alle ehrenamtlich. Ist es schwierig, einen Job und das Festival unter einen Hut zu bringen?

Es ist sicherlich nicht einfach, wir machen das ja alle als Hobby. Bis April ist die Anstrengung allerdings relativ gering. Da gibt es aber interne Unterschiede. Gerade die Zuständigen fürs Sponsoring und eben für das Programmieren haben eine sehr zeitintensive Aufgabe. Die fangen auch früher an als andere aus dem Team. Im Schnitt entspricht der Aufwand etwa einer Arbeit mit einem Pensum von 10 bis 20 Prozent, zusätzlich zu unseren Jobs. Aber das ist nur meine persönliche Einschätzung, je nach Aufgabe kann das mehr oder weniger sein.

Für ein Festival der Grösse des Sichtfelds könnt ihr ein beeindruckendes Programm bieten. Wie macht ihr das?

Oliver Herzog kümmert sich darum, er gehört auch zum OK. Er arbeitet in einer Musikproduktionsfirma in Zürich, das hilft natürlich. Dadurch besitzt er schon das nötige Netzwerk und das Wissen, wie man das macht. Das macht sehr viel aus. Auch hier sieht man, wie wichtig unsere «Ämtli» sind. Für mich wäre das zum Beispiel unmöglich. Mit unserem Budget ist es aber auch nicht so einfach, ein anständiges Programm hinzukriegen.

Inwiefern?

Wir haben eigentlich immer eine Mischung aus Bands, die praktisch nichts kosten, oder denen wir einfach eine Kiste Bier hinstellen können als Gage, und solchen, die wir bezahlen müssen. Und natürlich braucht es immer so etwas wie einen «Headliner», also eine Band, deretwegen die Leute ans Festival kommen. Wir haben kein allzu grosses Budget. Damit müssen wir acht, neun Bands organisieren. Und das beinhaltet ja nicht nur die Gage für die Musiker, sondern manchmal auch die Reise oder die Unterkunft. Das Programmieren und Buchen der Bands ist also sicher eine der schwersten Aufgaben an unserem Openair.

Woher kommt das Geld für das Sichtfeld Openair?

Wir werden zwar finanziell von unseren Sponsoren sowie von zwei Kulturförderstellen unterstützt. Die Haupteinnahmen kommen aber von den verkauften Eintritten und den Einnahmen der Bars und Stände auf dem Gelände. Entsprechend rechnen wir dann unser Budget aus, mit dem wir das nächste Festival planen können.

Neben den Konzerten bietet ihr auch Randveranstaltungen wie etwa einen Poetry Slam.

Genau, das ist uns auch wichtig. Den Poetry Slam haben wir letztes Jahr zum ersten Mal veranstaltet, der ist bei den Leuten sehr gut angekommen. Dieses Jahr sind unter anderem Patti Basler und Valerio Moser dabei. Wir wollen den Leuten auch zwischen den Konzerten und vor allem am Nachmittag und frühen Abend Programm bieten. Ich persönlich finde nichts langweiliger als Festivals, an denen ausser den Konzerten gar nichts läuft.

Wie viele Tickets sind für das diesjährige Festival schon verkauft?

Das Sichtfeld Openair ist kein Festival, für das man den Vorverkauf nutzt. Die meisten Leute kaufen ihr Ticket direkt am Festival. Wir sind ja kein St.-Gallen-Openair, das schon weit im Vorfeld ausverkauft ist. Obwohl, dieses Jahr haben wir ganze 25 Tickets bereits jetzt verkauft. Im letzten Jahr waren es nur 5. Ich weiss nicht, woran das liegt.

Bis vor zwei Jahren fand das Openair auf dem Gebiet des Strihen in Densbüren statt. Inwiefern ist der neue Ort anders?

Das neue Gelände in Hornussen ist etwas kleiner als das in Densbüren. Das ist besser, weil sich das Festival so kompakter, dichter anfühlt: Die Leute verteilen sich anders und verlieren sich nicht so auf dem Gelände. Ausserdem war das frühere Gelände manchmal etwas abenteuerlich.

Warum?

Auf so einem Hügel kann es manchmal ganz schön stark winden. Man stelle sich vor, man hat ein hohes Zelt oder eine Fahnenstange oder so auf dem Gelände. Diese Kombination ist, sagen wir mal: ungünstig.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Für mich ist es immer ein Erfolg, wenn ich sehe, dass die Besucherinnen und Besucher Freude haben am Festival. Wenn sie entspannt sind und feiern. Die Freude des Publikums ist meine grösste Motivation, dieses Festival überhaupt aufzuziehen.

Das Sichtfeld Openair findet vom 21. bis 23. August in Hornussen statt. Infos unter www.sichtfeld-openair.ch