Sesselrücken bei der CVP im Wahljahr

Martin Steinacher tritt wenige Monate vor den Grossratswahlen als Bezirksparteipräsident zurück. Ist das klug?

Thomas Wehrli
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Martin Steinacher (53) tritt als Präsident der CVP Bezirk Laufenburg zurück und gibt das Amt an Daniele Mezzi (26) weiter. Eigentlich sollte der Wechsel an der Mitgliederversammlung vom 22. April vollzogen werden. Diese findet – Corona-bedingt – nicht statt, als Ersatztermin hat die Parteileitung den Juni ins Auge gefasst.

Das sind dann noch rund vier Monate vor den Grossratswahlen, dem nächsten Härtetest für die Performance der Partei. Diese fiel in den letzten 15 Jahren auch im Bezirk Laufenburg – eine der CVP-Hochburgen im Aargau – negativ aus. Ihr Wähleranteil bei den Grossratswahlen sank zwischen 2005 und 2016 schrittweise von gut 30 auf noch knapp 21 Prozent. Besonders schmerzlich für die Christdemokraten war der Verlust des zweiten Grossratssitzes vor vier Jahren.

Die Frage ist deshalb schon: Ist der Zeitpunkt für den Wechsel klug gewählt? Der Entscheid sei über längere Zeit gereift und komme für die Partei nicht überraschend, sagt Steinacher, der selbst neun Jahr im Grossrat sass und ebenso lange als Gemeindeammann von Gansingen wirkte. Die Beanspruchung im Job – Steinacher leitet die Einheit Engineering Maschinentechnik im Kernkraftwerk Beznau – habe in den letzten Jahren zugenommen, begründet der 53-Jährige seinen Entscheid.

Zudem stehe mit Mezzi ein junger und motivierter Nachwuchspolitiker bereit, der einsteigen wolle. «Das ist heute nicht selbstverständlich», weiss Steinacher. Mezzi, der seit 2012 in der Parteileitung mitwirkt, konnte in den letzten Jahren Wahlkampferfahrung sammeln und wird nun von Steinacher bis im Juni sukzessive ans Amt herangeführt. «Für die Partei kann es sich im Wahljahr auch positiv auswirken, wenn man eine Verjüngung sieht und Jüngere am Ruder sind.» Mezzi werde, wie der Bisherige Werner Müller, im Herbst bei den Grossratswahlen auch selber kandidieren.

Den verlorenen Sitz­ ­zurückholen ist das Ziel

Das Ziel ist klar: Den vor vier Jahren wegen des neuen Wahlsystems knapp verlorenen zweiten Sitz zurückzuholen. «Das ist nicht einfach, aber die Chancen sind intakt», sagt Steinacher. Er hofft, dass die Partei den Schwung vom letzten Jahr – bei den Nationalratswahlen 2019 holte die CVP im oberen Fricktal zwei Prozent mehr Stimmen als vier Jahre zuvor – mitnehmen kann. Die zweite Zielsetzung ist, dass der Wähleranteil nicht weiter schrumpft.

Bei der Frage nach dem Tiefpunkt in seiner Amtszeit als Bezirksparteipräsident muss Steinacher nicht lange überlegen. «Der Verlust des zweiten Grossratssitzes 2016. Das tat weh, damit rechneten wir nicht.» Werner Müller wurde damals nicht wiedergewählt – trotz vieler Stimmen. Inzwischen sitzt Müller wieder im Grossen Rat; er rutschte für Steinacher nach, der 2017 zurücktrat. Schwerer fällt es ihm, einen einzelnen Höhepunkt zu benennen. «Es gab viele schöne Momente», sagt er. Dann, wenn man als Partei etwas bewirken konnte, dann, wenn man als Region zusammenstand, dann, wenn er jeweils mit einem guten Resultat im Amt bestätigt wurde. «Das zeigte mir, dass ich nichts wirklich falsch gemacht hatte.»