«Was ist das denn?» Ben Pabst beugt sich vor, äugt auf ein Skelettteil, das ein Mitarbeiter eben freigelegt hat. «Hm», murmelt der Paläontologe, der als «Dino-Papst» der Schweiz gilt (nomen ist eben doch omen). Er wischt mit einem Pinsel einige Lehmresten weg, tastet den Knochen ab, legt das Gesicht in Denkfalten. «Klar», meint er dann. «Das ist die rechte Zehenkralle.» Sie ist beachtlich und erinnert den Laien irgendwie an die Nase von Gérard Depardieu.

Der Zeh gehört dem grössten Plateosaurier, der je in der Schweiz gefunden wurde. 7,5 bis 8 Meter lang war der Pflanzenfresser, gut eine Tonne schwer und rund 20 bis 40 Jahre alt, als er vor rund 210 Millionen Jahren in einem Schlammloch in der Fricker Tongrube einsank, verdurstete – und nun zum «Hammerfund» in der 40-jährigen Grabungsgeschichte mutierte.

Sensations-Fund in Frick (1.7.2015)

Mit Hammer, Ahle, Pinsel, Alufolie, Jutebändern, Acrylleim und Gips sind Pabst und seine Mitarbeiter derzeit daran, den Sensationsfund zu bergen. Rund einen Monat wird es dauern, bis sie alle Knochen aus der Erde geholt haben, und die Arbeit ist, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Knochenbüez.

Für Pabst, der die Grabungen seit elf Jahren leitet und in dieser Zeit an die 40 Saurier(teile) geborgen hat, ist es Routine – und doch jedes Mal einmalig. Die Routine sieht, im Schnelldurchlauf, so aus: Knochen mit Acrylleim tränken, damit sie nicht zerfallen; Knochen nummerieren; Skelett mit einer Plastikfolie abdecken und die Knochen mit Filzstift abzeichnen (den Bau-Plan braucht Pabst für das Präparieren); definieren, welche Teile en bloc geborgen werden; Blöcke mit Alufolie abdecken, damit die Knochen nicht am Gips haften bleiben; Jutebänder in Gips eintauchen und über die Alufolie legen; Saurier-Schicht abtrennen, umdrehen – und einlagern. Vier bis fünf Euro-Paletten wird der Riesensaurier füllen; normal sind eine bis zwei Paletten.

Wo ist der Kopf?

Die Einmaligkeit an seiner Arbeit ist, dass Pabst nie weiss, was die Erde hergibt, ob es ein Sensationsfund wird oder einer unter «ferner liefen». Auch beim Super-Dino fing alles unspektakulär an. Vor dreieinhalb Wochen, an einem Samstag, stiess das Team auf ein paar Bauchrippen. Erst im Verlauf der Grabung zeigte sich: Das ist ein kompletter Plateosaurier – und nicht nur irgendeiner, sondern «Mister Riesenfuss». Gut, ganz komplett ist er nicht; der Kopf fehlt. Aber was sind schon 40 Zentimeter Saurier-Kopf im Vergleich mit den 7,5 Metern Rest-Saurier, die gefunden wurden? «Viel», wird jeder (Hobby-)Paläontologe einwenden und auch Pabst hofft, den Kopf bei den weiteren Grabungen noch zu finden. Die Chancen schätzt er auf 1:10. Aber eben: «Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.»

Eine grosse Hoffnung – man kann auch sagen: Ein Traum verfolgt Pabst seit langem. Einen Sponsor zu finden, um all die Saurier, die in Euro-Boxen gestapelt lagern, präparieren zu können und sie dereinst in einem neuen, grösseren Museum ausstellen zu können. «Ein Mäzen könnte sich ein Denkmal setzen», ist Pabst überzeugt. «Ein solches Museum hätte viel Potenzial.»