Unfälle können immer und überall passieren. Bei dieser erschütternden Gewissheit tut es gut, zu wissen, dass viele Menschen über ein grundlegendes Wissen rund um Erste-Hilfe-Massnahmen in Notsituationen verfügen. Das ist nicht zuletzt das Verdienst der 92 Samaritervereine im Aargau mit rund 2800 engagierten Mitgliedern.

In Schulungen wie dem Nothelferkurs lehren sie nicht nur einer breiten Öffentlichkeit den richtigen Umgang mit Unfallverletzten, sondern leisten mit ihrer vielseitigen Einsatzbereitschaft einen unverzichtbaren Dienst an der Gesellschaft. Doch viele Samaritervereine kämpfen aufgrund kaum nachrückender Jungmitglieder ums Überleben.

Nachwuchssorgen der Vereine

«Für die Samaritervereine wird es tatsächlich immer schwieriger», kommentiert Arthur Schraner, Präsident vom Samariterverein Kaisten, das Problem mit fehlendem Nachwuchs und verweist mit Bedauern auf das Verschwinden verschiedener Vereine im Fricktal.

«Mit aktuell 25 Aktivmitgliedern sind wir aber im Moment gut in der Lage, unsere Aufgaben wahrzunehmen. Doch die Belastung wird zunehmend grösser», erklärt er weiter. «Viele junge Menschen wollen nicht gebunden sein und über ihre Zeit frei verfügen. Da kommen Wochenendeinsätze nicht immer gelegen», gibt er als einen möglichen Hinderungsgrund für die Mitwirkung an. Der Samariterverein Kaisten feiert am 19. Oktober sein 75-jähriges Bestehen.

Vielseitige Ausbildung

Die Samariter aus Kaisten treffen sich jeweils am ersten Mittwoch des Monats im Vereinszimmer im Schulhaus zur regelmässigen Übung. Die drei Kursleiter entwerfen im Voraus ein Jahresprogramm, das verschiedene thematische Schwerpunkte wie Wundlehre und Desinfektion, Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR) oder Blutdruck-Blutzuckermessung abdeckt. In den Übungslektionen werden nach einem kurzen Input die vermittelten theoretischen Grundlagen direkt mit praktischen Übungen zur Anwendung gebracht.

«Wir versuchen, die Übungen möglichst abwechslungsreich zu gestalten und so, dass die Mitglieder sehr gefordert sind», führt Vereinspräsident Schraner aus. Die Samariter sollen in den Übungen regelmässig ihr Grundwissen auffrischen und vertiefen. Dazu gehören nicht nur die Techniken der Menschenrettung oder Versorgung von Verunfallten, sondern auch fundierte Materialkenntnisse. Das ist im Hinblick auf die Postendienste an Veranstaltungen zwingende Voraussetzung.

Einsatz an regionalen Anlässen

«Die Liste der Anlässe, die wir besetzten, ist praktisch endlos lang», meint Schraner lachend und zählt überblicksartig Beispiele auf: Hurliball, Grümpelturnier, Bike-Rennen, Volleyballmeisterschaft, slowUp und Schwarzwaldrundfahrt. An verschiedensten dorfeigenen oder regionalen Veranstaltungen, wo die Sicherheit der Teilnehmer respektive der Zuschauer gewährleistet werden muss, sind die Samariter aus Kaisten präsent und versorgen gegebenenfalls Patienten.

«Die Postenbelegung ist personen- und zeitaufwendig. An Grossanlässen stehen bis zu neun Samariter zwischen sechs bis zehn Stunden in Einsatzbereitschaft. Nachteinsätze können sogar bis zu zwölf Stunden dauern», beschreibt Schraner die beachtliche Leistung der Vereinsmitglieder in Aktion.

Angebot für die Bevölkerung

Der Samariterverein bietet zusätzlich am ersten Mittwoch im Monat in Kaisten und ein Tag später in Ittenthal den Senioren nach dem Altersturnen eine kostenlose Blutdruckmessung an. Auf Karten werden die Messresultate mit dem entsprechenden Datum eingetragen und somit die Entwicklung über einen grösseren Zeitraum festgehalten - wertvolle Informationen für den behandelnden Arzt. «Bei Auffälligkeiten bekommen die Patienten von zwei ausgebildeten Krankenschwestern aus dem Verein beratende Hinweise», erklärt Schraner.

Das Angebot für die Dorfbevölkerung wird zudem durch ein breit gefächertes Sortiment an Krankenmobilien ergänzt. Der Samariterverein vermietet und verkauft bei Bedarf unter anderem Gehilfen wie Rollatoren, Inhalierapparate oder Infusionsständer.

Nothelferkurs für Neulenker, «Erste Hilfe auf der Strasse» für Buschauffeure, Grundkurse in lebensrettenden Massnahmen samt Handhabung von automatisch externen Defibrillatoren und «Erste Hilfe für Kleinkinder» für Eltern: Mit verschiedenen Schulungen komplettiert der Samariterverein Kaisten die umfassenden Leistungen rund um die Rettung von Menschen in Not.