Hornussen
Seit 22 Jahren «Krieg» wegen der Kirchenmauer

Direkt neben der Kirchenmauer in Hornussen befinden sich die Liegenschaften von André Kaufmann und Gudrun Kawentel Kaufmann. «Vor rund 22 Jahren begann ein richtiger Dorfkrieg mit der Kirche», bedauert das Ehepaar.

Walter Christen
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AZ

«Wir möchten endlich einen Schlussstrich unter die Angelegenheit ziehen und haben immer wieder einen Anlauf für Verhandlungen genommen, wurden aber von der Kirchenpflege stets abgeblockt. Dabei wäre doch gerade jetzt, im Advent, eine Gelegenheit, die Sache endlich ins Reine zu bringen - wir wären bereit dazu», hält André Kaufmann fest.

Mit der römisch-katholischen Kirchenpflege Hornussen verhandeln er und seine Frau Gudrun Kawentel seit rund 22 Jahren über die sanierungsbedürftige Kirchenmauer.

Im Laufe der Jahre ergab sich ein weiterer Konfliktpunkt durch die Pacht des grossen Grundstücks unterhalb der mächtigen Kirchenmauer, die nach Aussagen des Ehepaars jederzeit ins Rutschen geraten könnte. «Gefährdet wäre das älteste Haus in Hornussen, erbaut im Jahr 1537, in dem meine Schwester mit ihrem Mann wohnt. Man stelle sich nur vor, was passieren könnte. Denn die Kirchenmauer steht auf Lehmboden und müsste punktuell verankert werden. Wir verlangen ja keine Rundumerneuerung, sondern nur Sicherheit für uns, die wir alle direkt unterhalb der Mauer leben.»

«Möchten, dass etwas unternommen wird»

«Durch die Nässe, die in die schadhafte Mauer eindringt, bilden sich bei den nun vorherrschenden Minustemperaturen so genannte Eislinsen am Fusse des Bauwerks. Zusammen mit der Feuchtigkeit wirkt das wie Schmierseife. Dazu kommt der Bergdruck von hinten, was die Rutschgefahr natürlich zusätzlich erhöht. Die Situation ist absolut gefährlich», so André Kaufmann. «Wir möchten, dass etwas unternommen wird, bevor die Mauer ins Rutschen gerät - wir sind gefährdet», betont Gudrun Kawentel und zeigt auf die vielen langen Risse und die grossen Flickstellen in der Mauer, wo Material abbröckelt.

Die kantonale Denkmalpflege hat auf dem Land unterhalb der Kirche, auf jener Parzelle also, die an die Kirchenmauer grenzt, eine 8 Meter breite Freihaltezone ausgeschieden, wie André Kaufmann erwähnt.

Dies wiederum bedeutete aus Sicht des naturverbundenen Ehepaars, das dieses Land von der Kirchgemeinde kaufen wollte, es aber schliesslich nur pachten konnte, eine erhebliche Einschränkung: «Wir hatten vor, für die zum Teil seltenen Tiere und Pflanzen, die hier vorkommen, ein Refugium zu schaffen. Doch durften wir keine Hochstammbäume pflanzen und auch kein Biotop anlegen», bedauert Gudrun Kawentel.

Kirchenpflege kündigte die Pacht

«Wir waren nicht damit einverstanden, dass wir schliesslich die Hälfte des Pachtlandes gar nicht mehr zur Verfügung hatten», erinnert sich Kaufmann, der noch immer am Landkauf interessiert war. Seinen Angaben zufolge brach jedoch die Kirchenpflege die Verkaufsverhandlungen ab und kündigte sogar die Pacht: «Wir bedauern das. Nach jahrelangem Hin und Her wegen der Kirchenmauer und dem Landstück entwickelte sich inzwischen ein regelrechter Dorfkrieg mit stets wechselnden Kirchenpflegemitgliedern.»

«Zum Eklat kam es, als eines Tages von der Mauer weg ein 4 Meter breiter Streifen abgeholzt wurde. Gleichzeitig gab es einen so genannten Grenzschnitt, bei dem unsere 15-jährige Clematis arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ich ersuchte um sofortigen Abbruch dieser Aktion. Stattdessen wurde ich mit laufender Motorsäge und mit den Worten ‹Das verdammte Kraut muss alles weg› angegriffen», führt Kaufmann weiter aus. Er ist trotz all dieser Ereignisse immer noch zu Verhandlungen bereit.

Eine Darstellung der ganzen Geschichte aus ihrer Sicht hat die Kirchenpflege abgelehnt, weil sie zuerst ihren Anwalt kontaktieren möchte.