Kaisten
Seit 2007 im Ruhestand, doch Diakon Buser macht vielleicht nochmals weiter

Diakon Urs Buser ist Gemeindeleiter der Pfarreien Kaisten und Ittenthal. Und obwohl schon längst im Pensionsalter, kann sich vorstellen, auch über den Sommer hinaus in Kaisten tätig zu bleiben. Denn es ist möglich, dass dann eine Vakanz besteht.

Nadine Böni
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Urs Buser arbeitet, trotz Ruhestand, als Diakon in Kaisten.

Urs Buser arbeitet, trotz Ruhestand, als Diakon in Kaisten.

nbo

Urs Buser rümpft beim Wort «Sitzung» leicht die Nase. Im Kalender des Kaister Diakons sind momentan so einige Sitzungen eingetragen. So stimmten unter anderem am Montagabend die Mitglieder der katholischen Kirchgemeinde Kaisten an ihrer ausserordentlichen Versammlung über den Renovationskredit ihrer Kirche ab (die az berichtete).

Urs Buser hatte zwar kein Stimmrecht. Aber die Abstimmung und die Vorbereitungen für die Kirchensanierung – die nun nach Pfingsten beginnt – beschäftigen ihn.

Eigentlich im Ruhestand

Und dann ist da noch Busers Vertrag. Dieser verpflichtet ihn seit Herbst 2012 als Gemeindeleiter ad interim für die Pfarreien Kaisten und Ittenthal. Im Sommer läuft der Vertrag aus.

Ob ein Nachfolger gefunden werden kann, ist in der aktuellen Situation fraglich. Es fehlt an Seelsorgern, nicht nur in Kaisten und Ittenthal. Die Zeichen stehen also wohl auf Verlängerung des Vertrags – sollte sich Urs Buser dazu bereit erklären. Denn eigentlich befindet sich der Diakon seit 2007 im Ruhestand.

«Mit einer würdevollen Feier ist Diakon Urs Buser verabschiedet worden; nach 27 Jahren engagiertem Wirken in der Pfarrei Stein und im Seelsorgeverband Eiken-Stein tritt er in den verdienten Ruhestand», hiess es damals in der Aargauer Zeitung. «Verdient wäre der Ruhestand wohl schon», sagt Buser heute und lacht.

Aber eben: wäre. Denn schon wenige Monate nach seiner Pensionierung wurde Buser angefragt, ob er nicht einspringen könne, weil die Stelle des Gemeindeleiters im Seelsorgeverband Eiken-Stein vakant war.

Buser sagte zu und arbeitete fortan Teilzeit, bis im Frühling 2012 Polycarp Nworie als Pfarradministrator eingestellt wurde. Aber auch dann dauerte sein Ruhestand nicht lange: Ein halbes Jahr später trat Buser die Stelle in Kaisten an.

Verlängerung oder Vakanz

Urs Buser kann sich gut vorstellen, über den Sommer hinaus in Kaisten tätig zu bleiben. «Die Stimmung mit den Kirchenbehörden ist sehr gut», sagt er.

«Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Vakanz entstehen würde, ist hoch, denn es ist nicht einfach, im kirchlichen Dienst Leute zu finden.» Ein Problem, das sich wohl nicht so rasch ändern wird. Das glaubt auch Buser.

Die Gründe dafür sieht er in der gesellschaftlichen Entwicklung. «Der Stellenwert des religiösen Lebens ist zurückgegangen», sagt er und spricht von «U-Boot-Christen»: «Man taucht hin und wieder auf und sonst lässt man es sein und ist froh, wenn man nicht gestört wird.»

Und doch erwarteten die Menschen – besonders auch die Jugendlichen – Antworten auf ihre Lebensfragen. Wenn er es auch mit Schalk in den Augen sagt – es sind solche Aussagen, die zeigen, dass Buser keiner ist, der seine Meinung verschweigt.

Er sagt, was er denkt. Auch, wenn es um die Zukunft der Kirche geht. Ein «Riesenfragezeichen» nennt er diese. Dazu gehören auch die geplanten Pastoralräume.

Im Fricktal sollen dereinst fünf Pastoralräume entstehen, darunter der Raum AG 21 mit den Pfarreien Gansingen, Ittenthal, Kaisten, Laufenburg, Mettau und Sulz. Damit sollen die Ressourcen besser eingesetzt werden können.

Kein Blatt vor dem Mund

Buser ist von dieser Idee nicht überzeugt. Sie sei wohl notwendig, gerade auch in personeller und finanzieller Hinsicht, aber er sehe gewisse Probleme. «Es besteht die Gefahr, dass der Priester zum Handelsreisenden wird, dem der Bezug zur Bevölkerung fehlt», sagt Buser.

Bis im Jahr 2017/18 sollen die Pastoralräume errichtet sein. Trotz seiner Kritik - ein Grund, endgültig in den Ruhestand zu treten, sind die Räume für Urs Buser nicht. «Das hängt primär von meiner Gesundheit ab», sagt Buser.

Die ist gleichzeitig auch sein persönlicher Wunsch für sich und seine Frau. Der Kirche hingegen wünscht er in erster Linie Mut. «Den Mut, die heutigen Probleme anzugehen und Lösungen zu suchen, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht sosehr die theologische Lehre», sagt Buser.

Sein Beruf bereitet ihm nach wie vor Freude. «Bereut habe ich meine Berufswahl nie», sagt Buser. Da verderben ihm auch die vielen Sitzungen nicht die Laune. Selbst wenn er sagt, dass sie ein «ungeheures Gewicht» hätten in seiner Arbeitszeit, die auf 50 bis 60 Prozent beschränkt ist.

Er ist weit entfernt davon, zu jammern. Sagt, gleich nach dem Naserümpfen, dass er die Freiheit geniesse, seine Arbeitszeit mehr oder weniger selber einteilen zu können. «Man muss sich konsequent die Freiräume schaffen», sagt Buser.

So arbeitet er auch einmal am Montag, dem eigentlichen Pfarrersonntag, wenn dafür dann an einem anderen Wochentag mehr Zeit für die Familie bleibt, oder sich ein Freiraum für einen gemütlichen Jass oder einen Krimi im Fernsehen ergibt.