Möhlin
Seit 100 Jahren wird von hier das untere Fricktal überschaut

Der Turm auf dem Sonnenberg in Möhlin feierte am Wochenende seinen 100.Geburtstag, ganz viele Besucher feierten mit. Grosses Thema waren die abgeschlossene Renovation und ein Ausflug in die Geschichte.

Ingrid Arndt
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99 Stufen führen auf den Turm.

99 Stufen führen auf den Turm.

Es schien, als ob sich das OK-Kommitee mit «denen da oben» abgesprochen hätte: Im richtigen Moment, als sich die oberen Fenster des Turms auf dem Sonnenberg für die eindrückliche Begrüssungsfanfare öffneten, schlossen die himmlischen Schleusen ihre Tore – wenn auch nicht für allzu lange. Während sich am Samstag die Gäste noch bei herrlichem Spätsommerwetter auf dem 632 Meter hohen Aussichtspunkt vergnügen konnten und die Stimmung bis spät in den Abend hinein prächtig war, fand man sich am Sonntag eher im Festzelt zum gemütlichen Treffpunkt. Aber der wolkenverhangene Himmel und der Regen trübten die Laune keineswegs.

OK-Präsident Fredy Böni eröffnete den Festakt, bedankte sich bei seinen Mitstreitern, die seit 18 Monaten unermüdlich im Einsatz standen. Engagiert hätten sie alle Herausforderungen der Vorbereitungen optimal gemeistert, einschliesslich der Organisation der Turmrenovationen neben den normalen Unterhaltsarbeiten.

Im Zuge dieses runden Jubiläums hatten die fünf Turmgemeinden Möhlin, Rheinfelden, Magden, Zeiningen und Maisprach einstimmig eine schonende Sanierung des gemeinsamen Juwels auf dem Fricktaler «Rigi» beschlossen. Sicherheitsarbeiten konnten abgeschlossen, Regenrinnen erneuert, Abplatzungen ausgebessert werden, innen erhielt der Turm einen Farbanstrich und vor allem: alle Fenster wurden erneuert. Zwei von ihnen stehen das gesamte Jahr über offen, damit die Vögel durch den Luftzug immer den Weg nach draussen finden.

Mit dem Historiker Linus Hüsser unternahmen die Besucher einen vergnüglich interessanten Ausflug in die Geschichte des 22 m hohen Bauwerkes, das direkt auf der Kantonsgrenze von Basel Land und dem Aargau steht. «Ein Turm aus Holz entstand erstmalig schon im Jahre 1875, verfiel aber sehr schnell wieder, weil sich niemand wirklich für den Unterhalt verantwortlich fühlte», führte der Historiker Hüsser aus. Ohnehin sei die Konstruktion nicht eben solide gewesen. Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen neuen Anlauf, angeregt durch den Maispracher Lehrer Hans Jäger.

Dennoch dauerte es dann bis zur Realisierung bis 1913. Es sei eine Zeit gewesen, führte er weiter aus, in der sich die Menschen durch die zunehmende Industrialisierung im Fricktal mehr und mehr für die Natur zu interessieren begannen. Vereine entstanden, in den Schulen wurde nun auch Heimatkunde gelehrt. In ihrer Freizeit begannen die Fricktaler wandernd die herrliche Landschaft zu erkundigen, besonders dort, wo der Blick frei schweifen konnte. Bei gutem Wetter hat der Betrachter von der Plattform auf 99 Stufen ein atemberaubendes Panorama. Diesen Weitblick unterstrich auch der Regierungsrat von Basel Land Thomas Weber in seinen Grussworten und betonte, dass die Sicht gut für das Gemeinwohl sei.

Der Aargauer Regierungsrat Roland Brogli lobte das nie ermüdende freiwillige Engagement über Jahrzehnte und Gemeindegrenzen hinweg sowie den steten Einsatz der Möhliner Naturfreunde für das Turmstübli. Höhepunkt des Festes war die Enthüllung einer Gedenktafel durch Nationalratspräsidentin Maja Graf sowie den beiden Regierungsräten Roland Brogli und Thomas Weber. Die Tafel gibt Auskunft über die Vergangenheit des Turmes und wird an dessen Eingang angebracht.

Mit Turmbesteigungen, viel Geselligkeit, feinem Essen und flotter Musik war das Wochenende trotz der Wetterkapriole ein voller Erfolg.

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