Kaisten

Sein Revier ist der Mühliweiher und der Kaisterbach

Erst wenig Tage alt sind die Frassspuren am Stamm der Weide. Vor einem Jahr hat der Biber die Weide (linke Bildhälfte oben) gefällt. So konnte er dann die begehrten Äste holen.

Erst wenig Tage alt sind die Frassspuren am Stamm der Weide. Vor einem Jahr hat der Biber die Weide (linke Bildhälfte oben) gefällt. So konnte er dann die begehrten Äste holen.

Seit rund drei Jahren lebt mitten in einem Wohnquartier ein Biber. Bisher hat der er die Gärten verschont. Die Freude über den putzigen Kerl könnte sich ganz schnell ins Gegenteil wandeln, wenn private Liegenschaften in Mitleidenschaft gezogen werden

Ein bisschen unförmig wirkt er schon, der Biber, der da am frühen Morgen kurz auf der Sagiweg-Brücke in Kaisten innehält und die herankommenden Menschen mit ihren Hunden einer schnellen Musterung unterzieht.

Ein Blick in das Gesicht des putzigen Kerlchens sorgt bei den Zweibeinern für ein verzücktes Jö-Flüstern – der Pelzige soll schliesslich nicht erschreckt werden. Er hat sich ein wenig aufgerichtet, seine kurzen Vorderbeine mit den beachtlichen Krallen zieht er bis fast unter seine schwarze Nase hoch. Aufmerksam beobachtet er mit seinen schwarzen Knopfaugen seine Umgebung.

Dann hat er genug gesehen, holt tief Luft – dabei blitzen seine grossen Schneidezähne kurz auf – und überquert die Brücke, um auf der anderen Seite die Böschung Richtung Bach hinunterzurutschen. Der breite, flach gedrückte Pfad zeigt, hier ist der rundliche Geselle schon des Öfteren unterwegs gewesen war.

Er ist noch da

Gleich zwei solcher nichtalltäglicher Begegnungen haben sich mit gleichen Akteuren an derselben Stelle ereignet. Die erste liegt schon fast ein Jahr zurück, die zweite erst wenige Wochen. «Ja, der Biber ist noch da», freut sich Jürg Winter, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins (NVV) Kaisten.

Das heisst, das grosse Säugetier hält sich nun schon seit über drei Jahren in der Nähe des Kaister Mühliweihers auf. Speziell daran ist, dass sich dieser Weiher inmitten einer Wohnsiedlung befindet.

Die Nähe zur Schule sowie zu einem Spielplatz macht das kleine Gewässer zu einem beliebten Verweilort für Mensch und eben seit einiger Zeit auch für den Biber. Nur ein schmaler Fussweg trennt den Weiher zudem von den Gärten der Einfamilienhäuser.

Bisher hat der Biber die Gärten glücklicherweise verschont. Die Freude über den putzigen Kerl könnte sich ganz schnell ins Gegenteil wandeln, wenn private Liegenschaften in Mitleidenschaft gezogen werden.

Am Teichufer hat der Biber vor einem Jahr intensiv gewirkt und eine grosse Weide zu Fall gebracht. «Die Weide hat er dann fast komplett alleine von allen Ästen befreit», so Winter. Letztlich war das ja auch das Ziel der Baumfällaktion. Nur so kam der Biber an seine begehrte Nahrung heran. Nach wie vor wird regelmässig vom NVV kontrolliert, ob der Biber die beiden Abflüsse des Weihers gestaut hat. Das sei aber längst nicht mehr so oft der Fall wie noch vor einem Jahr, so Winter.

Frische Frassspuren

«Die Frassspuren an einer der Weiden am Weiherufer sind frisch, allerhöchstens zwei Wochen alt», macht Jürg Winter deutlich, dass der Biber immer wieder beim Weiher auftaucht.

Der Vereinspräsident geht aber davon aus, dass er sich anders als im Vorjahr vermehrt entlang des Kaister Baches aufhält. Auch hier sind die Spuren des fleissigen Nagers zum Teil gut sichtbar.

Weil der Bach auf Höhe der Sagiweg-Brücke durch eine kantonale Messstation mit einer hohen Rampe versehen ist, muss der Biber, um Richtung Weiher zu gelangen, jeweils das für ihn Schutz bietende Bachbett kurz verlassen und die auch für den Fahrzeugverkehr freigegebene Brücke benützen.

Familientier Biber

Jürg Winter erklärt, dass ein Biber per se nicht ein Einzelgänger sei. Normalerweise würden die Männchen zuerst ein Revier für sich beanspruchen und dann auf Partnersuche gehen.

Ob in dem doch eher abgeschiedenen Kaister Revier eventuell ein zweiter Biber unterwegs ist, kann Winter nicht sagen, schliesst es aber auch nicht aus. Auf den Bildern, die mit Fotofallen gemacht werden konnten, war bisher immer nur ein Tier zu sehen. Biber machen keinen Winterschlaf.

Der Pflanzenfresser ernährt sich in den kalten Monaten insbesondere von Rinde und Ästen. Seine Burg dürfte der Kaister Biber nicht am Weiher, sondern irgendwo am Bachufer Richtung Rheinmündung haben.

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