«Verkehrssicherheit Bergwerkstrasse»
Seilziehen um eine Überbauung in Herznach

Anwohner im Quartier protestieren mit einem Verkehrssicherheitskonzept gegen neue Häuser an der Bergwerkstrasse. Das Kreuzen würde auf der Strasse unmöglich, so das Hauptproblem der Herznacher.

Christof Brogle
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Fritz Schmid hängt ein Plakat an der Infotafel seiner Interessengemeinschaft auf. Christof Brogle

Fritz Schmid hängt ein Plakat an der Infotafel seiner Interessengemeinschaft auf. Christof Brogle

Fritz Schmid ärgert sich sichtlich, als er auf die Bauprofile zeigt, welche seit letztem Sommer die zukünftige Überbauung markieren. Auf der Wiese gegenüber seinem Haus an der Bergwerkstrasse möchte die Bauherrschaft Alvar AG aus Oberkulm drei- und zweistöckige Mehrfamilienhäuser errichten. Schmid und weitere Anwohner wehren sich gegen die vorgesehene Gestaltung der Überbauung.

Petition eingereicht

Schmid hat 68 Unterschriften gesammelt und die Interessengemeinschaft «Verkehrssicherheit Bergwerkstrasse» gegründet. Eine Tafel am Strassenrand voller selbst gedruckter Plakate soll über die Anliegen seiner Gruppe und über die Einwände einer weiteren IG «Bergwerkstrasse und Ebnet» informieren.

Schmid erläutert ein Anliegen genauer: «Bereits jetzt ist das Kreuzen mit grösseren Fahrzeugen auf der Strasse schwierig. Mit der Überbauung und der Einfahrt zur Tiefgarage wird es hier nahezu unmöglich.» Schmids Interessengemeinschaft fordert ein Verkehrssicherheitskonzept, bevor die Baubewilligung für die Mehrfamilienhäuser vom Gemeinderat erteilt wird.

Harry Wilhelm, Gemeindeschreiber von Herznach, sagt dazu: «Wir haben eine Studie zur Verkehrssicherheit in Auftrag gegeben, und zudem wurde ein Gehweg in der Überbauung bereits ausgeschieden. Über die Beschwerden am Gestaltungsplan entscheidet dann der Kanton.»

Zank um Zonen

Die Baufläche an der Bergwerkstrasse liegt in einer Wohnzone 3 und darf dreistöckig bebaut werden. Schmid zeigt auf ein Plakat an der Infotafel und sagt: «Vor 38 Jahren hat man dieses Gebiet hier in W3 eingeteilt, um beispielsweise für höhere Gebäude am Rand des Dorfes Platz zu bieten. Mittlerweile wurden aber auf nahezu allen W3-Zonen im Dorf nur Einfamilienhäuser gebaut.» Die dreistöckige Überbauung der Alvar AG mindere nun die Wohnqualität und den Verkaufswert der angrenzenden Häuser.

Marcel Maurer, Geschäftsführer der Alvar AG, sieht dies anders: «Wir haben monatelang mit dem beratenden Ortsbildpfleger von Herznach zusammengearbeitet. So haben wir beispielsweise auf lukrative Attikawohnungen verzichtet und stattdessen Satteldächer eingeplant.»

Mit Rücksicht auf die Anwohner

Schmid findet, der Gemeinderat habe beim Zonenplan nicht auf die Anwohner der Bergwerkstrasse geachtet: «Im Jahr 2008 hat man mit einer Revision des Herznacher Zonenplans begonnen; das Bauprojekt der Alvar AG wurde hingegen erst 2011 vorgestellt. Mit etwas Rücksicht auf die Anwohner hätte man die Baufläche an der Bergwerkstrasse bereits 2008 in die Zone W2 umteilen können,» so Schmid.

Gemeindeschreiber Wilhelm verteidigt das Vorgehen des Gemeinderats: «Die Bauherrschaft hat sich bereits Monate vor der Gesamtrevision des Zonenplans an uns gewendet. Wir konnten nicht nachträglich das Gebiet umteilen.» Die Alvar AG habe nämlich schon vor dem Start der Zonenplanrevision einiges in die Planung investiert.

Ironie der Geschichte: Ursprünglich hatte der Bauherr aus Oberkulm vorgeschlagen, an der Bergwerkstrasse Einfamilienhäuser zu errichten. Die Gemeindeverwaltung wies in informellen Gesprächen darauf hin, dass Einfamilienhäuser in der W3-Zone gemäss der aktuell gültigen Bau- und Nutzungsordnung gar nicht erlaubt sind.

Beschwerdefrist ohne Einsprachen

Der Gemeindeschreiber und die Alvar AG sind der Meinung, dass Schmid und die Interessengruppen der Bergwerkstrasse ihre Chance zum Mitreden nicht wahrgenommen hätten: «Wir haben alle Anstösser eingeladen, ihnen das Projekt ausführlich vorgestellt und mit einem Modell sichtbar gemacht. Keiner hat sich aber während der einmonatigen Beschwerdefrist an uns gewendet,» schildert Maurer.

Schmid hingegen bezeichnet die Kommunikation als «Salamitaktik» und meint dazu: «Man sagte uns zuerst, es gehe nur um die Bewilligung des Sondernutzungsplans und nicht um das gesamte Projekt.»

Eine sinnvolle Gestaltung

Der Herznacher kritisiert indessen nicht nur die Bauhöhe, sondern auch die Abstände zu angrenzenden Flächen: «Sowohl an der Uferschutzzone des Baches als auch an den Grundstück-Grenzen wurde jeder Millimeter ausgenutzt.» Geschäftsführer Maurer empfindet diesen Vorwurf als ungerechtfertigt: «Wir haben Monate in eine sinnvolle Gestaltung der Baufläche investiert. Während der Beschwerdefrist sind wir zu konstruktiven Diskussionen bereit gewesen – auch über Grenzabstände.»

Für Schmid und die IGs der Bergwerkstrasse bleibt zurzeit nichts anderes, als auf die Reaktion der kantonalen Behörden und auf die Studie zur Verkehrssicherheit zu warten. «Es wäre nicht das erste Mal, dass der Gemeinderat Bauvorhaben bewilligt, die zu meinem Nachteil sind. Ich fühle mich nicht ernst genommen,» sagt Schmid, und hängt ein weiteres Plakat auf, in der Hoffnung, dass diesmal sein Anliegen erhört wird.

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