Es ist alles andere als selbstverständlich, dass sich ein zu den führenden Orchester Russlands gehörendes Ensemble nach Laufenburg «verirrt». Dies möglich machte einerseits der ständige Gastdirigent des Orchesters, der Schweizer Rainer Held, insbesondere aber der einheimische Musiker Tino Brütsch, der das Laufenburger Konzert unter tatkräftiger Mithilfe einzelner Mitglieder des grenzüberschreitenden Kulturausschusses in der Kirche St. Johann organisierte.

Fast wie ein Alphorn

Den Konzertauftakt machte eine Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester von Benjamin Britten. Ein Hornsolo bildet den Prolog des Stückes. «Das tönt ja wie ein Alphorn!», flüsterte eine Frau aus der hinteren Reihe. Tatsächlich ist dem so, wurde doch der Prolog, wie übrigens dann auch der Epilog, mit den sogenannten Naturtönen gespielt, was demjenigen Tonumfang entspricht, der sich auf einem Alphorn spielen lässt. Danach folgten acht Vertonungen verschiedenster Dichter. Mit seiner warmen Tenorstimme interpretierte Tino Brütsch die Gesänge auf eindrückliche Weise. Oft zusammen mit dem Orchester, dann wieder in Zwiesprache mit dem Horn, dann wieder allein sang er die englischen Texte. Wunderbar einfühlsam beispielsweise «Elegy», das Gedicht von der sterbenden Rose, höchst dramatisch demgegenüber der Grabgesang «Dirge».

Weiter ging es mit «Streaks», einer 2014 entstandenen Komposition des aus Luzern stammenden Cyrill Schürch. Nachdem diese im letzten Jahr in St. Petersburg ihre Uraufführung erlebt hatte, wurde sie jetzt erstmals in der Schweiz aufgeführt. Das Stück gefiel auf Anhieb durch seine rhythmischen Muster, die immer wieder in den Vordergrund drängen, abgelöst durch eingängige, melodische Teile. Die Streicherinnen und Streicher waren hier bis aufs Letzte gefordert, meisterten aber das technisch äusserst anspruchsvolle Stück äusserst souverän, da sass jeder Ton. Mit ihrer präzisen, sehr disziplinierten Spielweise liessen sie das Werk zu einem Hochgenuss werden.

Brillantes Hornsolo

Zu einer weiteren schweizerischen Erstaufführung kam es mit Wolfgang Rihms «Stilles Stück II» für Tenor, Horn und Streicher. Nochmals erhielt Tino Brütsch Gelegenheit, das einheimische Publikum von seinem Können zu überzeugen. Obwohl das Stück beim ersten Hinhören etwas gewöhnungsbedürftig ist, wusste es mit zunehmender Dauer zu gefallen. Auffallend, wie Sänger und Hornist prächtig harmonierten. In Hermann Hallers «Ballade», einem Stück für Horn und Streichorchester, brillierte der Hornist Olivier Darbellay mit seiner perfekten, subtilen Spielweise. Es war ganz einfach ein Genuss!

Pjotr Tschaikowskis «Serenade» wurde dann so gewissermassen zum Dessert präsentiert. So war hier der längst zu einem Ohrwurm gewordene Walzerteil zu hören, oder auch die «Élégie», welche in ein wunderschönes Pianissimo ausmündet.