Coronavirus

Schweizer Gäste-Boom spüren nicht alle: Fricktaler Hotels ziehen gemischte Bilanz

Patrick Bacher zieht zumindest eine positive Sommerbilanz für sein Hotel Mokka.

Patrick Bacher zieht zumindest eine positive Sommerbilanz für sein Hotel Mokka.

Im Fricktal leidet das Hotelgewerbe noch immer unter der Coronakrise. Zum Teil standen die Hotelzimmer gleich mehrere Monate leer. Auch die kommende Saison 2021 stellt das Gewerbe vor viele Fragezeichen.

«Leider können wir Ihnen momentan keine Hotelzimmer anbieten.» Das steht auf der Website des Hotels Schützen in Rheinfelden, das seit August 2019 umgebaut wird. Weil die Klinik von den Bauarbeiten mitbetroffen ist, belegen die Patienten die Zimmer der Rheinfelder Hotels Schiff und Eden. So stehen auch diese nicht zur Verfügung.

Der «Leider»-Eintrag muss noch aus der Vor-Corona-Zeit stammen. Denn heute sagt Martin Sonderegger, Direktor Hotellerie der Schützen Rheinfelden AG: «Wir sind froh, gerade keine Hotelzimmer auf dem Markt zu haben.» Sei doch das Buchungsaufkommen der Pandemie wegen mehr als bescheiden. Die Lage: ausbleibende Touristen, Geschäftsreisende im Homeoffice, Online-­Meetings statt Seminare, abgesagte Messen.

Zimmer standen fast vier Monate lang leer 

Als Baustelle oder durch Patienten belegt, haben die drei Rheinfelder Hotels den Lockdown nicht miterlebt. Erwischt hat es das Hotel Adler in Frick. Dessen 19 Zimmer sind Geschäftsführerin Seda Tanriverdi zufolge über fast vier Monate leer gestanden. Auch Monteure, sonst traditionell gut vertreten, hätten diese nicht belegt. Nicht so hart traf es das Motel Rheinfels Park in Stein.

Das hatte am 1. März, zwei Wochen vor dem Lockdown, unter der Regie des Liechtensteiner Unternehmens B-Smart Selection neu eröffnet. «Rückblickend verständlicherweise kein einfacher Zeitpunkt», sagt Kommunikationsleiterin Tamara Weishaupt. Doch auch während des Lockdowns habe es Gäste gegeben, darunter «Grenzgänger, welche die Schweiz nicht mehr verlassen durften». «Wir sind gut gestartet, aber Ende Februar begann es mit den Absagen», berichtet Markus Bisig, Direktor des Parkhotels Rheinfelden. Die Gäste seien daraufhin «an einer Hand abzuzählen» gewesen.

«100 Prozent Auslastung für die sieben Zimmer»

Das Ende des Lockdowns und die Sommerferien brachten zumindest für das Hotel Mokka in Laufenburg «100 Prozent Auslastung für die sieben Zimmer», wie Pächter Patrick Bacher bilanziert. «Nur Schweizer mit Velo», berichtet er. «Sonst sind es 60 Prozent Schweizer und 40 Prozent Ausländer wie Holländer, Franzosen oder Skandinavier.»

Die seien 2020 komplett weggeblieben. «Immerhin einige Übernachtungen», sagt Weishaupt, «gingen im Rheinfels auf das Konto der Schweizer, die wegen Corona freiwillig oder unfreiwillig im eigenen Land verreisten.» «Vom Trend zu Ferien zu Hause profitierten wir leider nicht», sagt Tanriverdi. «Normalerweise im Sommer ausgebucht», habe die Coronaflaute im «Adler» in Frick den Sommer über angehalten.

Hela Laufenburg und ­Weihnachtsmärkte fehlen

Wenn die Fricktaler Hoteliers auf die kommenden Monate blicken, hellt sich ihre Laune nicht auf. Den Laufenburger Betrieben, neben dem «Mokka» das «Haus am Schlossberg», fehlen 2020 die Hela und der Weihnachtsmarkt und 2021 vermutlich die Fasnacht. Marktfahrer bleiben zu Hause und im Falle der Absage auch Fasnachtscliquen aus der Ost- und Innerschweiz. «Haus am Schlossberg»-Managerin Yvonne Waldburger kann sich gerade damit trösten, vier ihrer acht Zimmer für einen Monat an vier Langzeitaufenthalter vermieten zu können – eine sichere Bank.

Was 2021 komme, wisse niemand, sagt Bacher. Nach Prognosen befragt, bleibt auch Bisig vorsichtig. Dafür gebe es im Gastgewerbe aktuell zu wenig Verlässlichkeit und zu viele Fragezeichen. Für die Schützen Rheinfelden AG wird es 2021 wieder ernst. Sonderegger: «Die Wiedereröffnung des Hotels Schützen wird wohl im Sommer 2021 erfolgen.»

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