Bad Säckingen (D)

Schweizer Einkaufstouristen parkieren, wo es ihnen gefällt

Einkaufstouristen kassieren in Bad Säckingen immer wieder Bussen für Falschparken. Key/Symbolbild

Einkaufstouristen kassieren in Bad Säckingen immer wieder Bussen für Falschparken. Key/Symbolbild

Viele Einkaufstouristen parkieren, wo es ihnen günstig scheint – Strafzettel hin oder her. Die meisten Parkbussen gehen an Schweizer Adressen.

Rund 2000 Knöllchen hat das Ordnungsamt von Bad Säckingen im ersten Quartal dieses Jahres verteilt. Knöllchen, so nennen die deutschen Nachbarn Strafzettel oder Bussen – die meisten aber haben einen Schweizer Empfänger. «Über 60 Prozent der erteilten Verwarnungen gingen an Schweizer Verkehrsteilnehmer», sagt Anton Büdel, Leiter des Ordnungsamtes Bad Säckingen.

Das regelwidrige Parkieren kostet ennet der Grenze je nach Situation zwischen 10 und 35 Euro. Das scheint der gut gelegene Parkplatz in direkter Nähe zum gewünschten Ziel einigen Lenkern Wert zu sein, denn: «Es gibt sowohl Deutsche als auch Schweizer, die eine Ahndung mehr oder weniger bewusst riskieren», sagt Büdel. Es wird also parkiert, wo es einem gerade günstig erscheint – Parkverbot und Strafzettel hin oder her.

Situation noch verschärft

Dies, obwohl es eigentlich auch ganz legale Möglichkeiten gäbe. «Ausgehend von der bisher registrierten Auslastung der öffentlichen Parkhäuser lässt sich die Parkplatzsituation als noch erträglich bezeichnen», sagt Büdel. Parkdruck herrsche lediglich in einigen Wohngebieten und im Einzugsbereich von weiterführenden Schulen.

Der Ordnungsdienst versucht, die Situation mit Bussen zu bewältigen. Abschleppen hingegen sei bisher «meistens nicht erforderlich» gewesen, sagt Anton Büdel. Die Parkplatzsituation könnte sich im kommenden Jahr allerdings noch verschärfen. Dann soll das gerade bei Schweizern beliebte Parkhaus «Lohgerbe» mit seinen rund 300 Parkplätzen saniert werden.

Stand heute beginnen die Arbeiten im Frühjahr 2018 und dauern mehrere Monate. Die Sanierung soll in Etappen durchgeführt werden, wobei in den letzten Wochen das Parkhaus wohl komplett geschlossen werden muss. Die Stadt Bad Säckingen ist derzeit deshalb mit Hochdruck daran, allfällige Ausweichmöglichkeiten zu finden. «Wir hoffen, durch entsprechende Ausgleichsmassnahmen den zeitweisen Parkplatzverlust entschärfen zu können», sagt Büdel.

Mit Parksündern Erfahrung hat auch die Bad Säckinger Nachbargemeinde Stein. Im Frühjahr 2015 wurde hier ein Parkreglement eingeführt. In erster Linie, weil Pendler und Grenzgänger das Dorf zuparkierten. Heute sagt Gemeindeammann Hansueli Bühler: «Das Problem wurde weitgehend gelöst, das Reglement hat sich bewährt.»

Auch in Stein gibt es Bussen

Bei der Regionalpolizei Unteres Fricktal (Repol), die für die Kontrollen zuständig ist, wird dieser Eindruck bestätigt. 2015 noch musste die Repol in Stein 1585 Bussen ausstellen, 2016 waren es noch 1141. «Die Tendenz ist weiter rückläufig. Offenbar haben sich viele mit dem neuen Parkierungsreglement arrangiert», sagt Repol-Chef Hansueli Loosli.

Ein Problem ist allerdings trotz Reglement zumindest in Teilen geblieben: das Gebiet um den alten Zoll. Es gehört zum Patrouillendispositiv der Repol. Hier parkieren weniger Einkaufs- als vielmehr Gastro-Touristen. Sie gehen zu Fuss über die Rheinbrücke. Ziel wäre es gewesen, das Wohnquartier – «das schönste im Dorf» (Bühler) – vom Durchgangsverkehr zu befreien und so aufzuwerten. Dazu wurde die Anzahl der Parkplätze massiv reduziert und die Zufahrt nur noch für Anwohner und deren Besucher gestattet. Trotzdem stellt Bühler fest, dass es noch immer Suchverkehr im Quartier gäbe.

«Wer die Parkplätze nutzt, um nach Bad Säckingen zu gehen, macht sich eigentlich strafbar», so Bühler. Der Ammann verweist auf den Parkplatz beim Saalbau, wo es über 50 bewirtschaftete Parkplätze gibt. «Diese Strecke ist absolut zumutbar», findet er.

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