Einkaufstourismus
Schweizer Autos rollen auf Pneus von ennet der Grenze

Viele Schweizer kaufen neue Reifen in Deutschland. Wenn die Reifen mehr als 300 Franken wert sind, müssen sie an der Grenze verzollt werden. Die Grenzwacht hat in diesen Tagen ein besonderes Auge darauf.

Nadine Böni
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Bis zu 40 Prozent der Kunden von deutschen Autogaragen in Grenznähe sind Schweizer. Allein für den Pneuwechsel fahren aber nur wenige nach Deutschland. (Symbolbild)

Bis zu 40 Prozent der Kunden von deutschen Autogaragen in Grenznähe sind Schweizer. Allein für den Pneuwechsel fahren aber nur wenige nach Deutschland. (Symbolbild)

Keystone

Es ist wie jedes Jahr: Kaum steigen die Temperaturen und scheint die Sonne, fahren viele Autobesitzer in die Garage. Pneuwechsel. «An Ostern ist es losgegangen», sagt Manfred Eckert, Inhaber des Autohauses Eckert in Bad Säckingen. «Vor allem mit den guten Wetterprognosen für die kommenden Tage werden nun viele Fahrer die Reifen wechseln wollen.» Die Garage veranstaltet deshalb sogar extra einen «Reifen-Tag». Einen Tag also, an dem die Automechaniker nur Winterpneus ab- und Sommerpneus anmontieren.

Längere Fahrt für den Service

Bedienen werden sie dann auch viele Schweizer. 30 bis 40 Prozent seiner Kunden kämen von ennet der Grenze, schätzt Eckert. Die gleichen Zahlen nennt Abdul Külah vom Reifen- und Autoservice Premio in Bad Säckingen. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses vor über einem Jahr sei die Zahl der Schweizer Kunden «merklich gestiegen», sagt er. Allerdings eher im Bereich der Reparaturen und vom Service. «Dort also, wo die preislichen Unterschiede zur Schweiz wirklich merklich sind», so Külah.

Diese Einschätzung teilt Markus Östringer, Geschäftsführer des Autohauses Östringer in Rheinfelden (D). Den Reifenwechsel würden viele Schweizer bei Garagen oder Pneuhäusern in der Region durchführen lassen – unabhängig davon, ob nur der Wechsel ansteht oder gleich auch noch ein Satz neuer Reifen gekauft wird. «Für den Service hingegen nehmen viele Schweizer auch längere Fahrten auf sich», so Östringer. So würden aus Bern, Solothurn, Zürich und Luzern Autos zum Service gebracht.

«Mittendrin» in der Zeit der Reifenwechsel sei das Pneuhaus Frank in Hornussen gerade, sagt Mechaniker Bashkim Ajredini. Von fehlender Kundschaft merkt er nichts: «Wir haben genug zu tun», sagt er lachend. Schweizer, die für den Pneuwechsel oder -kauf nach Deutschland abwanderten, seien «Einzelfälle», vermutet Ajredini. Die meisten Kunden würden bei ihrer Stamm-Garage bleiben: «Sie schätzen, dass sie hier wissen, was sie bekommen», sagt Ajredini. «Nach Deutschland gehen entweder ganz besonders sparsame Menschen oder Besitzer von Autos mit speziellen Pneus, bei denen der Preisunterschied grösser ist.»

«Einzelfälle wandern ab»

Solch teure Pneus müssen – wie alle Waren im Wert von über 300 Franken – an der Grenze verzollt werden. Die Schweizer Grenzwacht hat daher ein Auge auf die Reifen. Und das derzeit ganz speziell. Eine Verzollungsstatistik über Autoreifen führt sie zwar nicht. Aber Patrick Gantenbein, Sprecher der Grenzwachtregion Basel, sagt: «Aus langjähriger Erfahrung lässt sich sagen, dass tatsächlich Ende März bis Anfang Mai an gewissen Grenzübergängen zu Deutschland mehr Autopneus verzollt werden.»

Gleichzeitig würde auch vermehrt versucht, Reifen zu schmuggeln. «Da wir den Kalender und das Einkaufsverhalten der Einkaufstouristen kennen, achten wir entsprechend während den Wochen im Frühling, aber auch im Herbst – im Rahmen von Stichproben – vermehrt darauf», so Gantenbein.