Das Aargauer Lions-Treffen stand unter dem Motto Energie Kanton Aargau. Der Höhepunkt war das Referat von Pierre-Alain Graf, CEO der Swissgrid. Graf erinnerte an den Bau der ersten Hochspannungsleitung in der Schweiz im Jahr 1894. Sei es zuvor nur möglich gewesen, Strom in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kraftwerk zu verbrauchen, habe er nun über weitere Strecken transportiert werden können.

Graf ging auf die Vernetzung der europäischen Stromnetze ein, die ihren Anfang mit dem Zusammenschalten der Netze der Schweiz, Deutschlands und Frankreichs zum «Stern von Laufenburg» im Jahre 1958 nahm. «Heute haben wir in der Schweiz allein 40 grenzüberschreitende Leitungen», berichtete Graf. Dies schaffe genügend Reserven, um Ausfälle schnellstmöglich abzustellen.

Netz ist in die Jahre gekommen

Allerdings ist laut dem Swissgrid-CEO das Schweizer Netz in die Jahre gekommen. Im Durchschnitt seien die Leitungen 45 Jahre alt. Und das vor dem Hintergrund steigender Anforderungen. Graf führte sie auf die zunehmenden Schwankungen im Netz zurück. Das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch aufrecht zu erhalten, falle den Swissgrid-Technikern immer schwerer.

Herausforderung hier: Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, speisen Solaranlagen und Windräder grosse Mengen Strom ein, der zum Zeitpunkt der Erzeugung aber nur bedingt gebraucht werde. Notwendig seien daher Stromspeicher in Form von Pumpkraftwerken, wie sie die Schweiz zahlreich betreibt.

«Die Schweiz kann zur Batterie Europas werden, mit der entsprechenden Wertschöpfung», betonte Graf. Der Referent ging auf die bis zu 20 Jahre dauernden Verfahren zur Bewilligung neuer Trassen ein. Angesichts dieser langen Fristen müssten die Weichen schon jetzt gestellt werden. Andernfalls, nahmen die rund 130 Lions-Club-Mitglieder in der Laufenburger Stadthalle mit, sei es immer schwieriger, die zunehmend schwankende und dezentralere Stromproduktion noch auszugleichen.

Graf verhehlte nicht: Freilandleitungen stossen aufgrund ihrer schieren Grösse oft auf Widerstände. Die Leitungen weitgehend unterirdisch zu verlegen, sei aber vor allem aus Kostengründen unrealistisch. Hier gelte es, in einem «Dialog mit der Bevölkerung» einzutreten, damit die Energiewende gelinge.

Vor Atomausstieg gewarnt

Graf warnte in der Diskussion vor den Folgen eines vollständigen Ausstiegs aus der Atomenergie. «In der Winterzeit wäre das nicht tragbar, und auch im Sommer würde es in einem solchen Fall eng.» Auf Fragen der Preisentwicklung dämpfte er Hoffnungen auf billigeren Strom, auch weil in der Schweiz ein offener Strommarkt fehle. Auf das Projekt der Verlegung von Erdkabel bei Riniken angesprochen, sagte Graf, dass seitens der Gemeinde noch keine Baubewilligung vorliege.

Dem Vortrag von Pierre-Alain Graf vorausgegangen waren am Nachmittag drei Programmpunkte. LionsClub-Mitglieder konnten eine «Graf Hans Tour» erleben, das Rheinkraftwerk Laufenburg besichtigen und einen Blick in die Schaltzentrale der Swissgrid werfen.