Es waren harte Töne, die den Bewohnern in einem Wohnblock am Weidenweg an der Eingangstüre und am Lift entgegen schlugen. In fehlerhafter Rechtschreibung stand dort unter anderem handschriftlich auf einem Zettel: «Schweine und Zigoiner nicht willkommen!!!» Wer diese Zettel mit den rassistischen Botschaften angebracht hat, ist unbekannt.

Der Vorfall schlägt auch Wellen in der Facebook-Gruppe «Kaiseraugst lebt». In den Kommentaren heisst es dazu etwa von einem User: «Sprachlos. Würd ich melden.» Und ein zweiter schreibt: «Nur noch traurig die Welt.»

Eine Frau, die selbst in dem betroffenen Wohnblock lebt, sagt: «Ich war schockiert, als ich die Zettel gesehen habe.» Die Frau stammt aus Ungarn. Ihre Familie habe im Zweiten Weltkrieg sehr viel durchmachen müssen, wie sie erzählt.

Dass so etwas ausgerechnet in ihrer Siedlung passiere, überrasche sie. «Die Siedlung ist sehr multikulturell. Türken, Albaner und Schweizer leben Tür an Tür.» Die Aktion habe bei ihr Spuren hinterlassen.

«Jetzt fühle ich mich in meinem eigenen zu Hause unwohl», so die Bewohnerin weiter, die die Vorstellung, dass es jemanden gibt, der so eine extreme Wut in sich hat, beunruhigt. «Was ist, wenn Worte für seine Wut nicht mehr reichen und er Taten folgen lässt?», fragt sie.

Staatsanwaltschaft wird aktiv

Roland Pfister, Mediensprecher von der Kantonspolizei, sagt, dass man keine Ermittlungen aufgenommen habe, weil derzeit noch keine Anzeige vorliegt. «Erst, wenn diese vorliegt, können wir einen Bericht verfassen, aufgrund dessen die Staatsanwaltschaft entscheidet, ob Ermittlungen angestellt werden», sagt er.

Nachdem «20 Minuten» bereits über die rassistischen Botschaften im Wohnblock berichtete, sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, dass man nun Abklärungen tätigen werde, ob eine strafrechtliche Relevanz vorliege.

Für Angela Mattli, Abteilungsleiterin der Gesellschaft für bedrohte Völker, liegt die Antwort klar auf der Hand. «Wenn jemand Jenische, Sinti und Roma mit Schweinen gleichgesetzt, dann ist das ein Verstoss gegen die Rassismus-Strafnorm», sagt Mattli und schiebt nach, dass sich ihre Organisation dazu entschlossen habe, Anzeige zu erstatten.

Dass der Vorfall auf Facebook öffentlich gemacht wurde, findet Mattli richtig. «Rassistische Vorfälle dürfen nicht unter den Teppich gekehrt, sondern müssen angeprangert und geahndet werden.»

Zwar seien Vorbehalte und Rassismus gegen Jenische, Sinti und Roma ein Problem, dass in der Schweiz tief verankert sei, trotzdem sei der Vorfall von Kaiseraugst eher aussergewöhnlich. «So deutlich wird Rassismus selten geäussert», sagt sie.