Auf der Futtersuche führen sich die Schwarzkittel wahrlich auf wie die Schweine. Vor allem in strengen Wintern, wenn im Wald nicht viel zu holen ist und der Hunger die Wildschweine buchstäblich aus dem Busch lockt, bekommen das die Bauern schmerzlich zu spüren.

Es gab schon Jahre, da belief sich der von Wildschweinen verursachte Flurschaden im Aargau auf deutlich über eine halbe Million. Kommt dazu: Wildschweine vermehren sich wie die Kaninchen. Um den Bestand in Grenzen zu halten, werden sie stark bejagt: letztes Jahr war eine Rekordzahl von über 1640 Abschüssen zu verzeichnen.

Wildsaumässiger Hotspot

Das untere Fricktal ist ein wildsaumässiger Hotspot. In den Jagdrevieren «Olsberg – Nord» und «Rheinfelden – West» belief sich der Wildschwein-Schaden im Jahr 2011 auf über 50 000 Franken. Die Reviere, beide von der Jagdgesellschaft «Berg» gepachtet, wurden im kantonalen «Massnahmenplan Wildschwein» auf Stufe 2 gesetzt.

Stufe 2 wird erreicht, wenn der Wildschweinschaden 200 Prozent des Jahres-Pachtzinses für ein Jagdrevier übersteigt. Der Pachtzins für die Reviere «Olsberg Nord» und «Rheinfelden West» beträgt zusammen 9000 Franken. Man kann sich also vorstellen, dass hier wirklich Alarmstufe Rot herrscht.

In einem Revier auf Stufe 2 bekommen die Jäger mehr Rechte, aber auch mehr Pflichten, was den Abschuss von Schwarzkitteln betrifft: Zum Beispiel muss pro Jagdrevier die Pirschjagd im Feld durch mindestens zwei Personen ausgeübt werden, es sind Jagdgemeinschaften mit benachbarten Revieren zu bilden und jährlich mindestens zwei revierübergreifende Bewegungsjagden durchzuführen.

Clevere Wildschweine fordern die Jäger heraus

Das ist ein ganz schöner Aufwand für die sechs Mitglieder der Jagdgesellschaft «Berg», die das Weidwerk ja als Hobby betreiben. Kommt hinzu, dass Wildschweine dummerweise ziemlich clever sind und die Jagd auf sie als besonders anspruchsvoll und zeitraubend gilt.

Das Jagdgesetz ist aber unerbittlich. Es macht die Jagdgesellschaften dafür verantwortlich, dass die Wildtierbestände «den örtlichen Verhältnissen angepasst» sind und keine «übermässigen Schäden» an Wald und landwirtschaftlichen Kulturen auftreten. Die Jagdgesellschaften müssen Schäden auch abgelten.

Üblicherweise nur bis zu einem Viertel ihres Jahrespachtzinses, den Rest trägt der Kanton. Aber wenn die Weidmänner ihre jagdlichen Verpflichtungen nicht erfüllen, kann ihnen der Kanton die gesamten Kosten für die Abgeltung der Wildschweinschäden aufbrummen.

Die Jagdverwaltung hatte nun der Jagdgesellschaft «Berg» Anfang Jahr mitgeteilt, dass sie die erste sein wird, bei der die Sanktion zum Tragen kommt, und zwar in vollem Umfang. Zu viel für die Jäger, sie haben ihre Gesellschaft kurzerhand aufgelöst, die Reviere «Olsberg – Nord» und «Rheinfelden – West» waren am Freitag im Amtsblatt zur Neuverpachtung ab 1. Juli ausgeschrieben.

Grünröcke kapitulieren

Nach den Gründen für die Härte gefragt, die die Fricktaler Grünröcke schliesslich kapitulieren liess vor den Schwarzkitteln und den Kosten, die sie ihnen zu verursachen drohten, bleibt Jagdverwalter Thomas Stucki diplomatisch. Auf jeden Fall seien in den betreffenden Revieren schon seit Jahren sehr hohe Schäden verzeichnet worden.

Und ein wichtiger Faktor für ein funktionierendes Wildschwein-Management sei ein guter Dialog zwischen Jagdgesellschaften und Landwirtschaft.

Als Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins hofft Rainer Klöti, dass es bei diesem Einzelfall bleibt, in dem es «trotz immenser Anstrengungen nicht gelungen ist, die Situation zu bereinigen». Als ehemaliger FDP-Grossrat war er selber an der Entwicklung des Gesetzes beteiligt, das die Jäger stark in die Pflicht nimmt.

Er hält das auch nach dem Fricktaler Fall für richtig. In welchem Umfang man die Freizeitjäger für Massnahmen zur Vermeidung von Wildschäden verantwortlich machen kann, sei aber schon zu überlegen.