Kantonalschützenfest
Schützenkönigin Bettina Bucher: «Männer denken sofort ans Resultat»

Am Aargauer Kantonalschützenfest im Fricktal trumpften die Frauen gross auf. Mit Bettina Bucher und Denise Füglister setzten sich zwei Frauen in der Männerdomäne Schützensport durch. Sind Frauen die besseren Schützen?

Christoph Zehnder
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Die Luzernerin Bettina Bucher: Mit einem Lächeln auf den Lippen schiesst es sich leichter.

Die Luzernerin Bettina Bucher: Mit einem Lächeln auf den Lippen schiesst es sich leichter.

«Manchmal schon», sagt Bettina Bucher, Siegerin über 300 Meter mit der Sportwaffe. «Wir können jedenfalls mit den Männern mithalten, weil es nicht in erster Linie auf die Kraft ankommt, wie bei anderen Sportarten.» Die Gewinnerin vom Aargauer Kantonalschützenfest weiss, wovon sie spricht, sie ist nämlich auch amtierende Weltmeisterin.

Anstatt Muskelkraft ist Konzentration gefragt. «Es braucht Geduld», erklärt die Luzernerin. «Wenn es gut läuft denken Männer oft sofort ans Resultat, Frauen bleiben da eher cool».

Gelegenheit zum Vergleich

Ein bisschen stolz ist Bettina Bucher schon, sich gegen all die Männer durchgesetzt zu haben. Sie schätzt die Gelegenheit eines direkten Vergleiches unter den Geschlechtern. «Bei internationalen Wettkämpfen schiessen Männer und Frauen getrennt. Da gibt es diese Möglichkeit nicht.»

Da bietet sich ein gemeinsames Training mit Freund Rafael Breuter schon eher an. Breuter gehört dem Nationalkader an. Beide sind Mitglied der SG Villmergen und trainieren gelegentlich zusammen.

Kein Geheimrezept

«Ich konzentriere mich immer nur auf den nächsten Schuss», verrät die Top-Sportschützin. Ein eigentliches Geheimrezept hat sie aber nicht. «Vor dem Wettkampf beobachte ich alles sehr genau. Dabei versuche ich die Atmosphäre im Schützenstand aufzunehmen.»

Das die Damen am diesjährigen Kantonalschützenfest so erfolgreich waren, freut auch die Organisatoren. «Der Sport wird dadurch vielseitiger», findet Presse-Chef René Birri.

Den Grund, weshalb auch immer mehr Frauen den Schützensport aufnehmen und darin auch erfolgreich sind, sieht Birri in der verbesserten Ausbildung. «Früher ging man zuerst zu den Jungschützen und dann ins Militär.» Damit waren Waffe und Distanz bereits vorgegeben. «Heute ist die Ausbildung viel professioneller. Heute können 10-Jährige mit Kleinkaliber auf 10 oder 50 Meter beginnen. Das macht es natürlich interessanter» Auch Bettina Bucher und Denise Füglister haben mit Kleinkaliber begonnen.

Viele Jungtalente

Die Zahl der weiblichen Sportschützen hat in den letzten Jahren konstant zugenommen. Gerade im Aargau gibt es eine ganze Menge vielversprechende Nachwuchstalente im Schützensport. Am Standardgewehr konnte sich im Final der Junioren auch die 18-jährige Denise Füglister von den Freischützen Obersiggenthal gegen ihre ausschliesslich männlichen Gegner durchsetzen. Ihre Schwester Fabienne kämpft derzeit in Bologna an der Junioren-Europameisterschaft am Luftgewehr um Edelmetall.

Vor der Konkurrenz fürchtet sich Bettina Bucher aber nicht. Im Gegenteil: «Es ist sogar besser so. Sonst wäre es ja zu einfach.» (cze)

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