Laufenburg
«Schützen»-Bar wird zum Treffpunkt mit den Asylsuchenden

Deutschunterricht, Kleider sammeln, Fahrdienste: Die «IG Asyl» lebt das Motto «Handeln statt reden». Und im «Schützen» steht nun ein Ort der Begegnung zur Verfügung, wo sich Kulturen treffen können.

Thomas Wehrli
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Die Mitinitiantinnen Dora Freiermuth und Regula Laux in der ehemaligen «Schützen»-Bar, wo die «IG Asyl» einen Treffpunkt einrichtet.

Die Mitinitiantinnen Dora Freiermuth und Regula Laux in der ehemaligen «Schützen»-Bar, wo die «IG Asyl» einen Treffpunkt einrichtet.

Thomas Wehrli

Die ersten 14 Asylsuchenden sind am Mittwoch ins unterirdische Notspital in Laufenburg eingezogen. Bereits in wenigen Wochen werden dort rund 65 Personen, vorab junge Männer aus Afghanistan und Eritrea, leben. Für 30 weitere Asylsuchende ist ein ehemaliges Landhaus an der Hinteren Bahnhofstrasse zur temporären Heimat geworden.

Betreut werden die Asylsuchenden von der ORS Service AG – und von vielen Freiwilligen. Im Städtchen hat sich in den letzten Wochen ein Helferkreis gebildet, die «IG Asyl», die nicht wegschauen will, wie es viele tun, die nicht lavieren und ausrufen mag, wie es manche tun, sondern die einen pragmatischen Weg gewählt hat: Hinschauen, hingehen, zuhören, verstehen, helfen, Gemeinschaft sein. Handeln statt reden.

Was mit einem Leserbrief von Elisabeth Hesse seinen Anfang nahm, ist zum Selbstläufer mit inzwischen gut 40 Läufern mutiert. «Es ist ein genialer Spirit», sagt Regula Laux, eine der Mitinitiantinnen. «Jeder bringt sich und seine Talente ein.» Der 18-jährige Gymnasiast ebenso wie die 75-jährige Hausfrau. Ersterer, Benjamin Bieri mit Namen, hat gleich auch das nicht einfache Amt des Koordinators übernommen. «Nicht selbstverständlich», weiss Dora Freiermuth, eine zweite Mitinitiantin.

Fahrdienst und Deutschunterricht

Ziel der IG ist es, lokal etwas zu tun, im Jetzt und Hier zu helfen, im Wissen darum, dass eine Einzelmaske dem globalen Flüchtlingsproblem recht hilflos gegenübersteht. «Man kann nur über etwas reden, wenn man es kennt», sagt Laux. Das Sich-Begegnen erzeugt Wissen – und kann auch Ängste abbauen, die nicht wenige vor dem Fremden haben.

Was die IG in der kurzen Zeit auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich. Die einen geben Deutschunterricht, andere sammeln Kleider, dritte organisieren Fahrdienste. Ein grosses Anliegen, einen Aufenthaltsraum – nein: einen Begegnungsort – zu haben, wird dank dem Kanton, einem «angenehmen Partner» (Laux), nun auch Realität. Der Kanton hat die ehemalige Bar sowie einen weiteren Raum des «Schützen» angemietet und stellt ihn der IG zur Verfügung. «Treffpunkt» will diese den Raum nennen, denn das soll er werden, ein Punkt, an dem sich die Kulturen treffen.

Helfende Hände gesucht

Den Treffpunkt will die IG möglichst bald in Betrieb nehmen. Zuerst muss die ehemalige Bar allerdings noch geputzt und hergerichtet werden. Das geschieht am nächsten Donnerstagnachmittag – «helfende Hände sind hochwillkommen», meint Freiermuth schmunzelnd. Auch für den Betrieb sucht die IG noch Freiwillige. Denn «je mehr Leute wir sind, desto öfters können wir den Treffpunkt öffnen.» Zwei Personen von der IG werden jeweils vor Ort sein, dazu ein Mitarbeiter von der ORS. «Wir sind froh, dass die ORS uns unterstützt, denn sie sind die Profis.»

Vorerst wird der Treffpunkt am Donnerstag-, Samstag- und Sonntagnachmittag von 14 bis 17 Uhr geöffnet sein. «Wenn wir genügend Helfer finden, auch häufiger.» Die Begegnung steht im Zentrum, was daraus entsteht, lassen die Initianten bewusst offen. Das kann ein gemeinsames Musizieren sein, ein Singen, ein Diskutieren, ein Spielen. Was auch immer: Es wird eine Bereicherung sein, für beide Seiten. «Die Begegnungen geben viel», sagen Laux und Freiermuth unisono. Ein Lächeln, ein Händedruck, ein freudiges Winken, wenn man sich über die Strasse hinweg sieht.

Beim Kanton schätzt man solche Freiwilligeneinsätze. Sie seien real wie symbolisch von grossem Wert, sagt Daniela Diener vom Departement Gesundheit und Soziales. «Sie schaffen Kontakte, Innen- und Aussenwirkung und tragen dazu bei, dass die Asylsuchenden erstens beschäftigt sind und zweitens Grundlegendes über unsere Gesellschaft, Kultur und Sprache erfahren.»

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