Fricktal
Schulweg: Wenn Eltern ihr Kind bis ins Schulzimmer begleiten wollen

Viele Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto in die Schule, beispielsweise um die Kinder vor dem Wetter oder anderen Gefahren zu beschützen. Auf die Spitze treiben es die sogenannten Helikopter-Eltern, die ihr Kind gleich bis ins Schulzimmer bringen.

Walter Christen
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Vom Schulzimmer ins Auto: Schulen sehen es nicht gern, wenn die Kinder von den Eltern bis auf den Pausenplatz chauffiert werden.

Vom Schulzimmer ins Auto: Schulen sehen es nicht gern, wenn die Kinder von den Eltern bis auf den Pausenplatz chauffiert werden.

NIZ

Man kann die Mütter-Taxis betrachten, wie man will – als pure Unsitte, als Bemutterung, Verweichlichung oder ganz einfach zum Schutz der Kinder. Jedenfalls spielen sich vor diversen Fricktaler Schulhäusern regelmässig zum Teil chaotische Szenen ab, wenn Autos vorfahren und Kinder gebracht oder abgeholt werden.

Zum Beispiel auf dem Areal der Primarschule in Frick. Auf ihren Taxidienst angesprochen, meinte eine Mutter: «Das mache ich, um sicher zu gehen, dass meinem Kind auf dem Schulweg nichts passiert.»

Jemand führte an, die Tochter eigentlich nur bei schlechtem Wetter mit dem Auto zu bringen, «sonst geht sie immer zu Fuss». Und schliesslich noch der Vater, der meinte: «Meine Frau und ich wechseln uns ab. Wir fahren unseren Sohn zur Schule, damit er die stark befahrene Hauptstrasse nicht alleine überqueren muss.»

Überfürsorgliche Eltern

Eine Umfrage bei Schulleitungen in der Region, die Elterntransporte nicht goutieren, hat gezeigt, dass gelegentlich jemand sein Kind bis ins Schulzimmer begleitet und es nach dem Unterricht dort wieder abholt. Man spricht dann von Helikopter-Eltern. Von überfürsorglichen Müttern und Vätern, die sich – eben wie ein BeobachtungsHelikopter – ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, sie überwachen und behüten.

«Mutter in der Männergarderobe»

Von Peter Boss, Schulleiter Kindergarten und Primarschule in Frick, erfuhr die Aargauer Zeitung auf Anfrage: «Den Begriff Helikopter-Eltern kenne ich zwar nicht, aber deren Verhalten ist bei uns ein Thema. Den bisher extremsten Fall habe ich an einem Sportanlass erlebt, als eine Mutter in der Männergarderobe ihren Sohn ankleiden wollte.»

Weiter erwähnte der Schulleiter: «Was wir vor allem mitbekommen, ist die Belegung der Parkplätze bei den Kindergärten und Schulhäusern, wenn Eltern die Kinder bringen oder abholen. Da wurde beim Rangieren schon einmal ein Kind angefahren.»

Peter Boss betonte in diesem Zusammenhang: «Der Schulweg ist grundsätzlich Elternsache. Die Schule hat diesbezüglich keinerlei Kompetenzen. An Einschulungs- und Elternabenden weisen wir jedoch darauf hin, dass die Kinder über eine gewisse Selbstständigkeit verfügen und die Basics kennen müssen, etwa Schuhe binden und die Jacke anziehen. Den Schulweg selbstständig bewältigen zu können, sich an einem Fussgängerstreifen richtig zu verhalten, das sind wichtige Aspekte der Schulreife. Darauf legen wir Wert.»

«Es gibt Eltern, die ihre Kinder regelmässig mit dem Auto zur Schule bringen und holen. Neben unserem Schulhaus befindet sich ein grosser Platz, wo die Mami- und Papi-Taxis bequem parkieren können», war von Judith Zürcher zu erfahren. Sie ist Schulleiterin im Laufenburger Schulhaus Burgmatt, in dem momentan 147 Mädchen und Knaben unterrichtet werden.

Gehen dort auch Helikopter-Eltern ein- und aus? «Wir hatten auch schon Eltern, die ihren Kindern den vollen Service bieten wollten, also sie bis ins Schulhaus begleiteten. Wir haben dem umgehend Einhalt geboten, indem wir mit den betreffenden Eltern gesprochen und sie darauf aufmerksam gemacht haben, wie wichtig ein erlebnisreicher Schulweg für die Entwicklung eines Kindes ist.»

Im Übrigen werde das Eltern-Taxi auch an Einschulungsabenden thematisiert. Als Motivation für ihren Transportdienst sei von vielen Eltern zu vernehmen, dass der Schulweg für das Kind sehr lang und gerade bei schlechtem Wetter sehr mühsam sei.

«Schulweg wichtig für Kinder»

Im Rheinfelder Schulkreis Altstadt, wo sich Kindergärten, Primar- und Mittelstufe befinden, sind nicht jene Mütter oder Väter ein Problem, die ihr Kind bis ins Schulzimmer begleiten möchten, war von Schulleiterin Rosemarie Flachmann zu erfahren. Vielmehr sei der Taxi-Dienst durch Eltern ein Thema.

«Manchmal sieht man vor lauter Autos die Kinder nicht mehr. Bei schlechtem Wetter nimmt die Transporttätigkeit noch zu.»
Die Schulleiterin erachtet das Zurücklegen des Schulweges zu Fuss als einen wichtigen sozialen Aspekt für die Kinder: «Es entgeht den Mädchen und Knaben etwas, wenn sie gebracht und wieder abgeholt werden.»

Die Aargauer Zeitung wollte wissen, ob das Gespräch mit den Eltern gesucht wird, damit der Bring- und Holdienst eingedämmt werden kann. Rosemarie Flachmann wies darauf hin, dass dieses Thema jeweils an Elternabenden ein Diskussionspunkt sei und dass bei solcher Gelegenheit sogar vonseiten der Regionalpolizei informiert werde. Dennoch nehmen die Eltern-Taxis tendenziell eher zu.

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