Wegenstetten
Schulpflegerin kritisiert Kantonsentscheid – Streitpunkt ist der Schulweg

Nach dem Aus für die Oberstufe Wegenstetten wird der Schulweg angemahnt – das Departement für Bildung, Kultur und Sport hält dagegen.

Dennis Kalt
Drucken
Teilen
Die Oberstufe in Wegenstetten wird aufgelöst.

Die Oberstufe in Wegenstetten wird aufgelöst.

nbo (11. Oktober 2017

Mit dem Nein der Benkental-­Gemeinden zur Kreisschule Thierstein Anfang Dezember brechen die letzten Tage für die Oberstufe Wegenstetten an. So stellte denn das Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS) klar, dass durch dieses Nein dem Kanton keine Lösung vorliegt, die eine Verlängerung der Ausnahmebewilligung über den Sommer 2021 hinweg rechtfertigt. Das bedeutet: Die Sekundarschüler aus Zeiningen, Zuzgen, Hellikon und Wegenstetten werden ab dem Schuljahr 2021/22 in Möhlin unterrichtet.

Der Entscheid des BKS stösst Karolina Stahel, Schulpflegerin in Wegenstetten und Vizepräsidentin der Kreisschulkommission Wegenstetten/Hellikon, sauer auf. In einem offenen Brief – den sie mit «Herr Hürzeler» eröffnet – schreibt sie von ihrer Enttäuschung darüber, dass das BKS der Oberstufe im Wegenstettertal einen Aufschub von einem «lächerlichen Jahr» verwehrt. «Eine traurige Zahl von 4 Schülern fehlt uns, um unseren Standort behalten zu können; und dies nur fürs nächste Schuljahr. Danach sehen die Schülerzahlen fürs 22/23 wieder anders aus.»

Stahel bezeichnet die Absage des Kantons als vernichtend. Auch weil die Schüler, die nächstes Jahr in Möhlin unterrichtet werden, an der Oberstufe in Wegenstetten bleiben möchten. Zudem: «Das Postauto ist überhaupt nicht organisiert, und dies wird wohl vonnöten sein, werden doch 80 Schüler vom ­Wegenstettertal nach Möhlin fahren und dort noch 10 bis 15 Minuten zu Fuss zurücklegen müssen», so Stahel. Sie richtet daher an das BKS die Frage, wer den Bus bezahlen soll, der extra aufgeboten werden müsse.

Speziell für ein zukünftiges Vereinsleben im Dorf sei es wichtig, dass die Jugendlichen daran teilnehmen können, sagt Stahel und fragt sich, wie das noch möglich sein soll, «wenn die Kinder ihre Zeit mit Postautofahren verbringen, teils mehr als zehn Stunden ausser Haus sind, am Abend nach Hause kommen und Hausaufgaben erledigen sollen».

Dass der Oberstufe Wegenstetten nur vier Schüler fehlten, dementiert BKS-Sprecherin Sascha Katja Giger. So würden die Mindestvorgaben – 21 statt 39 Realschülerinnen und Realschüler sowie drei statt sechs Abteilungen – deutlich unterschritten. «Es ist nicht anzunehmen, dass die Anforderungen in den nächsten Jahren erreicht werden, bräuchte es doch eine Verdoppelung bei den Realschülerinnen und Realschülern», so Giger.

Das Argument, dass die Schüler aus dem Wegenstettertal zu viel Zeit im Bus nach Möhlin verbringen würden, lässt Giger nicht gelten. So kämen von den im offenen Brief angesprochenen 80 Schülerinnen und Schülern 38 aus der Gemeinde Zeiningen. «Zeiningen liegt rein distanzmässig – etwa per Velo –sogar näher an Möhlin als an Wegenstetten», so Giger.

Gesetz nimmt Gemeinden für Schulweg in die Pflicht

Sollte es dereinst einen Extrabus für die rund 80 zusätzlichen Schüler in Richtung Möhlin benötigen, verweist Giger auf das Schulgesetz. Dieses legt fest, dass die Gemeinden den auswärtigen Schulbesuch erleichtern, etwa «durch angemessene Berücksichtigung des öffentlichen Verkehrs» und «durch Übernahme notwendiger Transportkosten».