Kreisschule Wegenstetten-Hellikon

Schulleiter kritisieren «Laune» des Wittnauer Gemeinderats: «Entscheid ist eine Zumutung»

Aufgrund der zu geringen Schülerzahl ist unklar, wie lange die Oberstufe in Wegenstetten noch bestehen bleiben kann.

Aufgrund der zu geringen Schülerzahl ist unklar, wie lange die Oberstufe in Wegenstetten noch bestehen bleiben kann.

Die Leitung der Kreisschule Wegenstetten-Hellikon kritisiert den Wittnauer Gemeinderat. Dieser verteidigt dagegen seine Haltung.

Der Wittnauer Gemeinderat machte den Plänen, dass die Kreisschule Wegenstetten-Hellikon (KSWH) als Aussenstandort der Schule Gipf-Oberfrick fungiert, einen Strich durch die Rechnung. Als einzige der vier an die Oberstufe in Gipf-Oberfrick angeschlossenen Gemeinden, lehnte sie das Projekt ab. Mit seinem Nein versagte der Wittnauer Gemeinderat der Kreisschule im Wegenstettertal die Rettung, steht diese doch aufgrund mangelnder Schülerzahlen vor ihrer Auflösung.

Der Entscheid des Wittnauer Gremiums stösst den beiden KSWH-Schulleitern Urs Hasler und Fabio Mino sauer auf. In einer Stellungnahme bezeichnen sie die Gründe, mit denen Gemeinderätin Gertrud Häseli den Entscheid gegenüber der AZ rechtfertigte, als «Unwahrheiten».

So sei etwa die Aussage, dass bei einem Zusammenschluss zu wenig Ressourcen für den Aussenstandort Wegenstetten vorhanden seien, die Schule Gipf-Oberfrick von diesen jedoch abgeben müsste und der Hauptstandort deswegen einen Qualitätsverlust erleide, inkorrekt. «Die Schulleitungen beider Standorte haben genaue Berechnungen unter Einbezug der künftigen Schülerzahlen vorgenommen und konnten zuhanden des Gemeinderates Gipf-Oberfrick belegen, dass der Schule Wegenstetten genügend eigene Ressourcen zur Verfügung stehen würden», schreiben die Schulleiter. An beiden Standorten ergäbe sich daher kein Qualitätsverlust, so Hasler und Mino weiter.

Eine weitere Unwahrheit sei die Aussage von Häseli, dass kein Lehreraustausch stattgefunden hätte. Ein Lehreraustausch sei sogar erwünscht und mache pädagogisch Sinn, so die KSWH-Schulleiter. «Die Schulen würden das gleiche pädagogische Konzept anwenden und man hätte sich auf verschiedenen Ebenen intensiv ausgetauscht.»

Zusammenschluss für doppelte Existenzsicherung

Als Beispiele nennen Urs Hasler und Fabio Mino hier etwa Teamsitzungen, Weiterbildungen der Lehrer und gemeinsame Veranstaltungen an beiden Standorten. «Ein Zusammenschluss würde nicht nur die Rettung des Schulstandortes Wegenstetten bedeuten, sondern auch der Oberstufe Gipf-Oberfrick eine langfristige Existenz sichern», schieben sie nach.

Auch Häselis Aussage, dass ein Zusammenschluss der Schulen zu einer Verschlechterung für die Schülerinnen und Schüler in Gipf-Oberfrick führte, zweifeln Hasler und Mino an. «Für die Lernenden in Gipf-Oberfrick würde sich bei einem Zusammenschluss überhaupt nichts ändern, da – wie Frau Häseli korrekt erwähnt – kein Schüleraustausch vorgesehen wäre.»

Überhaupt stellen sich die KSWH-Schulleiter die Frage, «wieso Frau Häseli politische Entscheidungen trifft, wo sie doch gar nicht vom Fach ist». Fakt sei, dass sie von Anfang an eine verschlossene Haltung gegenüber dem Thema gezeigt und konstruktive Gespräche stets verweigert habe, befinden Hasler und Mino. «Eigentlich müsste sie sich doch als Regionalpolitikerin für kleine Schulen auf dem Land einsetzen», sagen Hasler und Mino, die es «eine Zumutung finden, dass ein derart solides Projekt an der Laune des Wittnauer Gemeinderats scheitern soll».

Keine Unwahrheiten, aber eine strittige Thematik

Häseli betont, dass nicht nur sie, sondern der Gemeinderat einheitlich sich gegen einen Zusammenschluss ausgesprochen hat – auf Grundlage der Argumente, die von der KSWH-Schulleitung als Unwahrheiten bezeichnet werden. «Natürlich gibt es bei solchen Projekten immer Faktoren, die unsicher sind und eine Thematik daher streitbar machen», sagt Häseli. Vor diesem Kontext versteht sie auch die diametralen Ansichten des Wittnauer Gemeinderates und der KSWH-Schulleitung zum Zusammenschluss.

Einen Hehl daraus, dass sie und der Gemeinderat von Anfang an eine ablehnende und verschossene Haltung gegen das Projekt hatten, macht Häseli nicht. «Wir haben uns als Gemeinderat überlegt, ob wir an den Sitzungen für das Projekt überhaupt teilnehmen sollen.» Denn schon im Vorfeld sei dem Gemeinderat klar gewesen, dass ein Zusammenschluss zwischen zwei Schulen, die per ÖV über eine Stunde auseinanderliegen, widersinnig sei. «Da kann man sich ja genauso gut mit einer Schule in Zermatt zusammenschliessen», so Häseli.

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