Fricktal
Schülerbilder im Netz? «Fotos machen Homepage attraktiv»

Sollen Schulen Fotos ihrer Schüler online stellen? Nach der Verurteilung des Vierfachmörders von Rupperswil wird diese Frage intensiv diskutiert. Den Schulen fehlen Richtlinien, ob und in welchem Rahmen sie Fotos von Kindern ins Netz stellen dürfen.

Mira Güntert
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Was gut gemeint war, kann böse enden: Kinderfotos im Netz sind der Gefahr eines Missbrauchs ausgesetzt. (Symbolbild)

Was gut gemeint war, kann böse enden: Kinderfotos im Netz sind der Gefahr eines Missbrauchs ausgesetzt. (Symbolbild)

Shutterstock

Der Prozess im Vierfachmord von Rupperswil bewegte vergangene Woche die Schweiz. Es stellte sich heraus, dass der Verurteilte Thomas N. im Internet schon nach seinen nächsten potenziellen Opfern Ausschau gehalten hatte. Aus den Informationen erstellte er eine Liste mit Bild, Name, Alter, Wohnort und Schulort von elf Buben.

Dass bei vielen Schulen im Kanton Klassenfotos und Schnappschüsse von Klassenlagern, Schulreisen und Exkursionen zum Online-Auftritt dazugehören, kritisierte ein Anwalt aus Widen bereits 2016. Wie der «SonntagsBlick» berichtete, zeigte er die Schule seines Sohnes an, da diese mit Fotos von Schülern auf der Homepage gegen das Datenschutzgesetz verstosse (die AZ berichtete). Der Anwalt kam mit seiner Anzeige nicht durch. Der kantonale Datenschützer wies sie ab.

Der Umgang mit den vermeintlich harmlosen Fotos ist im Aargau nicht klar geregelt. Eindeutige Richtlinien gibt es nicht. Der Kanton empfiehlt erst auf Medienanfrage, auf Klassenfotos im Netz zu verzichten oder diese nur in einem geschützten Bereich hochzuladen.
An Fricktaler Schulen und Kindergärten verzichtet man bisher nicht auf Fotos. «Eine Homepage ohne Fotos käme bei den meisten Eltern schlecht an. Fotos machen eine Homepage attraktiv», sagt Patrick Geiger. Der Schulleiter der Kreisschule Wegenstetten-Hellikon ist sich bewusst, dass eine fotografisch angereicherte Homepage auch ein Spannungsverhältnis birgt, da sie Gefahren eines Missbrauchs mit sich bringt.

Die Kreisschule setzt daher auf Eigenverantwortung. Die Eltern geben immer nach dem Wechsel ihres Kindes in eine höhere Schulstufe die Zustimmung für das Veröffentlichen von Fotos mittels Einverständniserklärung. Die meisten scheinen nichts gegen Fotos zu haben – von den rund 260 Schülern haben nur 8 kein Einverständnis ihrer Eltern.

Fotowahl wird verkompliziert

Auch an der Schule in Stein kennt man das Prinzip mit der Einverständniserklärung. «Einzelne Eltern sind dagegen. Dann schauen wir, dass ihre Kinder nicht auf den Fotos sind», sagt Schulleiterin Irène Lorenzon. Beim Klassenfoto schiesst der Fotograf zwei Fotos: Auf dem ersten ist die ganze Klasse abgelichtet. Dieses Foto kann von den Schülern gekauft werden. Auf dem zweiten sind nur noch diejenigen Kinder, deren Eltern ihre Zustimmung gegeben haben. Dieses Foto kommt dann auf die Homepage der Schule.

Dass einige wenige Schüler nicht auf den Fotos sein dürfen, erschwert den Schulen die Handhabung damit. «Bei gesamtschulischen Anlässen wie dem Sporttag ist es administrativ aufwendig, zu schauen, ob ein Kind auf dem Foto ist, das nicht drauf sein dürfte», sagt Geiger. Fricktaler Schulen verzichten auf ihren Internetseiten auf die Nennung von Namen der Schüler.

Kanton hält sich zurück

Schulleiter Geiger moniert, dass die Schulen bisher keine Empfehlungen vom Kanton selber erhalten hätten. Diese seien lediglich durch jüngste Medienanfragen an kantonale Departemente erschienen. «Ich habe der Schulaufsicht daher ein E-Mail geschrieben und gefragt, wo diese Empfehlungen stehen», sagt er. «Ich würde es begrüssen, wenn das Bildungsdepartement Empfehlungen abgäbe», sagt Geiger. Das gäbe den Lehrpersonen Sicherheit.

Klar definierte Leitlinien vom Kanton würde den Schulen ihre alltägliche Arbeit erleichtern. Philipp Fischer, Gesamtschulleiter in Gipf-Oberfrick, steht einer möglichen Stellungnahme vom Kanton aber auch kritisch gegenüber. «Es wird darauf herauslaufen, dass man irgendwann keine Fotos mehr veröffentlichen darf. Das wäre schade», sagt er. Fischer findet, dass jede Schule vor Ort schauen soll, wie sie es mit Fotos auf der Homepage handhaben möchte.