Vor Christoph Kesslers Büro-Fenster herrscht viel Verkehr. Der Zeininger Schulleiter sieht täglich, wie Eltern ihre Sprösslinge mit dem Auto in die Schule chauffieren – und er ärgert sich über diese Betriebsamkeit. «Durch das Hinfahren, Wenden und Wegfahren können für die Kinder, die zu Fuss zur Schule kommen, gefährliche Situationen entstehen», sagt er.

In Frick und Rheinfelden sind diese Gefahren ebenfalls bekannt. In Frick gab es in den letzten vier Jahren gar zwei leichte Kollisionen. «Dabei haben wegfahrende Autos einmal ein Velo und einmal ein Kind touchiert. Beide Vorfälle hatten gottlob keine Personen- oder Fahrzeugschäden zur Folge», sagt der Fricker Schulleiter Peter Boss. Und Heidi Federli-Bielser, Leiterin der Rheinfelder Schulverwaltung, sagt, gerade zur Mittagszeit herrsche im Bereich der Altstadt ein grosses Verkehrsaufkommen, und die Wendemanöver der Elterntaxis seien «teilweise bedenklich».

Erlebnis Schulweg geht verloren

Doch die Elterntaxis sind den Schulleitungen noch aus einem weiteren Grund ein Dorn im Auge. «Wir möchten, dass die Eltern ihre Kinder den Schulweg erleben lassen», sagt etwa der Schulleiter der Kreisschule Wegenstetten-Hellikon, Patrick Geiger. Christoph Kessler formuliert es gar noch deutlicher. Mit Verweis auf die sozialen Interaktionen auf dem Schulweg sagt er: «Man nimmt den Kindern etwas weg, wenn man sie zur Schule fährt.» Und auch Marie-Theres Bobst, Schulleiterin in Wittnau und Wölflinswil sagt, es sei wichtig für die Entwicklung der Kinder, dass sie den Schulweg selbstständig absolvieren. In ihren beiden Gemeinden sei die Problematik zwar nicht akut, «aber auch wir stellen fest, dass es die Elterntaxis gibt, und gehen das Problem an».

So habe man in Wölflinswil schon vor zwei, drei Jahren den Eltern mitgeteilt, wo es geeignete Halteplätze gebe, falls ein Kind wirklich mal zur Schule chauffiert werden müsse. «Diese sind nicht direkt vor dem Schulhaus», so Bobst. «Grundsätzlich halten sich die Eltern an diese Empfehlungen.» Auch andere Schulen versuchen, mit Appellen und Informationen an Elternabenden die Eltern für die Problematik zu sensibilisieren.

«Der Schulweg liegt in der Verantwortung der Eltern», sagt Peter Boss. Die Schule empfehle aber, dass die Kinder den Weg zu Fuss zurücklegen. In Frick – wie auch in Rheinfelden – wird deshalb die Broschüre «Zu Fuss zur Schule» des Verkehrs-Clubs der Schweiz verteilt.

In Wegenstetten und Hellikon müssen schon Primarschüler in die jeweils andere Ortschaft zur Schule. Doch auch hier gilt die Empfehlung, die Kinder alleine mit dem Postauto zum Unterricht zu schicken. «Schliesslich zahlen die Gemeinden ja auch das Abonnement», so Patrick Geiger. In der aktuellen Phase direkt nach dem Schulanfang würden die Kinder häufiger zum Unterricht chauffiert, sagt Heidi Federli. Und auch das Wetter oder die Jahreszeit spielen gemäss Peter Boss eine Rolle.

Vorwiegend seien es Kindergarten- und Unterstufen-Kinder in der Altersspanne der Vier- bis Achtjährigen. «In dieser Altersgruppe sind es grob geschätzt etwa zehn Prozent, die ihre Kinder regelmässig fahren.» Boss hat aber noch eine andere Beobachtung gemacht: «Es ist erfreulich, wie viele Eltern ihre Kinder zum Kindergartenbeginn zu Fuss begleiten und sie dabei auf die Gefahren des Verkehrs hinweisen. Das geschieht durchaus mit dem Gedanken, die Kinder nach einer gewissen Zeit den Kindergartenweg selber bewältigen zu lassen.»