Gipf-Oberfrick
Schule sucht Schüler: IG-Mitglied glaubt an eigenständige Oberstufe

Die Forderung ist klar: Die IG «Pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick» will, dass die Oberstufe eigenständig bleibt - trotz sinkender Schülerzahlen. IG-Mitglied Ignaz Heim glaubt an eine eigenständige Oberstufe – als Alternative zur Fricker Schule.

Thomas Wehrli
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Individualität statt Anonymität: Für Ignaz Heim von der IG «Pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick» ist klar, dass es einen «Markt» für eine kleine Schule gibt. Symbolfoto/AZ

Individualität statt Anonymität: Für Ignaz Heim von der IG «Pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick» ist klar, dass es einen «Markt» für eine kleine Schule gibt. Symbolfoto/AZ

az Archiv

Die Forderung ist klar: Die IG «Pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick» will, dass die Oberstufe eigenständig bleibt und nicht zum Aussenstandort von Frick wird. Bei der Gemeinde ist man skeptisch, ob dies angesichts der sinkenden Schülerzahlen und des steigenden Drucks aus Aarau möglich ist.

Nachdem der Souverän am Freitag einem Überweisungsantrag klar zugestimmt hat, der fordert, alle Varianten nochmals detailliert zu prüfen, ist für Gemeindeammann Regine Leutwyler «derzeit alles denkbar – und vielleicht haben wir am Schluss eine Lösung, die es im Kanton noch nirgends gibt».

Einen solchen Denkansatz bringt IG-Mitglied Ignaz Heim im Gespräch mit der az ins Spiel: «Die Schule muss moderat wachsen», sagt der fünffache Familienvater, der vier Jahre lang selber in der Schulpflege sass. Sein Vorschlag: Die kleine Oberstufe von Gipf-Oberfrick soll sich auf dem «Schulmarkt» als Alternative zur grossen Schule in Frick positionieren und für Schüler attraktiv sein, «die auf ihrem schulischen Weg eine nähere pädagogische Begleitung oder Förderung wünschen oder brauchen».

Frick hat keine Schulverträge

Denn unbestritten ist, auch von den Befürwortern einer Schulzusammenlegung: Eine kleine Schule kann besser auf den Einzelnen eingehen und ihn individueller fördern. Heim spricht von «soziokulturellen Unterschieden» zwischen den beiden Schulen. Diese gründen für ihn zum einen in der Grösse der Schule, zum anderen in der unterschiedlichen Bevölkerungsstruktur: Gipf-Oberfrick sei ländlicher, habe weniger Grossüberbauungen und eine geringere Herkunftsbreite der Schüler. «Diese Unterschiede spiegeln sich in den pädagogischen Strukturen», ist Heim überzeugt und ist sich sicher: «Solche Feinheiten gingen in Frick verloren.»

Den «Schulmarkt» möglich macht eine Eigenheit von Frick: In der Zentrumsgemeinde werden zwar Oberstufenschüler aus 15 Gemeinden unterrichtet – Frick hat aber mit keiner von ihnen einen Schulvertrag abgeschlossen. Laut Gemeindeschreiber Heinz Schmid ist das historisch so gewachsen. Mit anderen Worten: Die Gemeinden sind theoretisch frei, einen Teil ihrer Schüler nach Gipf-Oberfrick zu schicken. Natürlich wolle man Frick nicht konkurrenzieren, so Heim, «aber es gibt in jeder Gemeinde Schüler, für die unsere kleine Oberstufe besser geeignet wäre».

Heim verweist auf das Beispiel von Herznach, das bereits heute mehrere Oberstufenschüler nach Gipf-Oberfrick schickt. Die IG will in den nächsten Wochen aktiv auf verschiedene Gemeinden zugehen und ihnen den Vorschlag erläutern – unter anderem auf Wittnau, Oberhof und Wölflinswil, die ihre Real- und Sekundarschüler aktuell bereits nach Gipf-Oberfrick schicken.

Mit einem moderaten Wachstum wäre nicht nur der Fortbestand der Oberstufe gesichert, weil die vom Kanton vorgegebenen Mindestschülerzahlen so «auch mittelfristig sichergestellt sind», sondern damit wäre auch die Kostenfrage entschärft. Denn: Steigt die Schülerzahl, sinkt das Schulgeld pro Kind.

Faktenlage ist ungenügend

Ein Grund für die Überprüfung der Situation war nämlich, dass sich Wittnau zusehends daran störte, dass das Schulgeld in Gipf-Oberfrick höher ist als in Frick. Die Gemeinde wandte sich deshalb mit der Anfrage an Frick, ob man ihre Schüler aufnimmt. Die Antwort lautete: Nein, denn man wolle Gipf-Oberfrick nicht in den Rücken fallen. Gegenüber der az machte die Fricker Schulgemeinderätin Susanne Gmünder Bamert aber auch deutlich: Beendet Gipf-Oberfrick das Zusammenschlussprojekt, «müssen wir die Situation neu beurteilen».

Eine ganz andere Überprüfung erwartet Heim: die der Zahlen. Er zweifelt nämlich an, dass das Schulgeld von Gipf-Oberfrick und jenes von Frick 1:1 vergleichbar sind. «Es kommt beispielsweise darauf an, ob und wie Infrastrukturkosten hineingerechnet sind.»

Die Faktenlage hält Heim generell für «ungenügend». «Der Gemeinderat und die Schulpflege konnten bei der Infoveranstaltung mit den Lehrern viele Fragen gar nicht beantworten», sagt er. «Die Behörden haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht.»

Für Heim ist klar: «Jetzt gehören alle Fakten auf den Tisch.» Will heissen: «Sämtliche Varianten müssen unvoreingenommen geprüft und präsentiert werden. Nur so kann sich der Stimmbürger ein Bild machen – und einen fundierten Entscheid fällen.» Heim mahnt zudem zur Vorsicht: «Wenn Frick in ein paar Jahren die Investitionen der letzten Jahre verdaut hat, könnte die Gemeinde ihre eigene Schulanlage erweitern – und Gipf-Oberfrick stünde mit einem leeren Schulhaus da.»

Vom immer wieder kolportierten Argument, Gipf-Oberfrick sitze am kürzeren Hebel und habe nichts zu bestellen, hält Heim «gar nichts». «Wir haben sehr wohl etwas zu bieten», sagt er. «Vielleicht nicht für Frick, aber für alle, die ihre Kinder in einer Schule mit hoher Qualität und motivierter Lernumgebung schicken wollen.»

Dass bei einem Alleingang das Risiko besteht, dass Oberhof, Wölflinswil und Wittnau die Verträge künden, ist sich Heim bewusst. Doch: «Dazu braucht es je einen Beschluss der Gemeindeversammlung, und ich bin guten Mutes, dass den Stimmberechtigten eine individuelle Schule wirklich etwas wert ist.»