Kaisten

Schüler mit Beraterfunktion kümmern sich um Probleme der Mitschüler

Jana Amsler, Giulia Kunz, Andrea Burkhalter, Yasmin Akyol, Felix Keller, Silvan Amsler (obere Reihe von links), Lorena Matranga und Cathleen Ritz (untere Reihe von links) bei der Übergabe des Briefkastenschlüssels vom Ideenbüro.Nadine Pfeifer

Jana Amsler, Giulia Kunz, Andrea Burkhalter, Yasmin Akyol, Felix Keller, Silvan Amsler (obere Reihe von links), Lorena Matranga und Cathleen Ritz (untere Reihe von links) bei der Übergabe des Briefkastenschlüssels vom Ideenbüro.Nadine Pfeifer

Das Ideenbüro der Schule Kaisten ist eine Anlaufstelle für Schüler mit diversen Anliegen. Das Spezielle am Ideenbüro: Die Berater sind selber noch Schüler der sechsten Klasse.

Das Projekt «Kinder beraten Kinder» entwickelte 2002 die Lehrerin Christiane Daepp aus Leubringen. 2005 wurde der Verein «ideenbüro.ch» gegründet, um das Projekt zu unterstützen. Seither beteiligen sich diverse Schulen aus der ganzen Schweiz. Die Primarschule Kaisten hat seit diesem Schuljahr das erste Ideenbüro im Fricktal. Unterstützt werden die Berater von der Schulsozialarbeiterin Sandra Kaufmann, die sie begleitet und in das Leiten von Beratungsgesprächen einführt. Gestern übergaben die vier Berater vom vergangenen Semester den Schlüssel zum Ideenbüro-Briefkasten ihren vier Klassenkammeraden, die das Ideenbüro im neuen Semester leiten werden.

Nicht nur einfache Fälle

Bei der Übergabe wurde ein Fallbeispiel als erste Einführung in die Praxis durchgespielt. Die vier neuen Berater spielten vor, dass die beiden brillenlosen unter ihnen, die beiden Brillenträger wegen ihrer Brillen gehänselt haben und sie ihnen auch schon runtergerissen haben. Die bisherigen Berater demonstrierten, was sie im letzten Semester gelernt haben. Sie gingen mit viel Einfühlungsvermögen auf beide Parteien ein. Und schlagen vor, miteinander statt übereinander zu lachen. «Wäre es nicht schöner, wenn ihr es zusammen lustig haben könntet?»

Der Beispielfall sei eher einfach gewesen, vor allem da alle vier Berater anwesend waren. Weil in der Regel bis zu drei Beratungen pro Donnerstag stattfinden, übernimmt so einfache Fälle meistens nur ein Berater alleine. Bei schwierigen Fällen sind aber mehrere Berater gleichzeitig anwesend.

Besonders herausfordernd seien zum Beispiel die Probleme der Erstklässler. Cathleen sagt: «Sie prügeln sich manchmal und verstehen vieles noch nicht. Deswegen können sie sich auch noch nicht so an Abmachungen halten. Aber es wurde jetzt schon etwas besser. Damit sie ihre Energie auch mal ablassen können, habe ich vor ein paar Tagen in der Pause mit ihnen Fangen gespielt. Und für jeden Tag, an dem sie sich nicht prügeln, bekommen sie ein Gummibärchen.»

Überzeugte Schulleitung

«Die Berater haben sich toll entwickelt. Sie kommunizieren sehr klar», lobt Schulleiterin Daniela Lauber Bärlocher. Kürzlich schlugen Viertklässlerinnen Schuluniformen vor, weil zwei Mitschüler gehänselt wurden. Die Berater hatten untereinander unterschiedliche Meinungen, fanden im Gespräch mit der Schulleiterin aber klare Worte und der Konflikt konnte gelöst werden, ohne Schuluniformen einzuführen.

Daniela Lauber Bärlocher und Sandra Kaufmann sind vom Projekt überzeugt. «Es ist ein ganz anderes Gefäss, als der bisherige Schülerrat. Da jede Woche ein Termin abgemacht werden kann, ist es viel aktueller. Es läuft auch viel mehr, als ich anfangs erwartet hätte», sagt Daniela Lauber Bärlocher.

Sandra Kaufmann erklärt: «Es ist ein tolles Projekt, von dem alle profitieren. Die Berater haben jetzt auch im Schulalltag neue Positionen eingenommen und intervenieren zum Beispiel auch mal auf dem Pausenplatz. Es setzt jedoch voraus, dass alle Lehrer dahinter stehen und den Schülernerlauben, am Donnerstag zwischen 11 und 12 Uhr jederzeit den Unterricht für eine Beratung zu verlassen.»

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